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14.03.2012

15:55 Uhr

Bilanz-Aussicht

Wacker Chemie wird Gewinnrückgang verbuchen

Ein unerwartet starker Rückgang bei der Nachfrage im Halbleiter- und Solargeschäft hat Chemiekonzern Wacker Chemie bereits Ende 2011 die Bilanz verhagelt. Die Zukunft sieht für die Münchner kaum besser aus.

Die Firmenzentrale von Wacker Chemie in München. dpa

Die Firmenzentrale von Wacker Chemie in München.

MünchenDie Solarkrise schwächt die Ertragskraft des bayerischen Spezialchemiekonzerns Wacker. Der Preisrutsch für das in Solarzellen verwendete hochreine Silizium werde künftig die Renditen sinken lassen, sagte Vorstandschef Rudolf Staudigl am Mittwoch. „Polysilizium wird zu einem ganz normalen Chemiegeschäft. Und das hat mich mein Leben lang gut ernährt“, zeigte er sich gelassen. Die Preise für das grau-silberne Metall seien binnen Jahresfrist auf 30 Dollar von zuvor 50 Dollar pro Kilogramm gefallen, sagte Finanzvorstand Joachim Rauhut. Die Entwicklung werde sich auch auf den operativen Gewinn (Ebitda) 2012 niederschlagen, der um mehr als ein Zehntel schrumpfen werde. An der Börse kamen die Aussichten nicht gut an: Die Wacker-Aktie fiel gut drei Prozent und war damit größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax. 

Die Entwicklung verdeutlicht die Turbulenzen vor allem der deutschen Solarbranche. Einige Kunden seien komplett ausgefallen, sagte Rauhut. Andere feilschten mit Wacker um Preise und Liefermengen oder nähmen Vertragsstrafen in Kauf, um bestelltes Material nicht abnehmen zu müssen. Noch vor wenigen Jahren, als Polysilizium pro Kilo mitunter mehr als 200 Dollar kostete, ging die Solarwirtschaft langfristige Vereinbarungen mit dem Rohstofflieferanten ein, um den Nachschub zu erschwinglichen Preisen zu sichern. Durch die schwindende Nachfrage und das mittlerweile größere Angebot an Polysilizium, gehörten nun Renditen von über 60 Prozent der Vergangenheit an. „Polysilizium ist eine Massenware geworden“, räumte Rauhut ein. In diesem Jahr werde das Geschäft eine Marge von weniger als 40 Prozent abwerfen. 

Staudigl kritisierte die Bundesregierung wegen ihrer Pläne, die Solarsubventionen zu stutzen. „Mit zu drastischen Einschnitten würde ein massiver Markteinbruch provoziert. Die ab Mai geplante monatliche Absenkung um 0,15 Cent je Kilowattstunde und die Begrenzung der vergütungsfähigen Strommenge gehen aus unserer Sicht zu weit.“ Solarinvestitionen in Deutschland würden sich kaum noch rechnen. 

In den USA baut Wacker seine Siliziumfertigung allerdings aus. Der Grund dafür sind die geringeren Betriebskosten, vor allem wegen des niedrigeren Strompreises. 

Von seinem anderen Geschäft mit Halbleiterwafern und allgemeiner Chemie kann Wacker derzeit kaum finanziellen Trost erwarten. Hohe Rohstoffpreise lasteten auf den Erträgen. „Alles was mit Petrochemie zu tun hat, steht unter enormen Margendruck“, sagte Rauhut. Die Produkte von Wacker sind weiter gefragt, so dass der Umsatz trotz sinkender Preise im laufenden Jahr leicht auf fünf Milliarden Euro steigen werde. Und Staudigl hält sein Haus auf Expansionskurs: Rund eine Milliarde Euro will er 2012 in den Ausbau der Fertigungskapazität investieren. 

Bereits im vergangenen Jahr hatte Wacker einen Gewinnrückgang von gut einem Viertel auf 356 Millionen Euro verzeichnet. Auch die Aktionäre bekommen den Abwärtstrend, der sich 2012 fortsetzen soll, zu spüren: Die Dividende fällt für 2011 mit 2,20 Euro je Aktie um einen Euro geringer aus als im Vorjahr. Davon ist vor allem die Familie um Aufsichtsratschef Peter-Alexander Wacker betroffen, die zwei Drittel der Anteile gehören.

 

Von

rtr

Kommentare (1)

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vandale

14.03.2012, 10:45 Uhr

Wacker ist ein Turnaround Kandidat im frühesten Stadium.

Das Chip Geschäft stagniert da immer mehr Funktionen auf gleicher Waferfläche realisiert werden.

Das Solargeschäft basiert auf der Illusion der Solarenergie und massiven Subventionen. Letztere können sich die Altindustriestaaten immer weniger leisten.

Demzufolge ist es entscheidend, dass Wacker diese Situation erkennt und nicht dem schwindenden Markt hinterherläuft und andere, meines Erachtens sehr interessante Perspektiven der Silikone, z.B. Kleber, Bau.. nutzt und diese ausbaut.

Aufgrund der teuren Energie, CO2 Klimahöllenglauben, Atomstrahlenglauben, wird Wacker nicht um eine Verlagerung eines Teils der Produktion herumkommen.

Mal schauen ob Wacker diese Herausforderungen versteht und wie man diese anpackt.

Vandale

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