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11.05.2017

15:00 Uhr

BMW-Chef Krüger

„Hören wir auf, den modernen Diesel kaputtzureden“

VonMarkus Fasse

Die Autobauer sitzen in der Dieselfalle: BMW-Chef Harald Krüger kämpft daher auf der Hauptversammlung vehement für den Selbstzünder. Die Münchener haben besonders viel zu verlieren – und setzen auf den Glanz der 1980er.

„Ohne moderne Diesel sind die Kohlendioxid-Ziele der EU für 2020 Makulatur.“ BMW

Harald Krüger

„Ohne moderne Diesel sind die Kohlendioxid-Ziele der EU für 2020 Makulatur.“

MünchenWer zur BMW-Hauptversammlung möchte, muss in der Regel den Mittleren Ring überqueren. Münchens Stadtautobahn vor der Tür der Olympiahalle ist berüchtigt für Staus und Abgase. Die Stickoxidemissionen an der vierspurigen Straße sind so hoch, dass für die Münchener Innenstadt ab 2018 Fahrverbote für Dieselantriebe drohen. So jedenfalls hat es das Bayerische Verwaltungsgericht verfügt.

Ein Problem für den Chef der Bayerischen Motorenwerke, der am Vormittag zu 5500 anwesenden Aktionären spricht. Harald Krüger, der im Sitzen redet, hat sich für eine offensive Variante entschieden. „Hören wir auf, die Menschen zu verunsichern“, ruft Krüger von der Bühne. „Und hören wir auf, den modernen Diesel kaputtzureden“. Es folgt ein langer Applaus der Anteilseigner.

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Stuttgart macht es vor: Um Schadstoff-Grenzwerte einzuhalten, setzt die Mehrheit der größten deutschen Städte auf Diesel-Fahrverbote, zeigt eine Umfrage des Handelsblatts. Die Autobranche gerät immer mehr unter Zugzwang.

Wie seine Kollegen in Wolfsburg und Stuttgart ist der BMW-Chef von der Diskussion um Diesel-Fahrverbote in Deutschland angefressen. Vielleicht sogar ein wenig mehr als VW-Chef Matthias Müller und Daimler-Boss Dieter Zetsche, denn Krüger hat bislang eine weiße Weste. Weder ist das Unternehmen Ziel staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, noch ist den Münchenern ein Betrug nachgewiesen worden. Doch der Konzern hat viel zu verlieren. BMW hat in Europa 71 Prozent Dieselanteil in der Neuwagenflotte, mehr als jeder andere Hersteller.

Es steht also viel auf dem Spiel – und das wird ausgerechnet in Stuttgart entschieden. Denn in der Heimatstadt des Konkurrenten Mercedes laufen seit Wochen Gespräche zwischen der Autoindustrie und der Landesregierung, wie das angedrohte Fahrverbot in Stuttgart noch zu verhindern ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die älteren Euro5-Diesel umgerüstet werden, deren Abgasverhalten bei allen Herstellern große Mängel aufweist.

Das sind die rentabelsten Autokonzerne

Platz 10

Honda – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,2 Milliarden Euro*

Unter den japanischen Herstellern konnte keiner den Gewinn so stark steigern wie Honda. Im Jahresvergleich legte das Unternehmen um 31,5 Prozent zu. Dabei fiel die Ebit-Marge allerdingt mit 4,6 Prozent unterdurchschnittlich aus.

Quelle: CAM Bergisch-Gladbach; Stand: 12/ 2016 - Bei japanischen Herstellern wird das Kalenderjahr abgebildet

Platz 9

Nissan – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 5,7 Milliarden Euro

Das vergangene Jahr war für die Japaner durch Wechselkursschwankungen durchaus turbulent. Der Gewinn sank um 7,4 Prozent. Immerhin landete man mit einer Ebit-Marge von 6,2 Prozent im Mittelfeld aller Hersteller.

Platz 8

Hyundai – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6 Milliarden Euro

Heimlich schielt der viertgrößte Autokonzern der Welt immer noch Richtung Weltspitze. Doch 2016 war für die Koreaner ein Rückschritt. Der Absatz schrumpfte leicht, der Gewinn sogar um satte 8,8 Prozent. Und auch die Marge war mit 5,2 Prozent unterdurchschnittlich.

Platz 7

Fiat-Chrysler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 6,1 Milliarden Euro

Die italienische Überraschung: Durch den Erfolg von Jeep hat sich der italo-amerikanische Konzern wieder erholt. Der Gewinn wurde mehr als verdoppelt, obwohl der Absatz nur leicht zulegte. Allein die Marge ist mit 5,5 Prozent immer noch bestenfalls mittelmäßig.

Platz 6

Volkswagen – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 7,1 Milliarden Euro

Der Dieselskandal drückt weiter kräftig auf den Gewinn. Doch innerhalb eines Jahres haben es die Wolfsburger geschafft, das Ergebnis um 11,2 Milliarden Euro zu verbessern. Und das obwohl die Marge mit 3,3 Prozent immer noch mager ausfällt.

Platz 5

BMW – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Für den jahrelangen Primus der Premiumbranche ist der Gewinn im vergangenen Jahr leicht gesunken. Das können die Münchener aber locker verschmerzen. Dank einer Marge von zehn Prozent erwirtschaftet kein Konkurrent mehr pro Auto.

Platz 4

Ford – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,4 Milliarden Euro

Den Titel als rentabelster Autokonzern Amerikas hat Ford dieses Jahr verloren. Denn beim Ertrag und Absatz schwächelt der Weltkonzern. Die Marge fällt mit 6,8 Prozent überdurchschnittlich aus.

Platz 3

General Motors – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 9,8 Milliarden Euro

Unter Mary Barra gilt die Devise: Profit zuerst. Das war auch 2016 aus den Zahlen abzulesen. Der Gewinn konnte um fast 20 Prozent zulegen. Und mit 7,5 Prozent ist auch die Marge für einen Volumenhersteller sehr zufriedenstellend.

Platz 2

Platz 2 – Daimler – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 12,9 Milliarden Euro

Der profitabelste Premiumhersteller kommt aus Stuttgart. Im Vergleich zum Vorjahr schneiden die Schwaben zwar etwas schlechter ab. Doch eine Marge von 8,4 Prozent reicht immer noch für einen zweistelligen Milliardengewinn.

Platz 1

Toyota – Gewinn vor Steuern und Abgaben (Ebit): 17 Milliarden Euro

Wenn der Gewinn um fast 24 Prozent einbricht, würden die meisten anderen Konzerne wohl etliche Plätze einbüßen. Toyota nicht. Die Japaner sind weiterhin profitabler als alle anderen Hersteller. Vor allem wegen einer Marge von 7,8 Prozent, die zwar deutlich kleiner ausfällt als im Vorjahr – doch das ist immer noch besser als bei allen Konkurrenten.

Sicher ist: Es wird eine sehr teure Umrüstung. Zwischen 1000 und 3000 Euro könnten pro Auto fällig werden, heißt es in der Industrie. Das Ganze hat den Charakter von Tarifverhandlungen: Kommt es zu einer Einigung, dürften die Ergebnisse auf ganz Deutschland übertragen werden. In der Summe könnten auf BMW, Daimler und Volkswagen Kosten insgesamt in Milliardenhöhe zukommen.

Doch es wird wohl kaum anders gehen. Zwar erfüllen die neuen Euro-6-Diesel, die seit 2014 verkauft werden, die Abgaswerte, betont Krüger. Auch zuvor habe man sich immer an die gesetzlichen Vorgaben gehalten und die Testvorgaben eingehalten. Doch die Kunden drohen das Vertrauen zu verlieren, eine verhängnisvolle Entwicklung für BMW. Die Diskussion um eine pauschale Verbannung müsse daher schnell vom Tisch. Denn: „Der Haken an der Sache ist: Wer den Diesel verbannt ,bekommt mehr Kohlendioxid“, sagt Krüger.

Damit sitzt BMW wie der Rest der Branche in der Dieselfalle. Denn wenn die Münchener ab morgen anteilig mehr Benzinautos verkaufen, geht der Kohlendioxid-Ausstoß hoch und BMW verfehlt die Klimavorgaben. „Ohne moderne Diesel sind die Kohlendioxid-Ziele der EU für 2020 Makulatur“, sagt Krüger.

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Kommentare (15)

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Frau ke Schludewig

11.05.2017, 15:08 Uhr

Recht hat er.
Wie kann ein Auto schädlicher sein, dass auf 100km etwa 1-2 L weniger verbrauch hat als ein vergleichbarer Benziner?
Alle Abgase, egal ob Benzin oder Diesel sind immer noch schädlich!

Herr Matthias Moser

11.05.2017, 15:12 Uhr

In dem Test in USA, der VW damals entlarvte, war auch ein X5 Diesel mit dabei und hat sehr gut abgeschnitten. Insofern steht BMW gut da.
Nur es interessiert keinen, weil leider heute alles nur noch verkürzt wird, keine ausführlichen Informationen mehr gelesen oder bewertet werden und insbesondere die Politik nur noch Phrasen drischt.

Herr Peter Radomski

11.05.2017, 15:21 Uhr

Hier sprechen offensichtlich die Dieselfahrer unter uns. Wenn ich aber im Winter in München hinter ein Stinker fahre / gehe ... wirds mir schlecht. Egal welche Marke ...

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