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24.04.2011

13:13 Uhr

Blackout-Warnung

Netzagenturchef wirft Energiekonzernen Panikmache vor

Bundesnetzagentur-Chef Matthias Kurth wirft Energiekonzernen vor, Bürger aus politischem Kalkül aufzuschrecken. Seiner Einschätzung nach drohe in Deutschland kein Blackout.

Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur: Debatte über einen möglichen Blackout oft oberflächlich und interessengeleitet. Quelle: dpa

Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur: Debatte über einen möglichen Blackout oft oberflächlich und interessengeleitet.

Hamburg/BerlinDer Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sieht die Stabilität der Stromnetze durch das Atom-Moratorium der Bundesregierung nicht gefährdet und warnt vor Panikmache durch die Energie-Industrie. Die Debatte um einen Blackout durch das Abschalten der ältesten Meiler zur Sicherheitsüberprüfung werde „oft oberflächlich und interessengeleitet“ geführt, sagte Kurth „Spiegel Online“ am Sonntag. Zwar habe die Sorge um die Stabilität der Netze einen berechtigten Hintergrund, die Art der Debatte sei aber nicht hilfreich. „Jetzt in Panik zu verfallen, bringt nichts“, sagte Kurth. Die Angst vor Stromausfällen für die Interessen der Stromkonzerne zu nutzen, sei nicht zielführend. „Nach allem, was unsere Erhebungen ergeben haben, sind die Effekte des Moratoriums auf die Netze beherrschbar“, stellte Kurth klar.

Gleichwohl sei vorausschauendes Handeln nötig. So brachte der Behördenchef eine Verschiebung der Revision des Atomkraftwerks Brokdorf in Schleswig-Holstein in die Debatte, um einen Engpass in Norddeutschland im Sommer zu verhindern. Im Großraum Hamburg seien bereits die Meiler Krümmel und Brunsbüttel wegen Reparaturen vom Netz, das Atomkraftwerk Unterweser liege wegen des Atommoratoriums der Bundesregierung still. Sollte wie geplant der Reaktor Brokdorf im Juni zur Revision heruntergefahren werden, sei die Netzstabilität gefährdet, warnte Kurth. Denkbar sei es daher, die Revision zu verschieben. Der angepeilte Atomausstieg könne insgesamt nur gelingen, wenn der Bau moderner Kraftwerke, vor allem von Gaskraftwerken, beschleunigt werde, mahnte Kurth.

Die Bundesregierung strebt nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomkraftnutzung an und hat die ältesten Meiler zur Sicherheitsüberprüfung vom Netz genommen.

Keine dramatischen Auswirkungen auf den Strompreis

Kurth wandte sich auch gegen die Behauptung, der Atomausstieg werde einen dramatischen Preisanstieg zur Folge haben. „Die Auswirkungen des Moratoriums auf den Strompreis sind zurzeit nicht dramatisch.“ Seriöse Berechnungen zur Entwicklung in der Zukunft seien derzeit noch nicht möglich.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) legte dagegen eine Untersuchung vor, derzufolge der Strompreis bei einer dauerhaften Abschaltung der acht ältesten Meiler sowie einer Beschleunigung des Atomausstiegs bis 2018 um fast ein Drittel steigen würde.

Von

dpa

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

24.04.2011, 16:52 Uhr

Vielleicht sind die Energiekonzerne einfach nur Objektiver als die Bundesnetzagentur .
Ich denke in Anbetracht auf die schon jetzt Gesteigerten Energieimporte aus Frankreich und die in frage kommenden Importe aus Tschechien ist es so !

Account gelöscht!

24.04.2011, 17:03 Uhr

Irgendwie muß man halt die fehlenden Milliarden Gewinne kompensieren. Geht als Privatunternehmen in einem Markt unter Monopolisten besonders gut.

Da könnt ihr euch bei euren Politikern bedanken, es gibt Bereiche in der Industrie die man nicht privatisieren kann und darf. Da öffnet man Tür und Tor für Missbrauch.


Aber erzähl das mal einem Politiker mit Aufsichtsratsposten bei der RWE. Der gute sogenannte SPD'ler.

Dumm

24.04.2011, 18:33 Uhr

Baut doch die neuen Gaskraftwerke mehr in Süddeutschland, dann spart Ihr die Leitungen von der Nordsee bis Süddeutschland
Es gibt intelligente Lösungen nur nicht beim dummen Geschwätz der Journalisten und Großkozerne

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