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06.11.2015

11:29 Uhr

Boehringer mit neuem Chef

Wertvollste Familienunternehmen wieder in Familienhand

VonSiegfried Hofmann

Boehringer Ingelheim ist eine der größten Pharmahersteller der Welt – und ein deutsches Familienunternehmen. Jetzt übernimmt nach einem Vierteljahrhundert wieder ein Mitglied der Gründerfamilie das Ruder.

Gravierende Umbrüche sind unter dem neuen Firmenchef kaum zu erwarten. Pressebild

Boehringer Ingelheim

Gravierende Umbrüche sind unter dem neuen Firmenchef kaum zu erwarten.

FrankfurtDeutschlands zweitgrößter Pharmahersteller und das wohl wertvollste Familienunternehmen der Republik stellt die Weichen für einen Wechsel an der Firmenspitze: Zur Jahresmitte 2016 wird der bisherige Finanzchef Hubertus von Baumbach den bisherigen Firmenchef Andreas Barner ablösen und den Vorsitz in der Unternehmensleitung bei Boehringer Ingelheim übernehmen.

Der 62-jährige Barner, der den Pharmakonzern seit 2008 führt, wechselt dann in den Gesellschafterausschuss des Unternehmens, der bisher nur Familienmitgliedern vorbehalten war.

Das Revirement läutet für den Ingelheimer Konzern personell einen neuen Zeitabschnitt ein. Denn mit dem 48-jährigen von Baumbach wird erstmals seit einem Vierteljahrhundert wieder ein Mitglied der Gründerfamilie das Ruder in Ingelheim übernehmen.

Urenkel von Firmenpatriarch Albert Boehringer, der das Unternehmen 1885 gründete. dpa

Hubertus von Baumbach

Urenkel von Firmenpatriarch Albert Boehringer, der das Unternehmen 1885 gründete.

Der gelernte Banker und Jurist bringt zwar keine Medizin- und Forschungserfahrung mit, wurde ansonsten aber gründlich auf seine neue Rolle vorbereitet. Er hält einen MBA-Titel vom MIT in Cambridge und absolvierte Stationen beim Pharmariesen Roche und bei Boehringer in Kanada, bevor er in den Finanzbereich des Ingelheimer Konzerns eintrat. Seit 2009 ist er Mitglied in der Unternehmensleitung, agierte dabei in seiner Rolle als Finanzchef aber stets äußerst behutsam und zurückhaltend.

Verantwortlich für Forschung und die nicht-klinische Entwicklung – ein Ressort, das Barner bisher in Personalunion mitführte – wird künftig der Franzose Michel Pairet sein, der neu in die sechsköpfige Unternehmensleitung aufrückt. Der 56-jährige Veterinärmediziner ist seit mehr als 20 Jahren bei Boehringer tätig und leitete zuletzt bereits die Pharmaforschung.

Gravierende Umbrüche sind unter dem neuen Firmenchef kaum zu erwarten. Die Machtverhältnisse in dem Konzern sind fein austariert und auf Stabilität ausgelegt. Christian Boehringer, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses und Cousin des künftigen Firmenchefs, bewertet die Nachfolgeregelung als Entscheidung, die auf Kontinuität und Weiterentwicklung des Unternehmen zielt. Von Baumbach werde mit seinen Kollegen in der Unternehmensleitung den weiteren Wandel von Boehringer Ingelheim vorantreiben, „um das oberste Ziel, die Unabhängigkeit des Unternehmens, nachhaltig zu festigen“, kommentiert er die Personalie. Beide sind Urenkel von Firmenpatriarch Albert Boehringer, der das Unternehmen 1885 gründete.

Mit rund 13 Milliarden Euro Jahresumsatz und weltweit 48.000 Beschäftigten ist Boehringer heute der zweitgrößte deutsche Pharmahersteller (nach Bayer) und weltweit in etwa auf Position 18 der Branche. Boehringer Ingelheim ist dabei aber der mit Abstand größte Pharmahersteller, der sich noch voll in Familienbesitz befindet.

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