Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.07.2011

16:18 Uhr

Bilfinger Berger

Koch will deutsche Unternehmen besser vor Übernahmen schützen

Der neue Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch fordert von der Bundesregierung einen besseren Schutz deutscher Unternehmen vor Übernahmen. Dafür will der Manager auch auf seine Kontakte in der Politik zurückgreifen.

Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ist nun Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger Berger. Quelle: dpa

Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ist nun Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger Berger.

Mannheim„Es ist leichter, in Deutschland ein Unternehmen feindlich zu übernehmen als in anderen europäischen Ländern“, sagte Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch der „Wirtschaftswoche“ - und verwies auf die feindliche Übernahme des Konkurrenten Hochtief durch den spanischen Bau-Riesen ACS. 

„Anderswo muss ein Großaktionär nicht nur nach Erreichen der 30-Prozent-Grenze, sondern auch bei 50 Prozent ein Pflichtangebot vorlegen“, sagte der frühere hessische Ministerpräsident. „Das sollten wir auch in Deutschland einführen.“ Er werde sich in der CDU dafür einsetzen. Koch steht seit Anfang Juli an der Spitze von Bilfinger Berger. 

Der Manager wies für sein Unternehmen Verantwortung für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs zurück. Bilfinger sei Teil einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) mit anderen Baufirmen gewesen, sagte Koch. „Wir haben aber keinen Anlass, davon auszugehen, dass die Hauptursache bei den Unternehmen der Arge lag. Klarheit darüber gibt es wahrscheinlich erst 2013.“ Als 2009 das Stadtarchiv beim U-Bahn-Bau einstürzte und zwei Menschen in den Tod riss, war Bilfinger in die Kritik geraten. Die genaue Einsturzursache steht nach wie vor nicht fest. 

Zu Korruptionsvorwürfen gegen die Tochter Julius Berger in Nigeria sagte Koch: „Ich nehme das alles ernst. Aber ich sehe auch, dass viele Anschuldigungen schlicht falsch sind.“ Er sehe keine Anzeichen dafür, dass es ein systematisches Problem gebe. „Ob es in der Vergangenheit einzelne Verfehlungen gegeben hat und ob sie juristisch relevant sind, wird man sehen.“ 

Der 53-Jährige zog eine positive Bilanz seines Wechsels von der Politik in die Wirtschaft. „Mein Wunsch war immer, mit Mitte 50 in die Wirtschaft zurückzukehren“, sagte Koch. „Das ist mir gelungen, und ich bin unglaublich zufrieden damit.“ Sein Prominentenstatus berge dabei Vor- und Nachteile. „Ein Vorteil ist es, jemanden aus dem alten, weltweiten Netzwerk fragen zu können, etwa zur Einschätzung der politischen Lage in einem bestimmten Land“, sagte der Manager. „Ein Nachteil ist, dass die Medien bei einem bekannten Gesicht ein Problem viel eher personifizieren.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×