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21.11.2011

10:14 Uhr

Bilanz-Manipulation

Olympus-Skandal wird zur Systemfrage

VonJan Keuchel

Der Skandal um gefäschte Bilanzen beim Kamerahersteller Olympus weitet sich aus. Der Fall stellt mehr und mehr das System der Unternehmensführung in Japan in Frage. Wer übernimmt eigentlich wofür die Verantwortung?

Olympus-Logo vor einer roten Ampel: Hatte der Kamera-Hersteller sogar mit der japanischen Mafia zu tun? Reuters

Olympus-Logo vor einer roten Ampel: Hatte der Kamera-Hersteller sogar mit der japanischen Mafia zu tun?

TokioDer Gang dürfte ihm schwer gefallen sein. Aber hätte er sich nicht denken können, dass ihr System irgendwann ruchbar würde? Vielleicht hatte sich Hisashi Mori, einst Vizepräsident des Kameraherstellers Olympus, aber auch nur mit den falschen Leuten eingelassen. Nun müssen er und zwei andere hochrangige Manager des Konzerns sich lästige Fragen anhören – von den Tokioter Bezirksstaatsanwälten und der Polizei.

Am Wochenende wurden Mori vernommen, Ex-Präsident und Chairman Tsuyoshi Kikukawa und Aufseher Hideo Yamada sollen folgen. Von den Gesprächen ist noch nichts publik geworden. Fest scheint jedoch zu stehen, dass die Beträge, die durch die Hand des Trios in dunkle Kanäle geflossen sein sollen, immer größer werden. Im Raum stehen mittlerweile 481 Milliarden Yen (etwa 4,6 Milliarden Euro).

Es ist eine Geschichte ganz nach dem Geschmack der Medien. Hatte die Yakuza ihre Hand im Spiel? War der bieder wirkende Kamera-Hersteller Olympus von der japanischen Mafia unterwandert? Die Vermutungen schießen ins Kraut, seit der Bilanzfälschungsskandal bei dem Unternehmen aus Tokio, das auch medizinische Hochleistungsinstrumente herstellt, ruchbar wurde. Dazu ein Ausländer, der den Stein ins Rollen brachte – und japanische Manager, die offensichtlich lügen. Für Koji Miyata ist deshalb längst klar, was passieren muss. Er will die Olympus-Mitarbeiter aktivieren, damit „das Management Woodford wieder einsetzt“, sagt Miyata. „Er war der einzige, der sich richtig verhalten hat.“

Der ehemalige Olympus-Vizepräsident Hisashi Mori (Mitte) bei einer Pressekonferenz. dapd

Der ehemalige Olympus-Vizepräsident Hisashi Mori (Mitte) bei einer Pressekonferenz.

Koji Miyata war von 1995 bis 2006 Direktor bei dem bekannten Kamera-Unternehmen. Zurzeit betreibt er ein Blog, mit dem er Unterstützer für Michael C. Woodford sucht. 356 Menschen haben sich nach seinen Angabe schon dazu bereit erklärt. Woodford war bis vor kurzem CEO von Olympus, dann wurde er, nach nur sechs Monaten im Amt, gefeuert – angeblich, weil sein Management-Stil nicht den Wünschen des Aufsichtsrats entsprach. Richtiger ist wohl, dass der Brite deren ausgeklügeltes System der Verlustverschleierung nicht decken wollte. Als er Kikukawa zum Rücktritt aufforderte, wurde er kurzerhand entlassen.

Der Brite, immerhin seit 30 Jahren bei dem Unternehmen, wollte sich damit nicht abfinden – und ging an die Öffentlichkeit. Seither interessieren sich nicht nur japanische Ermittler, die Politik und Börsenaufseher für den Fall. Auch das amerikanische FBI und die britische Anti-Korruptionsabteilung sind mit im Boot, da die involvierten Firmen teilweise auch im Ausland saßen.

In dieser Woche soll Woodford zu einem Treffen mit den Behörden nach Tokio kommen. Zugleich will er sich am Freitag erneut vor Journalisten äußern.

Kommentare (3)

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GuenterZorn

21.11.2011, 09:50 Uhr

Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Vorgänge bei Olympus ganz Japan belasten.
Hier musste wohl eine knackige Ueberschrift gefunden werden.

Account gelöscht!

21.11.2011, 09:54 Uhr

Das Beispiel Olympus ist nur ein weiteres, das deutlich zeigt, dass Profite an aller erster Stelle stehen. Das ist grundsätzlich OK. Es zeigt aber auch, dass Selbstverpflichtungen der Wirtschaft, auf die ja auch in Europa gesetzt wird, naiver politischer Unsinn sind.

Kann man sich vorstellen, dass ein Fußballspiel ohne Schiedsrichter läuft, weil die Gegner sich stattdessen verpflichten, sich an die Regeln zu halten. Naiv - gelle.

Natürlich braucht Wirtschaft Regeln und deren Einhaltung muß überwacht werden. Je einfacher die Regel, desto besser die Chance dass Verletzungen offengelegt werden können.

Account gelöscht!

21.11.2011, 11:09 Uhr

@GuenterZorn
.. das kann ich schon. Wenn die Olympia-Machenschaften von 'den Japanern' nicht isoliert gesehen werden, sondern als Anzeichen eines breiten Misstrauens gegen das etablierte Management und deren Vernetzung.

Auch der Fukushima Konzern Tepco sorgte mit seiner Informationspolitik nicht gerade für Vertrauensaufbau. Japan hat ja schon des öfteren schlechte Erfahrungen mit etabliertem Management gemacht und sieht das aktuelle Debakel als Beweis für eine breite Fehlentwicklung.

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