Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2011

18:14 Uhr

Biosprit E10

Klimaschutz kostet Geld

VonKlaus Stratmann

Die Debatte um den Biosprit E10 kennt nur Verlierer. Die Gründe dafür sind vielfältig, und sie liegen auf dem Tisch. Leider zieht keiner der Akteure die richtigen Konsequenzen. Ein Kommentar.

Wer trägt Schuld am Chaos um den E10-Biosprit - die Politik oder die Mineralölindustrie? Quelle: dpa

Wer trägt Schuld am Chaos um den E10-Biosprit - die Politik oder die Mineralölindustrie?

Die Kohlendioxidemissionen im Verkehrssektor müssen drastisch sinken, und zwar schnell. Die Beimischung von Biosprit ist nicht der allein selig machende Weg zur Reduktion der Kohlendioxidemissionen. Wer aber angesichts der nicht zu leugnenden Probleme bei der E10-Einführung die Beimischung in Bausch und Bogen verurteilt und ganz von der Liste der Lösungsmöglichkeiten streichen will, verkennt den Ernst der Lage. Die Zeit drängt, die Zahl der Instrumente ist begrenzt. Die Kohlendioxidemissionen sollen innerhalb der EU im Vergleich zu 1990 bis 2020 um 20 Prozent sinken. In der EU-Kommission gibt es sogar starke Stimmen, die das Reduktionsziel auf 30 Prozent erhöhen wollen. Wer es mit den Reduktionszielen ernst meint, muss nach jedem Strohhalm greifen.

Das sollten sich auch Mineralölwirtschaft und Autoindustrie zu Herzen nehmen. Die Mineralölwirtschaft hat das Thema von Anfang an mit spitzen Fingern angefasst. Die Branche hat kein großes Interesse daran, E10 zum Durchbruch zu verhelfen. Es lässt sich mehr Geld damit verdienen, fossilen Brennstoff zu verkaufen. Ein steigender Biosprit-Anteil schmälert die Margen. Also hielten sich die Bemühungen der Branche, an den Tankstellen für Aufklärung zu sorgen, bislang in Grenzen. Auch die Automobilindustrie hätte mehr tun können. Es ist zwar unbestritten, dass mehr als 90 Prozent der in Deutschland zugelassenen Autos E10-Sprit vertragen. Offensichtlich ist diese Botschaft aber bei vielen Autobesitzern noch nicht angekommen.

Dabei muss gerade die Autobranche großes Interesse daran haben, einem hohen Biosprit-Anteil zum Durchbruch zu verhelfen. Denn die auf diesem Wege erreichte Kohlendioxid-Reduktion wird dem Verkehrssektor als Teil der Zielerreichung angerechnet. Wenn viel Biosprit getankt wird, müssen sich die Hersteller an anderer Stelle bei der Emissionsreduktion weniger anstrengen. Das ist sehr in ihrem Sinne: Jahrelang hat sich gerade die deutsche Automobilbranche erfolgreich gegen strengere Grenzwerte bei den Kohlendioxidemissionen gewehrt und Vorstöße der Politik durch intensive Lobbyarbeit verwässert. Erst vor wenigen Jahren sind die Hersteller aufgewacht und setzen aus eigenem Antrieb auf sparsamere, effizientere Motoren.

Die größte Achillesferse hat der Biosprit bei der Nachhaltigkeit. Die industrielle Agrarproduktion von Energiepflanzen bringt ökologische Probleme mit sich, die Verdrängung des Pflanzenanbaus für die Ernährung durch Energiepflanzen ist ein Problem von globaler Dimension. Doch diese Probleme lassen sich lösen. Regelungen zur nachhaltigen Produktion von Energiepflanzen müssen über jeden Zweifel erhaben sein, die entsprechenden Zertifizierungssystem lassen sich noch deutlich verbessern. Die unbestreitbaren Probleme, die es in dieser Hinsicht gibt, sind längst erkannt und lösbar, sie sind somit kein Grund, E10 komplett abzulehnen.

Übrigens: Dass manche Oppositionspolitiker und einige Wirtschaftsvertreter das Scheitern der E10-Einführung der Bundesregierung in die Schuhe schieben wollen, kann man nicht wirklich ernst nehmen. Der Einführungstermin ist lange bekannt gewesen, die betroffenen Branchen hatten alle Zeit der Welt, die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen.

Das Problem des geringeren Energiegehalts des Biosprits kann man nicht allein mit dem verengten Blick auf die letzte Tankrechnung diskutieren. Klimaschutz kostet Geld, es gehört nicht viel Phantasie zu der Prognose, dass es in Zukunft immer teurer werden wird, mit dem eigenen Wagen von A nach B zu fahren. Wer Klimaschutz will, muss höhere Kosten in Kauf nehmen.

Der E10-Sprit hat Schwächen. Ihn wegen der Probleme bei seiner Einführung zu verdammen, können wir uns aber nicht leisten.

Kommentare (34)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Politisch_gekaufte_Medien

04.03.2011, 19:12 Uhr

Hat Frau Merkel den Artikel diktiert? Selten so einen Schwachsinn gelesen. Der Satz "Wer es mit den Reduktionszielen ernst meint, muss nach jedem Strohhalm greifen." muss wohl eher umgeschrieben werden in: "Wer an das Geld anderer Leute kommen will, muss Gesetze erfinden. Selbst kann man dann in Saus und Braus leben und die Anderen dafür die Zeche bezahlen lassen." Gehirnwäsche ist eine Sache. Aber dass Medien sich für politische Propaganda kaufen lassen, war doch bisher nur bei den Kommunisten so. Wie unterscheidet sich denn jetzt noch die BRD von der DDR? Die Medien verbreiten Propaganda im Auftrag der Politik...die Straßen sind marode...was es zu kaufen gibt, können wir uns nicht leisten...wir werden von Politikern regiert, die wir eigentlich nie wollten...!
Macht nur weiter so. Verspielt euren letzen Funken Glaubwürdigkeit. Wisst ihr nicht mehr, wie es beim letzten Mal geendet hat?

Kalle

04.03.2011, 20:11 Uhr

Klimaschutz?? Ist das Klima etwa krank? Ich glaube in den Köpfen der korrupten Klimatologen und Ökoterroristen ist etwas krank. Wir sollen Opfer einer gigantischen Gehirnwäsche werden, doch dumm machen lassen wir uns nicht, wir wissen das wir´s werden sollen (Zitat Gleim)
Alles ist normal, 1940 hatten wir schon einmal mehr CO2 als heute, das polare Eis nimmt seit Jahren zu, die Lügen sind aufgefallen. Doch die Politik macht weiter als wären wir alle auf den Kopf gefallen, der Aufstand ist programmiert!

WHornung

04.03.2011, 20:19 Uhr

Hmm aha aber Biosprit in einer Maschine wie dem Auto bei - im idealsten Betriebszustand 40% - im durchschnittlichen eher 20% können wir uns leisten?

Dann doch lieber den Biosprit verstromen - dann wird wenigstens etwas davon genutzt und nicht 80% verschenkt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×