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31.05.2012

09:26 Uhr

Bilanzanalyse

Wie sich EADS vom Staat emanzipieren will

VonMarkus Fasse

EADS will sich aus den Fängen der Politik befreien. Doch gerade jetzt wird neben Spanien und Frankreich auch der deutsche Staat Aktionär. Welche Aufgaben auf den neuen Chef Thomas Enders warten.

EADS-Chef Thomas Enders, links, und Louis Gallois mit einem Modell des Langstreckenflugzeugs A350. Ob Airbus-Mutter EADS demnächst auch bilanztechnisch abhebt, bleibt fraglich. ap

EADS-Chef Thomas Enders, links, und Louis Gallois mit einem Modell des Langstreckenflugzeugs A350. Ob Airbus-Mutter EADS demnächst auch bilanztechnisch abhebt, bleibt fraglich.

MünchenHeute trifft sich in Amsterdam wieder eine illustre Gemeinde. Im grellbunten Ambiente des Hotels Okura tagt die Hauptversammlung eines der größten Konzerne des Kontinents - auch wenn das kaum einen Niederländer interessiert.

Die Niederlande braucht der größte Flugzeughersteller der Welt nur als Postadresse und als neutrales Terrain. Die Aktionäre kommen meist aus Deutschland und Frankreich.

So wie sich Europa Brüssel als Hauptstadt ausgesucht hat, so ist das kleine Städtchen Leiden Hauptstadt des wichtigsten europäischen Gemeinschaftsunternehmens. Die Briefkastenfirma in Südholland ist einer dieser kleinen, feinen Kompromisse, ohne die die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) wohl nie gegründet worden wäre.

Und wie es aussieht, wird der prominente Briefkasten wohl noch lange in Leiden hängen. Denn eine lange diskutierte Änderung der Unternehmenssatzung, die einige der Geburtsfehler der EADS hätte beseitigen können, liegt seit Jahren auf Eis.

Denn die EADS ist ein Gigant, dessen grobe Richtung nur schwer zu steuern ist. 130 000 Menschen arbeiten für den Luft- und Raumfahrtkonzern, der pro Jahr fast 50 Milliarden Euro erlöst. Die Töchter Airbus und Eurocopter sind Weltmarktführer für Passagierflugzeuge und Hubschrauber. Astrium schießt die stärksten Raketen ins Weltall, Cassidian baut mit dem Eurofighter eines der stärksten Kampfflugzeuge.

Kaum ein anderes Unternehmen vereint so viele Technologien unter einem Dach wie EADS. Und kein anderes Unternehmen in Europa steckt so voller Konflikte und Probleme wie die Airbus-Mutter. So wie 2012 ein Schicksalsjahr für die europäische Gemeinschaftswährung werden dürfte, so werden auch die kommenden Monate für EADS von großer Bedeutung sein.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Der Euro und die EADS sind gleich alt. Mit der Einführung der gemeinsamen Währung zur Jahrtausendwende legten die Regierungen in Paris, Madrid und Berlin auch ihre Luft- und Raumfahrtindustrie zusammen, um sich gegen die Konkurrenz aus den USA und den Schwellenländern behaupten zu können.

Nach mehr als einem Jahrzehnt EADS liegen Chancen und Risiken immer noch dicht beieinander: Auf der einen Seite steht ein riesiges Auftragsbuch, auf der anderen Seite existieren große technische und damit wirtschaftliche Risiken. Der designierte EADS-Chef Tom Enders pocht auf wirtschaftliche Freiheit, die europäischen Regierungen drängen auf mehr Kontrolle.

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