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13.11.2012

11:26 Uhr

Billiganbieter

Stromkonzerne zweifeln an Flexstrom

ExklusivDie Insolvenz des Discount-Stromanbieters Teldafax hat das Vertrauen der Verbraucher erschüttert. Und jetzt gibt es neue Warnzeichen: Gibt es Finanzprobleme bei einem weiteren großen Anbieter?

DüsseldorfEin Jahr nach der Pleite von Teldafax steht der deutsche Strommarkt nach Recherchen des Handelsblatts vor einer erneuten Belastungsprobe. Flexstrom, mit 570.000 Kunden derzeit größter unabhängiger Anbieter, befindet sich bei allen vier großen Stromkonzernen nach häufigem Zahlungsverzug unter Beobachtung.

Einer der vier Übertragungsnetzbetreiber, die den überregionalen Stromtransport organisieren, nannte dem Handelsblatt „diverse Unregelmäßigkeiten“, ein zweiter „Auffälligkeiten“ im Zahlungsverkehr.

Wer die Strompreise am stärksten erhöht

Berechnung

Strompreiserhöhungen ab Januar 2013, Preise auf Grundlage eines Durchschnittsverbrauches von 5.000 kWh / Jahr.

Stand: 26.11.2012, Quelle: check24.de

Platz 6

Versorger: Infra Fürth GmbH
Tarif: infra grundversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.361,03 Euro
Neuer Preis: 1.618,53 Euro
Differenz in Euro: 257,50 Euro
Differenz in Prozent: 18,92 %

Platz 5

Versorger: EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt GmbH & Co. KG
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.238,82 Euro
Neuer Preis: 1.474,82 Euro
Differenz in Euro: 236,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,05 %

Platz 4

Versorger: Stadtwerke Borken/Westf. GmbH
Tarif: Strom Basis HH
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Alter Preis: 1.213,50 Euro
Neuer Preis: 1.445,50 Euro
Differenz in Euro: 232,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,12 %

Platz 3

Versorger: Stadtwerke Straubing Strom und Gas GmbH
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.204,76 Euro
Neuer Preis: 1.435,26 Euro
Differenz in Euro: 230,50 Euro
Differenz in Prozent: 19,13 %

Platz 2

Versorger: Elektrizitätsvereinigung Böbing
Tarif: Grundversorgung Eintarif
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.298,31 Euro
Neuer Preis: 1.548,31 Euro
Differenz in Euro: 250,00 Euro
Differenz in Prozent: 19,26 %

Platz 1

Versorger: Stadtwerke Plattling
Tarif: Grund- und Ersatzversorgung HH
Bundesland: Bayern
Alter Preis: 1.140,76 Euro
Neuer Preis: 1373,76 Euro
Differenz in Euro: 233 Euro
Differenz in Prozent: 20,42 %

Viele Marktteilnehmer wurden schon 2011 schwer getroffen, als der Flexstrom-Konkurrent Teldafax überschuldet zusammenbrach. Zurück blieb ein Schaden von mehreren Hundert Millionen Euro. Geschäftspartner saßen auf offenen Rechnungen, geprellte Kunden mussten den Stromanbieter wechseln und dort erneut bezahlen. Der Anbieter aus Troisdorf hatte mit sensationellen Billigangeboten gelockt. Zu billig, wie sich später herausstellte. Teldafax verkaufte den Strom unter Einkaufspreisen.

Flexstrom weist jede Parallele zu Teldafax zurück und beharrt darauf, profitabel zu arbeiten. Das Wachstum hat sich allerdings stark verlangsamt. Konnte Flexstrom 2011 noch 160.000 Kunden hinzugewinnen, waren es 2012 bisher nur rund 10.000.

Flexstrom-Sprecher Dirk Hempel sagte zur Preispolitik, Flexstrom könne den Strom deshalb so günstig anbieten, weil „wir direkt in den Kunden über Preisnachlässe oder Boni investieren“. Die Branche hegt trotzdem Zweifel. Flexstrom bietet Neukunden den Strom schon ab 11 Cent pro Kilowattstunde an – sofern sie per Vorkasse zahlen.

Die nächste Welle der Strompreiserhöhungen

Trend

Für Januar 2013 haben bisher 602 Grundversorger Strompreiserhöhungen angekündigt.

Stand: 26.11.2012, Quelle: Check24.de

Durchschnittliche Steigerung

Im Durchschnitt steigen die Stromkosten bei den 602 Grundversorgern für einen Vier-Personen-Haushalt (5.000 kWh p.a.) um 11,98 Prozent bzw. 154,48 Euro im Jahr.

Spitzenpreise

In der Spitze wird Strom sogar um mehr als 20 Prozent bzw. 260 Euro p.a. teurer – betroffen sind die Kunden der Stadtwerke Plattling (Bayern).

Strompreiserhöhungen 2012

Schon im Vorjahr hatten 430 Grundversorger für Strom ihre Preise erhöht. Das ist etwas weniger als die Hälfte aller Grundversorger für Strom in Deutschland. Im Schnitt lagen die Erhöhungen nur bei vier Prozent bzw. 46 Euro für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt (5.000 kWh p.a.), in der Spitze bei 15 Prozent bzw. 178 Euro.

Horror-Prognose

„Nach großen Erhöhungswellen 2010 und 2011 war es auf dem Strommarkt in diesem Jahr erstaunlich ruhig“, sagt Isabel Wendorff vom Vergleichsportal Check24. „Doch das war die Ruhe vor dem Sturm: Für das erste Quartal 2013 rechnen wir damit, dass nahezu alle Grundversorger ihre Strompreise anheben. Die Erhöhungen werden im Schnitt drei Mal so hoch sein wie 2012“, erklärt Wendorff weiter.

Tipp

„Durch einen Wechsel zu einem Alternativanbieter sparen Verbraucher bis zu 500 Euro im Jahr“, erklärt Wendorff. „Beim Wechsel ist es wichtig auf eine Preisgarantie über die gesamte Vertragslaufzeit zu achten. Besonders müssen Verbraucher momentan darauf achten, dass die EEG-Umlage in der Preisgarantie enthalten ist“, rät Wendorff weiter.

Gero Lücking, Vorstandsmitglied des Flexstrom-Konkurrenten Lichtblick AG sagte dazu dem Handelsblatt: „Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, dass hier mit Dumpingangeboten offenbar schnell Geld eingesammelt werden soll. Solche unseriösen Geschäftspraktiken sind gefährlich. Wenn es erneut eine große Insolvenz geben sollte, könnte der Anbieterwechsel an sich in Verruf geraten. Das würde dem ganzen Markt schaden.“

Derzeit bemüht sich Flexstrom auch bei Nichtkunden um frisches Kapital. Das Unternehmen will mit einer fünfjährigen Anleihe 35 Millionen Euro einsammeln.

Kommentare (40)

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Account gelöscht!

13.11.2012, 06:57 Uhr

Nun ja, wer nach Teldafax noch Strom im Voraus bezahlt, ist doch selber schuld. Wechseln sollte man nur zu Anbietern bei denen monatlich gezahlt werden kann.

Account gelöscht!

13.11.2012, 07:35 Uhr

Was ist denn eine "Mega-Insolvenz"? Pleiter als pleite?

KlausBeckmann

13.11.2012, 07:39 Uhr

Dem kann ich nur zustimmen. Und wer mit dem Gedanken spielt einen Vertrag bei Flexstrom abzuschliessen, dem kann ich nur empfehlen, sich vorher im Internet über dieses Unternehmen zu informieren. Lockangebote und im zweiten Jahr kommt dann die Stunde der Wahrheit. Ich hin diesen Anbieter endlich los und von mir werden die keinen Cent mehr bekommen

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