Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2011

10:24 Uhr

Bilanzcheck

Die Gewinnmaschinen unter den deutschen Konzernen

VonUlf Sommer

Anleger setzen seit Jahren auf Nebenwerte - der MDax läuft besser als der Dax. Doch die Geschäftszahlen und der langfristige Wachstumscheck belegen: Die großen Konzerne wirtschaften viel profitabler als die kleinen.

Ein Mitarbeiter der BASF geht über eine Treppe zu einem Tanklager. Quelle: dpa

Ein Mitarbeiter der BASF geht über eine Treppe zu einem Tanklager.

DüsseldorfDeutschlands 100 größte Konzerne verkaufen so viele Autos, Kraftwerke, Gabelstapler, Lebensmittel und Software wie noch nie. 1,28 Billionen Euro haben sie im abgelaufenen Geschäftsjahr umgesetzt. Das waren 110 Milliarden Euro mehr als im Krisenjahr 2009. Sogar der bisherige Umsatzrekord im Jahr 2007 wurde um 80 Milliarden Euro übertroffen. Mehr noch: Ein Boomjahr nach dem heftigsten Wirtschaftseinbruch in der Nachkriegsgeschichte reicht aus und die großen Dax-Konzerne verdienen so viel und arbeiten so rentabel wie noch nie. Davon sind die Firmen in der zweiten und dritten Reihe noch weit entfernt. Ihr Abstand zu den Großkonzernen wächst.

Das belegt der aktuelle Firmencheck der 100 größten deutschen börsennotierten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen. In den vergangenen Tagen haben die letzten Firmen ihren Abschluss für das Geschäftsjahr 2010 veröffentlicht. "Die Krise ist weit weg, aber den Firmen dürfte es 2011 schwerfallen, diese Rekordergebnisse zu toppen", sagt der Bilanzexperte und Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung (CBP) in Saarbrücken, Karlheinz Küting.

Die klassischen Industriebranchen Chemie und Automobil ragen 2010 und 2011 mit deutlichen Gewinnsteigerungen heraus. Im abgelaufenen Jahr baute Volkswagen mit einem Umsatzsprung von 21 Prozent und einem Rekordgewinn von 7,2 Milliarden Euro seine Spitzenposition weiter aus. Daimler schob sich am Versorger Eon auf Platz zwei vorbei. BASF erzielte mit 26 Prozent den größten Umsatzsprung unter den Top 10.

Wenn es um Nettogewinne und Rentabilität geht, liegen die Dax-Konzerne weit vorn. Sie verdienten unter dem Strich insgesamt 53 Milliarden Euro und damit zwölf Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007. Davon sind die übrigen Konzerne noch weit entfernt. Den mittelgroßen Unternehmen im MDax fehlt bis zum Spitzenwert von 2007 noch ein Viertel des Nettogewinns, den kleineren im SDax sogar noch fast 70 Prozent. Das Auseinanderdriften zwischen großen und kleineren Unternehmen führt an den Börsen zu Ungleichgewichten. Erst recht, weil Anleger seit langem Aktien aus der zweiten Reihe bevorzugen.

Ob auf Sicht von drei, sechs oder zwölf Monaten oder im langfristigen Zeitraum von fünf oder zehn Jahren - stets liefen die Aktienkurse im MDax besser als im Dax. Weil sich aber die Nettogewinne der Dax-Konzerne besser entwickeln als bei den MDax-Unternehmen, werden die Nebenwerte immer teurer. Durchschnittlich bezahlen Anleger die MDax-Firmen mit dem 14-Fachen des erwarteten Jahresgewinns, die Dax-Konzerne aber nur mit dem Elffachen. Gemessen an ihrer Ertragsstärke sind die Unternehmen in der zweiten Reihe also 30 Prozent teurer als diejenigen in der ersten Reihe.

Die Ursachen für die unterschiedliche Ertragsstärke reichen weit zurück. "Bei den Unternehmen in der zweiten Reihe hatte die Krise sehr viel stärker als bei den Großen durchgeschlagen. Deshalb erholen sich die Kleinen nun von einer niedrigeren Ausgangsbasis aus", sagt Thomas Kautzsch von der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Viele der stark vom Export abhängigen Industriefirmen wie der Kupfer-Produzent Aurubis, der Autozulieferer Continental oder der Stahlhändler Klöckner & Co waren auf dem Höhepunkt der Krise in die roten Zahlen gerutscht. Insgesamt hatten alle MDax-Konzerne zusammen 2009 knapp zwei Milliarden Euro Verlust angehäuft. Hingegen verdienten die Dax-Konzerne immerhin noch 21,5 Milliarden Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×