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13.05.2015

13:51 Uhr

BMW

Bye, bye Reithofer

VonMarkus Fasse

Vor neun Jahren setzte sich Norbert Reithofer für das Karriere-Ende mit 60 Jahren ein. Jetzt muss er selbst abtreten, mit 58. Nachfolger Krüger ist schon im Amt. Eine persönliche Bilanz zu Reithofers Zeit als BMW-Chef.

Für Norbert Reithofer ist Schluss, zumindest als BMW-Chef. Handelsblatt-Autor Markus Fasse zieht Bilanz. AFP

Da geht's lang

Für Norbert Reithofer ist Schluss, zumindest als BMW-Chef. Handelsblatt-Autor Markus Fasse zieht Bilanz.

MünchenEin Mann sitzt lässig auf einem Barhocker. 50 Jahre alt, groß. Wie er über die Altersgrenze für Führungskräfte bei BMW denke, wird gefragt. Er halte die Regelung für sinnvoll – Norbert Reithofer lächelt. Wenn es sie schon einmal gäbe, dann sollte man sich auch daran halten. Mit 60 sei dann eben Schluss.

Er formulierte damit deutlich einen Machtanspruch. Es ist der laue Frühsommer 2006, BMW hat zum Konzernabend geladen. Wenige Meter von Reithofer entfernt, kämpft der damalige Vorstandschef Helmut Panke (58) um eine Vertragsverlängerung. „Ich bin gerne Kapitän“, sagt Panke. Es scheint, als würde er flehen. Es nützt nichts. Am 1. September 2006 wird Norbert Reithofer der neue Chef von BMW.

Fast neun Jahre trifft es ihn selbst. Reithofer muss gehen, ein Jahr vor dem Ende seiner Vertragslaufzeit. Die Regeln der Familie Quandt, die mit ihren 48 Prozent der Stimmrechte das Sagen hat, gelten auch für ihn. Er bekommt Applaus in der Olympiahalle und warme Worte von Stefan Quandt, der Reithofer bescheinigt, das Unternehmen „auf ein neues Niveau gehoben zu haben“.

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Der neue BMW-Chef muss sich an den Erfolgen des bisherigen Konzernlenkers Norbert Reithofer messen lassen, denn er wacht künftig als Aufsichtsratschef über ihn. Durchsetzungsvermögen hat Krüger bereits bewiesen.

Einen Neuen gibt es auch schon: Der 49-jährige Harald Krüger wird Chef im „Vierzylinder“, direkt nach der Hauptversammlung. Reithofer wird zum Chef des Aufsichtsrates gewählt – ohne die sonst übliche Schamfrist von zwei Jahren. Man darf das als Vertrauensbeweis der Familie werten. Immerhin hätten Stefan Quandt oder Susanne Klatten selbst Anspruch auf den Posten anmelden können.

Reithofer ist der Mann der Quandts. Wie kaum ein anderer verkörpert er deren Anspruch an Führung: technikverliebt, teamfähig, unprätentiös. Reithofer ist Ingenieur, kein Showmaster. Die Diskussion über Fertigungskadenzen und Kammlinien ist ihm lieber als Smalltalk auf dem roten Teppich. 

Reithofer ist mit BMW zwar um die Welt gekommen, hat in Südafrika und South Carolina gelebt. Sein Wesen ist aber das des skeptischen Oberbayers. Nach fünf Rekordjahren findet er als Vorstandschef immer noch ein Haar in der Suppe. Vor den Aktionären in der Olympiahalle mahnt er vor „Ungewissheit in wichtigen Märkten“ und vor dem „permanenten Wandel“, der die Welt so unsicher macht. Das klingt nach Matthias Sammer bei einem 4:0 gegen Borussia Dortmund.

Das ist Norbert Reithofer: Nach seinem Verständnis hat man mehr zu liefern als anzukündigen. Deshalb hat er Elektroautos aus Kohlefaser gebaut, als andere noch lamentierten. „Wir werden die Elektroautos noch brauchen. Es führt kein Weg daran vorbei.“ Eine gute Idee brauche halt mehr als eine Amtszeit. Dass BMW heute von schweren und durstigen Geländewagen lebt, steht auf einem anderen Blatt.

Durchsetzen kann sich Reithofer in der Deutschen Wirtschaft nicht mehr so richtig. Gut, dass er selbst noch nicht mit 60 in Rente gehen muss.

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