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06.03.2012

11:19 Uhr

Bilanz 2011

RWE sendet nach Horror-Jahr positive Signale

Für Jürgen Großmann ist es heute das letzte Mal, dass er die Bilanz von RWE vorlegt. Und besonders schön sieht sie nicht aus: Vor allem wegen des Ausstiegs aus der Atomenergie hat der Versorger mächtig Federn gelassen.

Strahlende Aussichten? Der sogenannte RWE-Tower, Zentrale des Energiekonzerns in Essen. dpa

Strahlende Aussichten? Der sogenannte RWE-Tower, Zentrale des Energiekonzerns in Essen.

Düsseldorf/EssenNeuer Mut vom neuen Chef: Peter Terium will den Energiekonzern RWE aus der Schockstarre nach dem Atomausstieg lösen und verspricht Beschäftigten und Aktionären neues Wachstum. „Vieles spricht dafür, dass wir die Talsohle zügig durchschreiten werden und wieder Fahrt aufnehmen“, sagte der Niederländer am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Essen.

Der Konzern profitiere davon, dass er neue Kraftwerke ans Netz bringe. Terium will unter anderem das Ökostromgeschäft ausbauen. „Zwischen 2012 und 2014 werden wir rund vier Milliarden Euro in die Erneuerbaren investieren“, kündigte der 48-Jährige an. RWE setze nicht nur auf Großkraftwerke, sondern auch auf kleinere dezentrale Anlagen. „Beim Thema Energiewende ist RWE Teil der Lösung.“

Zusammensetzung des RWE-Aufsichtsrats

Dank einer Kapitalerhöhung, der Entlastung durch den Preisverfall bei Verschmutzungsrechten für seine Kohlekraftwerke und den von Terium am Dienstag angekündigten zusätzlichen Einsparungen von einer Milliarde Euro 2013/14 sieht sich RWE zudem besser aufgestellt. Der Manager will daher weniger Beteiligungen verkaufen als zuletzt von Vorstandschef Jürgen Großmann - der 60-Jährige macht im Juli Platz für seinen Nachfolger - angekündigt. Der Betriebsgewinn und das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis sollen 2012 und 2013 stabil bleiben. Für 2011 will RWE eine Dividende von zwei Euro je Aktie zahlen - in den beiden Jahren zuvor waren es noch jeweils 3,50 Euro je Anteilsschein.

Gasförderung: Die Lage in Deutschland

Vorkommen

Erdgas wird bisher in Deutschland aus sogenannten konventionellen Lagerstätten gefördert. Das Gas befindet sich dabei in gut durchlässigen Gesteinen im Erdreich, aus denen es herausströmt. Gas aus „unkonventionellen“ Vorkommen – dazu zählen auch die vermuteten Gasschätze in Nordrhein-Westfalen – muss dagegen erst aus den Gesteinsschichten gelöst werden. Dazu dient das Fracking-Verfahren.

Fracking

Bei den Erdgasvorkommen in Kohleflözen oder Schiefergestein – den unkonventionellen Lagerstätten – werden in dem Gestein mit hohem Wasserdruck Risse erzeugt, die mit Sand offengehalten werden. Dem Wasser werden Chemikalien in minimalen Mengen zugefügt, die als Schmierstoff und zur Desinfektion dienen. Durch die Risse fließt das Erdgas nach oben. Gegen den Einsatz von Chemikalien protestieren Umweltschützer.

Bewährte Methode

Laut Exxon-Mobil wird in Deutschland bereits seit 50 Jahren gefrackt. Insgesamt seien schon rund 300 Maßnahmen in Niedersachsen durchgeführt worden. Dort handelt es sich um konventionelle Vorkommen, das Fracking dient hier der Produktionssteigerung. Im münsterländischen Nordwalde verzichtet Exxon dagegen auf die umstrittene Fracking-Methode.

Der beschleunigte Atomausstieg traf RWE 2011 hart. Großmann bezifferte die Belastungen durch die Abschaltung des AKW Biblis - einer der wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns - und die neue Brennelementesteuer auf 1,3 Milliarden Euro. Das betriebliche Ergebnis fiel um rund 24 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro, das nachhaltige Nettoergebnis schrumpfte sogar um rund 34 Prozent auf 2,479 Milliarden Euro. Neben der Atomwende machen RWE auch die teuren Langfristverträge mit Lieferanten wie dem russischen Gazprom -Konzern zu schaffen. Zwar verhandele der Versorger mit Lieferanten wie Gazprom über günstigere Verträge. „Allerdings ist dies ein langwieriger Prozess, der Geduld erfordert“, sagte Großmann.

Kommentare (5)

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james007

06.03.2012, 09:32 Uhr

Da Energiewende mit Atomausstieg und CO2-Certifikaten die Bilanzen der Stromkonzerne stark belasten, bleiben nur zwei Möglichkeiten: a) massive Strompreiserhöhung b) für Investitionen in erneurbare Energien ist kein Geld da.

Account gelöscht!

06.03.2012, 10:16 Uhr

Diese Meldung sollte jedem nochmal deutlich machen, dass Atomenenergie nicht dazu da ist, den Endpreis gering zu halten sondern die Aktionäre zu füttern. Die abgeschrieben AKW`s waren Geldruckmaschinen, die den Energiekonzernen satte Gewinne bescherten und noch bescheren, alles UNSER Geld: den Müll bezahlt selbstverständlich zum Großteil der Steuerzahler so wie er die Forschung für den AKW -Strom mit über 100 Mrd Euor finanziert hat,ohne das dafür zunächst eine KWh Strom floss. Da die Rücklagen nur für einen Bruchteil der Zeit reichen, den der Müll bis zur "Ungefährlichkeit" lagern muss: mehere 10.000 Jahre, kommen noch weitere viele Mrd auf den Steuerzahler zu.

MVT

06.03.2012, 10:38 Uhr

c) weniger Gewinn für die großen Energiekonzerne, die jahrelang durch falsche Strategie die Energiewende verpennt haben.

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