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27.02.2013

08:50 Uhr

Bilanz

Airbus treibt den EADS-Gewinn

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS rechnet mit einem weiteren Anstieg des operativen Gewinns. Vor allem das Geschäft mit Verkehrsfliegern wächst. Doch ein Sorgenkind belastet die Bilanz.

EADS profitiert vor allem vom Geschäft mit der zivilen Luftfahrt. Reuters

EADS profitiert vor allem vom Geschäft mit der zivilen Luftfahrt.

MünchenThomas Enders übt sich im Optimismus: Wegen der steigenden Nachfrage nach Airbus-Fliegern erwartet der Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS für 2013, dass das operative Ergebnis (Ebit) im laufenden Jahr vor Einmaleffekten auf 3,5 Milliarden Euro von zuletzt drei Milliarden Euro zulegen kann. "In Zukunft wird für uns als Management-Team anhaltendes Ergebniswachstum weiterhin oberste Priorität haben", erklärte Enders am Mittwoch. "Bis wir unsere Rentabilitätsziele erreichen, liegt noch ein gutes Stück Weg vor uns."

Der Umsatz hatte um 15 Prozent auf 56,5 Milliarden Euro zulegt. Seine Aktionäre will „Major Tom“ darum verwöhnen. Aus dem Gewinn sollen sie 60 Cent je Anteilsschein bekommen, 15 Cent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen erfüllten in etwa die Erwartungen der Analysten.

Die EADS-Zahlen im Überblick

Der Konzern

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat 2012 deutlich mehr Geld verdient. Der Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Tochter Airbus. Daneben gibt es drei weitere Sparten. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit mehr als 133.000 Menschen. Das Geschäft der Divisionen im Überblick.

Airbus

Der Flugzeugbauer mit Sitz in Toulouse ist der Goldesel des Konzerns. Der Boeing-Rivale steht mit Erlösen von fast 38,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. 2012 verdiente Airbus vor Zinsen und Steuern (EBIT) gut 1,2 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie 2011. Mit gut 69 000 Beschäftigten arbeitet mehr als jeder zweite EADS-Mitarbeiter für den Flugzeugbauer. Ein wichtiger Airbus-Standort ist Hamburg.

Eurocopter

Der Hubschrauberhersteller ist 2012 gemessen am Umsatz die zweitgrößte Sparte des Konzerns. Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf den Rekordwert von fast 6,3 Milliarden Euro. Das EBIT stieg um 20 Prozent auf 311 Millionen Euro. Verantwortlich für das Plus war vor allem das Wartungsgeschäft, die Zahl der ausgelieferten Hubschrauber sank 2012 von 503 auf 475. Auch Eurocopter spürt hier vor allem Kürzungen von Rüstungsausgaben. Das Unternehmen mit Sitz im französischen Marignane beschäftigt knapp 20 800 Menschen.

Astrium

Die Raumfahrttochter ist inzwischen die drittstärkste Division des Konzerns. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Paris stieg vor allem wegen des Service-Geschäfts um 17 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Das EBIT stieg ebenfalls um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro. Astrium steht vor allem für die europäische Trägerrakete Ariane, aber auch für den Bau von Satelliten. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 16 600 Menschen.

Cassidian

Die Rüstungstochter bekommt die Sparzwänge in vielen europäischen Ländern besonders deutlich zu spüren. Die geplatzte Fusion mit BAE Systems machte zudem Hoffnungen der EADS-Spitze zunichte, Zugang zu weiteren Märkten zu bekommen. Der Umsatz von Cassidian sank 2012 leicht um 1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro, das EBIT brach allerdings um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein - vor allem wegen der Kosten für den Umbau und Jobstreichungen. 2011 war die Sparte mit Sitz in der Nähe von München gemessen am Umsatz noch die Nummer 2 im EADS-Konzern. Cassidian hat rund 20 900 Beschäftigte.

Doch die guten Zahlen stehen auf wackeligen Beinen: Weiterhin ist der Konzern stark abhängig vom krisenanfälligen Geschäft mit der zivilen Luftfahrt, das einen Großteil des Erfolgs ausmacht. Mit einem Gewinn von 1,23 Milliarden Euro rettet der Flugzeugbauer die EADS-Bilanz - und die Auftragsbücher sind weiterhin prall gefüllt. Der Orderbestand habe zuletzt 566,5 Milliarden Euro betragen, im vergangenen Jahr waren Neubestellungen von 102,5 Milliarden Euro dazu gekommen. Airbus will im laufenden Jahr seinen Auslieferungsrekord von 2012 übertrumpfen: Bis zu 610 Modelle sollen zu den Kunden fliegen. Insbesondere die spritsparende Variante des Mittelstreckenjets A320 findet bei den Fluggesellschaften reißenden Absatz.

Für 2013 bleiben allerdings einige Probleme bestehen: Die Haarrisse an den Tragflächen des A380 müssen weiterhin auf Kosten von Airbus nachgebessert werden, das geht zulasten der Produktion. Zuletzt bestellten die Fluglinien deutlich weniger Exemplare des weltgrößten Passagierflugzeugs als Airbus ursprünglich gehofft hatte. Deshalb rechnet Konzernchef Tom Enders 2013 nur mit einem „moderaten“ Umsatzplus.

Extrageld wird der Flugzeugbauer in das Programm der neuen A350-XWB stecken müssen. Der Produktionsstart des neuen Langstrecken-Jets verzögert sich erneut, teilte Airbus mit. Das Programm bleibe herausfordernd. „Die Zeitplanung enthält keine weiteren Puffer“, hieß es. Der neue Flieger soll dem 787-„Dreamliner“ von Boeing Konkurrenz machen, der allerdings wegen heftiger Probleme mit neuen Batterien derzeit am Boden bleiben muss und sich für die Amerikaner zu einem teuren Alptraum entwickelt.

Wer die meisten A380 in der Flotte hat

Platz 9

Thai Airways

Insgesamt hat die südostasiatische Airline sechs Riesenflieger bei Airbus geordert. Zwei wurden 2012 ausgeliefert. Bei einem Listenpreis von 390 Millionen Euro ist das trotzdem eine gewaltige Investition.

Platz 8

Malaysia Airlines

Vier A380 wurden an die Airline ausgeliefert. Damit wollen die Malaysier unter anderem ihre Langstrecken-Flüge von Kuala Lumpur nach London aufwerten. Insgesamt sind sechs Riesenflieger bestellt.

Platz 7

China Southern Airlines

Im Laufe des Jahrzehnts soll China die USA als wichtigster Luftfahrtmarkt der Welt ablösen. Schon heute rüsten die chinesischen Airlines auf. Vier A380 wurden 2012 ausgeliefert. Fünf sind bestellt.

Platz 6

Korean Air

Insgesamt zehn A380 hat die koreanische Airline geordert, fünf wurden bereits ausgeliefert. Offensiv wirbt die Airline für das luxuriöse Flugerlebnis im Riesenflieger.

Platz 5

Air France

In Arbeitsgruppen hat die französische Airline selbst an der Entwicklung des Riesenfliegers von Airbus mitarbeitet. Heute haben die Franzosen bereits acht A380 in der Flotte, 12 sind bestellt.

Platz 4

Lufthansa

Mit zehn A380 steuert die Lufthansa im aktuellen Flugplan Frankfurt, Houston, Johannesburg, Peking, San Francisco, Tokio und Miami an. Das Angebot könnte noch wachsen: 17 Riesenflieger hat die Airline geordert.

Platz 3

Qantas Airways

Die Australier haben ihre A380 mit einer First Class aufgewertet und gehören zu den Airlines mit den meisten Riesenfliegern in der FLotte. 20 sind bestellt, 12 wurden ausgeliefert.

Platz 2

Singapore Airlines

19 bestellt - 19 ausgeliefert. Die Airlines aus Singapore kann bereits ein breites Angebot mit dem A380 auf die Beine stellen.

Platz 1

Emirates

Die Krone sichert sich aber gänzlich unangefochten die Golf-Airline Emirates. 28 Riesenflieger wurden schon ausgeliefert, bestellt sind 90. Damit dürfte die Airline auf Jahrzehnte über die größte A380-Flotte der Welt verfügen.


Nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems hat EADS aber weiterhin ein Sorgenkind: Das Rüstungsgeschäft. Während fast alle Schwestersparten wie Eurocopter oder das Raumfahrtsegment Astrium Zuwächse verbuchten, knickte das Ergebnis der Rüstungseinheit Cassidian um gut die Hälfte ein. Der Grund liegt in einem Sanierungsprogramm, das die Oberschleißheimer im vergangenen Jahr angesichts düsterer Zukunftsprognosen nach der geplatzten Fusion auf den Weg gebracht haben. Insbesondere in den USA, dem größten Rüstungsmarkt der Welt, ist EADS schlecht aufgestellt.

Die von Enders vorangetriebene Fusion mit BAE war zuletzt am politischen Widerstand vor allem in Berlin gescheitert. Danach musste sich EADS neu sortieren und bekam nach langen Ringen eine neue Eigentümer- und Führungsstruktur verordnet. Erstmals steigt dann auch Deutschland bei EADS ein und ist mit Frankreich zusammen größter Einzelaktionär des deutsch-französischen-spanischen Konzerns.

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