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20.01.2009

08:45 Uhr

Bilanzen

Krise verhilft zur Schnelligkeit

VonUlf Sommer

Börsennotierte Unternehmen müssen kursrelevante Nachrichten sofort präsentieren. Die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt den Trend zu immer rascheren Bilanzen. Das gilt besonders für die gebeutelte Finanzbranche.

Die Deutsche Post veröffentlichte ihre Bilanz fünfeinhalb Wochen vor dem anvisierten Termin. Foto: AP ap

Die Deutsche Post veröffentlichte ihre Bilanz fünfeinhalb Wochen vor dem anvisierten Termin. Foto: AP

DÜSSELDORF. Ihre Bilanz präsentiert die Deutsche Post am 26. Februar. So steht es im Terminkalender einschlägiger Finanzdatenspezialisten wie Bloomberg. Doch der Ex-Monopolist überraschte bereits gestern und damit fünfeinhalb Wochen vorher zumindest mit Eckdaten für 2008. So schnell war die Post noch nie. Zuvor fiel bereits der Nivea- und Tesa-Hersteller Beiersdorf dadurch auf, früher als vorgesehen und sogar vor allen anderen Dax-Konzernen mit seinen Infos zu kommen. Alles nur Ausdruck der schnelllebigen Zeit?

Fakt ist, dass börsennotierte Unternehmen alle wichtigen, das heißt kursrelevanten Nachrichten sofort präsentieren müssen, sobald das Management von ihnen weiß. Verzögerungen darf es nicht geben. Jedermann soll zeitgleich alle Informationen bekommen. Doch was sind kursrelevante Nachrichten? Schließlich schwanken Kurse auch ohne Nachrichten. Andererseits vermögen scheinbar starke Neuigkeiten bisweilen die Kurse gar nicht zu bewegen.

Wer mit seinen Zahlen die Vorabschätzungen der Finanzmärkte nur bestätigt und auch sonst keine großen Überraschungen auslösen wird, präsentiert üblicherweise keine kursrelevanten Nachrichten. "In solchen Fällen gibt es Firmen, die mit Neuigkeiten dennoch sofort an die Öffentlichkeit gehen. Andere hingegen warten bis zum anvisierten Termin", sagt Andreas Plaesier von der Hamburger Privatbank M. M. Warburg. Wissen die Unternehmen jedoch von außergewöhnlichen Verlusten oder Abschreibungen, dann müssen sie damit sofort an die Öffentlichkeit. So wie gestern die Deutsche Post.

Insofern verwundert es nicht, dass ausgerechnet jetzt besonders viele Firmen zumindest wesentliche Teile ihrer Bilanzen vor dem eigentlichen Termin offen legen. Spektakuläres Beispiel sind die "vorläufigen Zahlen" und der 3,9-Mrd.-Jahresverlust der Deutschen Bank in der vergangenen Woche. Der Branchenprimus wäre am 5. Februar fällig gewesen. "Wir beobachten dieses Phänomen weltweit und ganz besonders in der gebeutelten Finanzbranche", sagt Plaesier. Auch die angeschlagene amerikanische Citigroup und Merrill Lynch veröffentlichten ihre Zahlen vorzeitig.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt allerdings nur den Trend zu immer rascheren Bilanzen. Nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Kirchhoff veröffentlichten im vergangenen Jahr knapp zwei Drittel der 30 Dax-Konzerne ihre Jahresergebnisse früher als 2007. Die Entwicklung beobachten Experten seit Jahren, und sie wird sich fortsetzen. Zumindest solange, wie die US-Konzerne immer noch den Start in jeder Bilanzsaison einläuten und der europäischen Konkurrenz um gut zwei Wochen vorweg laufen. Diese Verzögerung auf dem Alten Kontinent kritisieren Investoren seit langem.

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