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12.07.2012

06:29 Uhr

BMW-Chef im Interview

Reithofer warnt vor Zerfall der Eurozone

VonCarsten Herz

ExklusivBMW-Chef Norbert Reithofer fürchtet massive negative Folgen für die deutsche Wirtschaft, sollte die Euro-Zone auseinanderbrechen. Sein Unternehmen sieht er trotz Eurokrise auf Rekordkurs.

BMW-Chef Norbert Reithofer: Euro-Aus würde „Exportwunder weitgehend zunichte machen“. AFP

BMW-Chef Norbert Reithofer: Euro-Aus würde „Exportwunder weitgehend zunichte machen“.

DüsseldorfDer bayerische Autokonzern BMW hat eindrücklich vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone gewarnt. „Bei einer Rückkehr zur D-Mark hätte Deutschland mit einer massiven Aufwertung zu kämpfen, die das deutsche Exportwunder weitgehend zunichte machen würde“, sagte BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer dem Handelsblatt. „Die wirtschaftlichen Folgen wären gravierend.“ Als einer der ersten großen Wirtschaftsführer in Deutschland stellte sich Reithofer klar hinter die Ergebnisse des jüngsten EU-Gipfels und die Zugeständnisse von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ich würde sagen, dass der Gipfel Teil der Lösung ist“, sagte der BMW-Boss.

Italien und Spanien hatten beim jüngsten EU-Gipfel Zugeständnisse von Deutschland beim Euro-Rettungsfonds erzwungen. Künftig sollen nicht nur direkte Bankenhilfen möglich sein, sondern auch der Aufkauf von Staatsanleihen reformwilliger Mitgliedsländer, wie die Staaten der Eurozone Ende Juni in Brüssel beschlossen. Dies hatte unter deutschen Ökonomen zu einem offenen Streit geführt.

Reithofer bezieht damit nun klar Position. Er appellierte zugleich an die übrigen Länder in Europa ihrer Verantwortung gerecht zu werden. „Alle Länder der Eurozone müssen Verantwortung übernehmen, um möglichst schnell eine dauerhafte Lösung zu erreichen“, mahnte der Konzernchef an. Wesentliche Punkte seien dabei Haushaltsdisziplin und das Angehen von Strukturreformen. „Die Europäische Union kann nicht nur von Deutschland getragen werden“, warnte Reithofer. Der BMW-Chef ist am Donnerstag Hauptredner auf der 20. Jahrerstagung des Handelsblatts zur Autoindustrie in München.

Reithofer sieht BMW auf Rekordkurs

Ungeachtet des schwierigen Automarktes in Euro in Folge der Eurokrise sieht sich BMW indes weiter auf Rekordkurs. „Wir sind auf dem besten Weg, im Gesamtjahr einen neuen Absatzrekord zu erzielen“, kündigte Reithofer an. Im ersten Halbjahr hatte der Hersteller mit seinen drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce rund 900.000 Autos weltweit verkauft. Im vergangenen Jahr lag der Absatz insgesamt noch bei 1,67 Millionen Autos. BMW rechnet dabei auch weiterhin mit einer positiven Geschäftsentwicklung in China. Noch mache das Reich der Mitte nur zwanzig Prozent des Gesamtabsatzes von BMW aus – Europa dagegen rund 45 Prozent. „Ich würde sagen, dass wir immer noch sehr europalastig sind – vor allem wenn ich die Probleme in der Eurozone sehe“, sagte Reithofer.

Bei der neu geschlossenen Partnerschaft mit dem japanischen Hersteller Toyota will BMW die Japaner auch tief in sein wichtiges Know-how im Umgang mit dem Leichtbaustoff Karbon blicken lassen. „Wir haben uns viel Know-how und Patente beim Leichtbau erarbeitet“, sagte Reithofer. „Über dieses Thema sprechen wir nun auch mit unserem japanischen Partner.“ BMW ist Großaktionär beim Leichtbauspezialisten SGL Carbon und unterhält gemeinsam mit den Wiesbadenern eine gemeinsame Produktionsanlage für Karbonfasern, deren Details BMW vor dem SGL-Aktionär VW bisher sorgsam verborgen hält.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

12.07.2012, 07:08 Uhr

Deutsche Auto werden nicht gekauft weil sie so preiswert sind, sie werden wegen der Qualität und des Images gekauft. Das würde sich auch nicht ändern, wenn wir aus dem EURO austreten würden.

Vielleicht wäre ein Austritt temporär negativ - aber eine Weiterführung der Schuldenunion wird mit Sicherheit weit aus fatalere Folgen für die Wirtschaft und für jeden Bürger haben.

Deutschland steht noch relativ gut dar, wenn wir jetzt mutig und entschlossen handeln, können wir uns optimal für die Zeit nach der Krise positionieren und uns eine Pole-Position sichern. Noch haben wir das Geld, die Wirtschaftskraft und die Stabilität um das meistern.

Joker1

12.07.2012, 07:49 Uhr

Es wird immer deutlicher, wie die Kasten verbunden sind.
Die eigenen Privilegien und der große "NEW-DEAL", der mit
der Euroeinführung vereinbart wurde, werden bis zum Schluß
mit allen Mitteln verteidigt.
Egal wieviele Bürger leiden; in diesen Kreisen sind das
Kollateralschäden, wie bei bewaffneten Auseinandersetzungen, die man locker in kauf nimmt.
Hauptsache das "eigene Hemd" bleibt trocken und man kann
die Normalbürger weiter betrügen und ausnutzen wie bisher.
Die nächsten Steuer- und Abgabenerhöhungen stehen ins Haus.
Für die Bürger wird es unerträglich werden.
Wickelt die Eurozone ab; 1 Euro = 2 neue DM, das sind die
Kasten dem Bürger schuldig!

ein_Liberaler

12.07.2012, 08:01 Uhr

Ein Exportwunder auf Pump ist nichts wert. Wenn Griechen U-Boote kaufen, die sie sich nicht leisten können, mit geliehenem Geld und dann hinterher der deutsche Steuerzahler dafür haften soll, dann stünde Deutschland ohne eine derartige Sumpfblüte besser da. Schluss mit der Umverteilung zulasten der Mittelschicht, Herr Reithofer, das ist das Gebot der Stunde. Lesen Sie die FAZ vom 12.Juli 2012 Seite 25. Paul Kirchhof führt dort aus, dass die EU in der Krise steckt, weil das Recht missachtet wurde (und weiter missachtet wird). Reden Sie nicht weiter dem Rechts- und Verfassungsbruch zugunsten des Europas der Spekulanten das Wort.

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