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29.01.2007

19:49 Uhr

BMS-Aktie legt kräftig zu

Gerüchte um neue Megafusion in der Pharmabranche

VonSiegfried Hofmann

In der Pharmabranche bahnt sich eine neue Großfusion an: Der französische Konzern Sanofi-Aventis steht offenbar kurz vor der Übernahme von Bristol-Myers Squibb (BMS). Entsprechende Erwartungen gewannen am Montag die Oberhand bei Investoren, die den Kurs von BMS zeitweise um mehr als sechs Prozent und damit auf ein neues 52-Wochen-Hoch trieben.

Sanofi-aventis-Aufsichtsratschef Jean-Francois Dehecq. Foto: dpa Quelle: dpa

Sanofi-aventis-Aufsichtsratschef Jean-Francois Dehecq. Foto: dpa

FRANKFURT. Dabei beschäftigt die Idee eines Zusammenschlusses der beiden Konzerne Medien und Analysten bereits seit einigen Monaten. Am Montag hatte der kleine französische Börsendienst La Lettre de l'Expansion die Gerüchte neu angeheizt. Nach seinen Informationen haben die beiden Konzerne in der vergangenen Woche eine Art Vorvertrag besiegelt, der auf eine freundliche Übernahme von BMS durch Sanofi im Laufe der nächsten Wochen hinauslaufen könnte. Die beiden Unternehmen wollten diese Spekulationen am Montag nicht kommentieren. Die Agentur Bloomberg zitierte den Aufsichtsratsvorsitzenden und langjährigen Chef von Sanofi, Jean-Francois Dehecq mit den Worten: „Ich bin nicht bereit, diese Frage zu beantworten.“

Aus dem Umfeld des französischen Pharmakonzerns war am Montag weder eine Bestätigung noch ein Dementi der Berichte zu erhalten. Die Tatsache, dass Dehecq seine Tätigkeit bei Sanofi-Aventis mehrfach verlängerte und als Aufsichtsrats-Chef weiterhin eine tonangebende Rolle spielt, gilt vielen Kennern des Unternehmens indessen als Indiz dafür, dass er noch größere Expansionspläne hegt. Die Rolle des Konzernchefs hatte Dehecq Anfang des Jahres an den bisherigen Forschungs-Leiter Gerard Le Fur übergeben.

Viele Branchenvertreter und Analysten betrachten einen Griff nach Bristol-Myers, der Nummer Zehn der Pharmabranche, als durchaus realistische, wenn auch nicht ganz einfache Option für den französischen Pharmakonzern. Immerhin müsste Sanofi-Aventis wohl um die 60 Mrd. Dollar für BMS bieten und hätte damit innerhalb von weniger als drei Jahren den zweiten Mega-Merger nach der Übernahme des deutlich größeren Konkurrenten Aventis im Jahr 2004 zu verdauen. Auf jeden Fall wäre eine Zustimmung der beiden Sanofi-Aventis-Großaktionäre Total und L’Oreal nötig, die zusammen noch rund 23 Prozent des Kapitals und 37 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Ihr Anteil würde bei einer Aktien-finanzierten Übernahme deutlich verwässert.

Eine Übernahme des US-Konzerns würde Sanofi unterdessen eine Möglichkeit eröffnen, neue Ertragsquellen in einer Phase schwachen Umsatzwachstums zu erschließen. Auch die Entwicklungspipeline des US-Konzerns gilt als relativ interessant, während das aktuelle Geschäft von BMS stark unter Generika-Konkurrenz für die beiden bisherigen Hauptprodukte, den blutverdünner Plavix und das Magenmedikament Pravachol, leidet. Einige Analysten verwiesen gestern auf mögliche positive Effekte für den Sanofi-Gewinn bereits im ersten Jahr nach einer Übernahme.

Der französische Konzern wird nach eine relativ enttäuschenden Performance im vergangenen Jahr derzeit an der Börse mit rund 120 Mrd. Dollar bewertet. Gemessen an der Ertragskraft hat er mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich 13 derzeit allerdings die zweitniedrigste Bewertung in der Branche nach Pfizer (mit einem KGV von elf).

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