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11.08.2012

13:54 Uhr

Billig wie nie

Rabattschlacht auf dem deutschem Automarkt

Wer günstig ein Auto kaufen möchte, hat gute Chancen: Händler und Hersteller gewähren derzeit besonders hohe Rabatte. Die Kunden freut es - einige Autobauer sehen darin allerdings einen Kampf bis aufs Blut.

Die Schlüsselübergabe. gms

Die Schlüsselübergabe.

StuttgartNachlässe im zweistelligen Bereich, geschenkte Extras, kostenlose Wartung - so hart wie derzeit war die Rabattschlacht auf dem deutschen Automarkt lange nicht. Weil in Europa der Absatz schwächelt, buhlen Hersteller und Händler mit allen Mitteln um ihre Kunden. Experten sprechen von Rabatten in Rekordhöhe - aber auch davon, dass schwächere Autobauer vom Markt gedrängt werden könnten. Händlern drücken die Preisnachlässe kräftig auf die Margen.

„Wer heute ein Auto mit zehn Prozent Rabatt kauft, macht ein schlechtes Geschäft“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. „So hart wie derzeit war der Rabatt- und Verdrängungswettbewerb in Deutschland noch nie.“ Auch Hersteller, die bisher eher zurückhaltend gewesen seien, gewährten momentan verstärkt Nachlässe.

„Für die Händler bedeuten hohe Rabatte allerdings Kürzungen ihrer Marge“, sagt Stefan Bratzel vom Zentrum für Automotive Management in Bergisch Gladbach. Um das Geschäft langfristig zu sichern, sollten sie seiner Ansicht nach stärker auf andere Lockangebote setzen - wie beispielsweise kostenlose oder günstigere Wartungen.

Aus reiner Nächstenliebe gewährt den Nachlass ohnehin niemand: Zuletzt entwickelte sich der Autoabsatz in Deutschland wegen der Finanzkrise in Europa so schlecht wie sonst nur im Jahr nach der Abwrackprämie.

Ulrich Köster, Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), sagt: „Tatsache ist, dass sich durch den Rückgang der Neuzulassungen die Lage nicht entspannt, sondern der Wettbewerb angeheizt wird.“ Händler meldeten immer mehr Fahrzeuge kurzfristig an, um sie dann als Tageszulassung mit hohen Preisabschlägen in den Markt zu bringen. Nach der CAR-Studie stieg die Zahl der taktischen Zulassungen selbst bei Luxusfahrzeugen wie dem Audi A8 und dem Porsche Panamera.

Experte Bratzel warnt jedoch vor zu hohen Nachlässen: „Je stärker ich Rabatte reinbringe, desto mehr schade ich der Marke.“ Ein Auto werde damit zum „Ramsch-Produkt“ degradiert. Für bereits angeschlagene Autobauer wie Peugeot, Fiat oder Opel sei das ein Teufelskreis. „Die haben es im Moment enorm schwer, weil die Marke nicht zieht und sie massive Absatzprobleme haben“, erklärt Bratzel.

Erfolgreiche Hersteller wie Volkswagen und BMW profitierten unterdessen von ihrem guten Image - und könnten durch Preisabschläge weitere Marktanteile gewinnen. Experte Dudenhöffer sieht das ähnlich: „In Europa wird es so sein, dass die Großen und Starken die Schwachen zurückdrängen werden.“

Weil angeschlagene Autobauer deswegen um ihre Existenz fürchten, ist bereits ein heftiger Streit zwischen Europas größtem Autobauer Volkswagen und dem italienischen Hersteller Fiat entbrannt. Fiat-Chef Sergio Marchionne kritisiert, Volkswagen richte mit einer rücksichtslosen Preispolitik ein „Blutbad“ an und nutze die Krise, um mit aggressiven Rabatten Marktanteile zu gewinnen.

Die Preispolitik der Wolfsburger spielt Bratzel zufolge tatsächlich „einer gewissen Marktverdrängung in die Hände“. Einen Vorwurf könne man ihnen deswegen aber nicht machen, meint der Experte. „Sie wollen ihren Marktanteil halten oder ausbauen - das sind legitime Ziele.“



Von

dpa

Kommentare (5)

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General-Investigation

11.08.2012, 19:04 Uhr

" Experte Bratzel warnt jedoch vor zu hohen Nachlässen: „Je stärker ich Rabatte reinbringe, desto mehr schade ich der Marke.“ Ein Auto werde damit zum „Ramsch-Produkt“ degradiert. "
Das ist eine Falschaussage, denn schauen wir uns einmal die großen Autobauer in Deutschland an, die ihre Fahrzeuge im Europäischen Ausland und Übersee mehr als 20% billiger anbieten, kann das doch nur heißen, das Deutsche Autokäufer einfach nur zu blöd sind, weil sie diese hohen Preise in Deutschland zahlen. Re-Importe sind doch nichts anderes, denn diese Fahrzeuge werden z.B. von Wolfsburg nach Brüssel zu VW gebracht, von dort auf die Händler in Belgien verteilt oder bleiben in einer Art Depot, wo ihnen neue belgische Papiere erstellt werden. Dann werden diese Fahrzeuge wieder nach Deutschland geholt und mit einem gewaltigem Abschlag verkauft. Und wenn man dann als Käufer 20% oder mehr einspart, muß die Frage wohl gestattet sein, warum die Autobauer nun jammern, denn sie haben sich in Deutschland ungeniert die Taschen gefüllt und nicht gejammert. Und mal ganz ehrlich: Wieso sollte man für einen Golf mehr als Notwendig zahlen?

Hier mal zwei Angebote - das erste von Volkswagen:
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21.125,00 €

http://www.volkswagen.de/de/models/golf/CC5.html

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" „Wer heute ein Auto mit zehn Prozent Rabatt kauft, macht ein schlechtes Geschäft“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. "

Richtig, denn es gibt 20% und mehr...

Die-autogerechte-Laermstadt

11.08.2012, 21:30 Uhr

Tja, langsam merken die Leute eben, dass die Zeit der autogerechten Stadt vorbei ist und man mit dem Fahrrad zum Beispiel entspannter, günstiger und auch gesünder ans Ziel kommt. Wie das geht sieht man in den Niederlanden, in Kopenhagen, in Münster. Diese Städte/länder bieten nämlich schon wesentlich mehr Charakter als den einer Lärmwüste aus grauem Blech, Beton und Abgasen. Nur in Deutschland möchte man immer noch 500 MIO Euro in 3 Kilometer Lärmbahn in der Bundeshauptstadt investieren, anstatt ein ordentliches Fahrradkonzept zu verwirklichen.... Mir tuen wirklich die Millionen von Arbeitnehmern in Deutschland leid, die für dieses ineffektive Transportmittel ihre Lebenszeit verschwenden

Armin443

11.08.2012, 22:07 Uhr

Ja, General-Investigation du hast vollkommen Recht, die Autobauer wissen gar nicht mehr wohin mit dem Geld was sie an Gewinnen einfahren. Sie spielen die Zulieferer unter einander aus und drücken die Preise bei den Zukaufteilen so, das manche Zulieferer kurz vor der Insolvenz stehen. Dann werden in den Zulieferbetrieben Standortsicherungsverträge geschlossen mit Lohnverzicht und Wegfall oder Kürzung von Urlaubs- u. Weihnachtsgeld.
Aber die Gewinne in die CO2 Reduzierung zu investieren haben sie auch keinen Bock, weil sie die Klimawandel-Lüge schon lang erkannt haben. Was macht man dann mit dem Geld man stopft sich erstmal die eigenen Taschen voll, gibt einen Teil an die Aktionäre in Form von Dividenden weiter und dann ist immer noch so viel übrig, daß man auch noch den eigenen Arbeiter Geld in Form von Prämien und Einmalzahlungen geben muss, bevor man auch noch vieleicht dem Staat Steuern zahlen müsste. Da haben die Unternehmer vor lauter Kohle ganz vergessen, daß sie auch eine soziale Verantwortung haben. Ihr seit mit schuld, dass der Unmut und die Kriminalität in der Bevölkerung wächst und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Macht nur so weiter, ihr wird schon sehen und auch noch spüren wo das hinführt. Ich glaube da habt Ihr auch kein Spass mehr. Danke jetzt gehts mir besser. Lasst mich wissen wenn es noch Menschen gibt die auch so denken.

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