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25.01.2011

00:00 Uhr

Bilanzanalyse

Die zweite Bewährungsprobe des Peter Löscher

VonAxel Höpner, Susanne Schier

Der Vorstandschef hat die Lasten der Vergangenheit aus dem Weg geräumt. Jetzt muss er Siemens auf Wachstumskurs bringen. Die ausführliche Analyse der Bilanz.

Gute Stimmung in der Siemens-Zentrale in München. Quelle: dapd

Gute Stimmung in der Siemens-Zentrale in München.

Düsseldorf, FrankfurtSchön ist es, wenn man neue Höhen erklimmt. Der Blick weitet sich - und die Probleme am Boden wirken aus der Vogelperspektive klein.

Im orangefarbenen Anorak, mit grauer Skihose und weißem Helm stand Peter Löscher auf der Zugspitze. Höher geht es in Deutschland nicht hinaus. Der Himmel war strahlend blau. Mit leuchtenden Augen ließ der Siemens-Chef, der sonst eher kritisch dreinschaut, den Blick über die Alpengipfel schweifen. "Wahnsinn, ein Kaiser-Wetter", sagte er und wedelt dann mit eleganten Schwüngen den Hang hinab. Solche Momente liebt der Österreicher - Skifahrer von Kindesbeinen an.

Auch mit Siemens hat er neue Höhen erreicht. Den Aktionären kann Löscher heute auf der Hauptversammlung in der Münchener Olympiahalle von einem Rekordjahr berichten. Obwohl das Geschäftsjahr in der ausklingenden Krise begann, lief es bei dem Technologiekonzern operativ gut. Nach langer Aufholjagd sieht Löscher den Konzern nun auf Augenhöhe mit dem ewigen Rivalen General Electric (GE). In absoluten Zahlen übertrifft der US-Konkurrent die Bayern zwar immer noch, bei der Rendite aber hat sich Siemens ganz nah an GE herangearbeitet.

Für Löscher ist das ein großer Erfolg. Doch es ist auch ein Problem. Denn hat man neue Höhen erklommen, wird die Luft dünner. Das weiß der passionierte Alpinist aus Kärnten nur zu gut. In den vergangenen Jahren hatte Siemens den Investoren eine Sanierungsstory zu bieten. Verlustreiche Baustellen und Kostenprobleme brachten vor allem Fonds, die nach Turn-around-Kandidaten suchten, auf den Geschmack, Siemens-Aktien zu kaufen. Inzwischen ist der Korruptionsskandal ausgestanden, die meisten Baustellen sind geschlossen. Jetzt fordern die Kapitalmärkte eine neue Story. Löscher muss sie ihnen bieten. Das ist die zweite schwere Prüfung für den Konzernchef.

Gute Stimmung bei den Aktionären hat Löscher schon mit seiner Ankündigung ausgelöst, dass die Dividende erhöht werde. Heute wird er den Anteilseignern eine Erhöhung der Ausschüttung von 1,60 auf 2,70 Euro je Aktie vorschlagen. Beim aktuellen Kurs beträgt die Dividendenrendite etwa drei Prozent. Damit liegt Löscher auf einer Linie mit der Konkurrenz - leicht über GE und etwas unter Philips.

Die Ausschüttungsquote, das heißt der an die Aktionäre weitergegebene Gewinnanteil, beträgt bei Siemens nun 46 Prozent. Künftig will der Konzern immer 30 bis 50 Prozent ausschütten. Die Anteilseigner dürfen daher auf stabile Erträge hoffen - sofern die Gewinne stimmen.

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