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10.05.2015

15:04 Uhr

Bietergefecht um Here-Dienst

Nokias Straßenatlas wäre Uber drei Milliarden wert

Um den für die Autoindustrie wichtigen Straßenkartendienst "Here" des Mobilfunkers Nokia ist ein Bieterwettbewerb entbrannt. Der Fahrdienst-Anbieter Uber biete dafür drei Milliarden Dollar, berichtet die "New York Times".

Kameras und Sensoren erfassen präzise die Umgebung – und liefern so wichtige Daten für das automatisierte Fahren. picture alliance / dpa

Vermessungsauto von Nokia:

Kameras und Sensoren erfassen präzise die Umgebung – und liefern so wichtige Daten für das automatisierte Fahren.

New York/FrankfurtDer umstrittene Fahrdienst-Anbieter Uber konkurriert im Buhlen um die Navigationstechnik mit einem Bündnis der drei Premium-Autobauer BMW, Audi und Daimler. Deren Gespräche über einen Kauf der Sparte seien schon weit fortgeschritten, könnten aber noch scheitern. Nach dem Bericht der "New York Times" haben sich die Deutschen mit dem chinesischen Suchmaschinenanbieter Baidu zusammengetan.

Es habe inzwischen eine zweite Runde mit Geboten gegeben, sagten Insider. Wieviele Bieter es genau gibt, konnten sie nicht sagen. Doch seien inzwischen drei Gruppen unterwegs: Die Industrie-Unternehmen, also die Autobauer, Technologieunternehmen und Finanzinvestoren.

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Nokia ist bei der digitalen Vermessung der Welt einer der führenden Anbieter. Die Firma versorgt schon heute Millionen von Autos, Navigationssystemen und Smartphones mit Landkarten.

Im April hatte das "Manager Magazin" berichtet, neben den deutschen Premiumherstellern und Uber hätten auch der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman und das Online-Netzwerk Facebook Interesse. Nach Berichten von "New York Times" und "Wall Street Journal" soll eine Entscheidung womöglich noch im Mai fallen.
Weder die Autokonzerne noch Uber oder Nokia wollten sich zu den Berichten äußern. Der Aktien des finnischen Konzerns verteuerten sich um mehr als drei Prozent.

Nokia Here hat einen hohen Marktanteil bei Navigationssystemen. Die Technologie ist für die Autoindustrie wichtig - nicht nur wegen der Entwicklung autonom fahrender Autos, sondern auch wegen möglicher bezahlter Zusatzdienste. Die deutschen Autohersteller wollten verhindert, dass Nokia Here in die falschen Hände gerate, sagte ein Insider. Vor allem die Konkurrenz durch den Internet-Konzern Google, der selbst schon ein selbst fahrendes Auto entwickelt, werde gefürchtet. Der Google -Kartendienst Maps konkurriert ebenso wie TomTom mit Nokia Here. Deshalb wollen sie lieber Milliarden ausgeben, um die Schlüsseltechnologie selbst in die Hand zu nehmen.

Insidern zufolge kalkulierten die Autobauer mit einem Preis kaum über dem Buchwert von Nokia Here von zwei Milliarden Euro. Die Analysten von Inderes Equity Research schätzen den Wert jedoch auf 4,4 bis 6,9 Milliarden Euro. Das Angebot von Uber sei unzureichend und spiegele die Wachstumsmöglichkeiten von Here nicht wider. Im ersten Quartal steigerte der Kartendienst den Umsatz um 25 Prozent auf 261 Millionen Euro. Nokia hatte gleichzeitig mit dem geplanten Kauf des französischen Rivalen Alcatel-Lucent angekündigt, strategische Optionen für Here zu prüfen.

Von

rtr

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