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30.04.2013

00:06 Uhr

Biotechnologie

Qiagen steigt stärker in die Gen-Diagnostik ein

Deutschlands größter Biotech-Konzern Qiagen will sich stärker in der Gen-Diagnostik engagieren. Dafür übernimmt er für 105 Millionen Dollar einen Softwarekonzern. Doch der teure Deal schlägt auf die Gewinnprognose.

Deutschlands größte Biotechfirma übernimmt einen amerikanischen Software-Entwickler. dpa

Deutschlands größte Biotechfirma übernimmt einen amerikanischen Software-Entwickler.

FrankfurtDer Biotechkonzern Qiagen treibt seine Geschäfte in der Gen-Diagnostik mit der Übernahme eines kalifornischen Software-Entwicklers voran. Rund 105 Millionen Dollar ist Deutschlands größter Biotechfirma der Kauf der US-Gesellschaft Ingenuity Systems wert, wie Qiagen am Montagabend mitteilte. Ingenuity stellt Software zur Analyse und Interpretation großer Mengen biologischer Daten für Forschungsinstitute, Pharmakonzerne und Laborketten her. Seit Firmen wie Illumina kostengünstige Geräte zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts entwickelten, ist die Aufbereitung der dabei anfallenden riesigen Datenmengen eines der heißesten Themen in der Biotechnologie.

Wegen der Aufwendungen für die Übernahme senkte Qiagen seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr. Der Zukauf soll aber ab 2015 zum Gewinn pro Aktie beitragen. Der auf Tests zum Nachweis von Krankheiten und Laborgeräte spezialisierte Konzern will die Ingenuity-Software künftig mit den firmeneigenen Molekulartests und Analysegeräten verknüpfen. Dabei setzt das 1984 in Düsseldorf gegründete Unternehmen darauf, dass Ingenuity-Produkte zur Interpretation von Daten zu allen Krankheitsfeldern eingesetzt werden können. "Es gibt hier keine Einschränkungen. Die Firma hat sich auf alle molekularen Informationen spezialisiert", sagte Firmenschef Peer Schatz im Gespräch mit Reuters.

Qiagen will noch 2013 ein Gerät zur Gen-Sequenzierung auf den Markt zu bringen, mit dem sich beispielsweise die DNA von Krebstumoren entschlüsseln lassen soll. Qiagen hofft, dass Kunden dann auch die Ingenuity-Software zur Interpretation nutzen werden. Wegen der Übernahmekosten erwartet Konzernchef Schatz allerdings für das laufende Jahr jetzt nur noch einen bereinigten Gewinn je Aktie von etwa 1,13 Dollar nach 1,08 Dollar im Jahr zuvor. Bislang hatte das Management 1,16 bis 1,18 Dollar in Aussicht gestellt. Ingenuity soll aber im laufenden Jahr bereits 15 Millionen Dollar zum Konzernumsatz beitragen.

Im ersten Quartal machten Qiagen staatliche Ausgabenkürzungen in den USA und Unsicherheiten bezüglich der Forschungsförderung in vielen Ländern zu schaffen. "Wir haben eine sehr starke Zurückhaltung gespürt, das ging quer durch die Industrie", sagte Konzernchef Schatz. Rund liefen in den ersten drei Monaten des Jahres die Geschäfte mit Tuberkulose-Tests sowie mit dem AmniSure-Test zum Nachweis eines vorzeitigen Blasensprungs bei Schwangeren. Die Nachfrage nach therapiebegleitenden Gentests blieb nach wie vor hoch.

Insgesamt stagnierte im Auftaktquartal der bereinigte Überschuss bei 54,7 Millionen Dollar. Analysten hatten Qiagen im Schnitt 55,9 Millionen Dollar zugetraut. Qiagen setzte von Januar bis März 303,6 Millionen Dollar um - zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Analysten hatten 306 Millionen erwartet. Wegen der Budgetkürzungen in den USA rechnet Schatz für das Gesamtjahr jetzt nur noch mit einem wechselkursbereinigten Umsatzwachstum von fünf Prozent. Bislang wurden fünf bis sechs Prozent erwartet.

Von

rtr

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