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06.03.2011

18:57 Uhr

Biosprit E10

Warnung vor „Gau für die Bundesregierung“

Im Biosprit-Streit hat der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung gewarnt, E10 könnte Motoren stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft ziehen. Ein anderer Experte warnt die Bundesregierung gar vor einem "Gau".

Kein E10 an den Tankstellen? Auch die FDP spricht sich für einen Stopp und einen späteren Neustart aus. Quelle: dpa

Kein E10 an den Tankstellen? Auch die FDP spricht sich für einen Stopp und einen späteren Neustart aus.

BerlinAuch wenn ein Großteil der Autofahrer das Super-Benzin E10 weiter boykottiert, setzt die Regierung auf die Einsicht der Verbraucher. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) verteidigte in der "Bild am Sonntag" den mit zehn Prozent Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais versetzten Biosprit und betonte: "Die Politik verpflichtet die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoffquote, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist". Die Einführung von E10 diene auch dazu, die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Die Grünen fordern hingegen ein vorläufiges Aus.

Scheitert E10, könnte die Quote im laufenden Jahr nach Ansicht von Experten kaum erfüllt werden - dann drohen Strafzahlungen, die die Benzinbranche als versteckte Steuererhöhungen auf die Spritpreise aufschlagen könnte. In der schwarz-gelben Koalition wächst der Unmut über Röttgens Krisenmanagment - so geht der für Dienstag einberufene "Benzin-Gipfel" auf die Initiative des für E10 gar nicht zuständigen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) zurück. Das "Sensorium für Stimmungen und Sensibilitäten in der Bevölkerung" sei im Umweltministerium ausgesprochen unterentwickelt, sagte FDP-Fraktionsvize Patrick Döring der "Welt am Sonntag".

Überraschend sprach sich auch Döring für einen kurzfristigen Stopp des Biokraftstoffs und die Verschiebung um einige Monate aus. „Die Verbraucher müssen zunächst Klarheit und Sicherheit bekommen“, sagte der FDP-Verkehrsexperte im Bundestag dem Berliner „Tagesspiegel“ laut Vorabbericht. Dann würden sie neuen Kraftstoff auch kaufen. „Auf ein paar Monate mehr oder weniger“, sagte Döring, käme es beim Verkaufsstart von E10 nicht an.

Er wies Industrie und Politik die Schuld für die Verunsicherung gleichermaßen zu. Die Fahrzeughersteller forderte er zu „rechtsverbindlichen“ Aussagen über die Verträglichkeit des neuen Kraftstoffes für ihre Fahrzeuge auf. Außerdem müsse die Bundesregierung die Verbraucher besser über die ökologischen Folgen des E10 informieren, sagte Döring. Auch hier gebe es eine breite Verunsicherung in der Bevölkerung.

Unterdessen äußerte der Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, Thomas Brüner, den Verdacht, dass Motoren durch E10 stärker als bisher bekannt in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. "Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert", sagte Brüner der Zeitung. Daher könne es sein, dass Ölwechselintervalle verkürzen werden müssten.

Ein BMW-Sprecher betonte am Sonntag, an der grundsätzlichen Einschätzung habe sich nichts geändert. "In allen BMW-Pkw Modellen sämtlicher Baujahre ist der unbedenkliche Einsatz von E10 Kraftstoffen möglich", heißt es in einem Informationsschreiben.

Ein Daimler-Sprecher sagte, es gebe keine Erkenntnisse, dass Wagen des Stuttgarter Herstellers wegen des neuen Kraftstoffs häufiger zum Ölwechsel müssten oder ander Probleme hätten. 95 Prozent der Daimler-Autos, die jünger als 25 Jahre sind, schafften es "locker", mit dem E-10-Benzin klarzukommen.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne), sagte der "Welt am Sonntag", der geplante Benzin-Gipfel sei "eher ein Gipfel der Nachsorge, weil die Bundesregierung die vorsorgende Koordination vergessen hat". Hermann forderte ein Aus für das Biosprit-Projekt: Es müsse jetzt zunächst geklärt werden, welche Motoren den Sprit wirklich vertragen und worin der ökologische Nutzen bestehe. Der "Rheinfalz am Sonntag" sagte Hermann, den Autofahrern sei die Verunsicherung nicht länger zuzumuten.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

06.03.2011, 14:58 Uhr

Wenn die Auto-Industrie die Bundesregierung gewarnt hat, und Herr Röttgen in Absprache mit der Kanzlerin, trotzdem den E10 Treibstoff einführen wollte, haben sie den entstehenden Motorschaden an den Fahrzeugen der Bürger, aus ihrer eigenen Tasche zu bezahlen.
Basta.
Danke

PikAs

06.03.2011, 15:09 Uhr

Hier die Kopie einer Leserzuschrift aus Hartgeld.com

E10 korrodiert Aluminium:

ich weiß aus eigener Insider-Erfahrung (Entwicklung FSI), dass ein höherer Anteil von Alkohol im Kraftstoff unter bestimmten Bedingungen, nämlich Druck und Temperatur, höchst aggressiv auf Aluminium wirkt. Tests beim Hersteller von Kraftstoff führenden Hochdruckrails haben gezeigt, dass E5 bereits ungeschützte Aluminiumoberflächen bei einem Dauerlauf von mehr als einer Woche zum Totalausfall der Kraftstoffversorgung in Folge exorbitanter Korrosion führt. Und zwar reproduzierbar. Bei E10 war es in 2-3 Tagen vorbei.

Als Folge wurden die Rails für die Serienproduktion innen beschichtet. Die Güte der Beschichtung war damals (2003) ein großes Problem.

Ich denke dass diese Seite gelöst ist. Wie sich die Aggressivität der dieser Plörre im Ansaugtrakt und den Zylinderköpfen verhält, die nicht beschichtet sind, mag man selbst beurteilen. Zumindest bei den alten Graugussmotoren sollte es keine Probleme geben.

Soweit zur Technik.

Die aller Orten angesprochene mangelnde Information der Verbraucher halte ich nicht für den Grund der Verweigerung an den Zapfsäulen. Ich glaube und hoffe, dass die Bevölkerung dies zum Anlass nimmt, sich gegen die politische Verarsche zu wehren. Benzin ist wie das Brot im alten Rom. Das ist ein Spiel mit dem Feuer. Im wahrsten Sinne.

Wie kann sich Herr Röttgen hinstellen und allen Ernstes erklären, mit dem Alkoholanteil würde CO2 eingespart und Abhängigkeit von der Ölförderung reduziert werden. Obwohl es heute doch absolut erwiesen ist, dass 0,038% CO2 Anteil in der Luft (in der Stratosphere) als Treibhausgas wirkt, wo doch jedem klar ist, dass CO2 schwerer ist als Luft und somit niemals in diese Höhen aufsteigen kann. Dieser Klimaschwindel wird immer noch durch die Politik verbreitet. Und das obwohl die das ganz genau wissen. Nicht mal rot werden die beim Lügen.




Werner

06.03.2011, 15:27 Uhr

Bei meinem Audi 2.0 TFSI - Motor hab ich jetzt zweimal E10 getankt.
Fazit: Nur Probleme. erhöhter Kraftstoffverbrauch; erhöhter Rußausstoss aus dem Auspuff; außerdem Probleme mit der Ölverdünnung des Longlifeöles bei Kaltstart.

Ich tanke wieder Superplus. Das E10 kommt mir nicht mehr ins Auto, auch wenns für umsonst wäre.

Danke

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