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18.11.2013

11:18 Uhr

Boeing 777X

Ein Riesenflieger für die Scheichs

VonLukas Bay

Die neue 777X von Boeing bricht gleich zur Premiere alle Verkaufsrekorde. Mit ihrer hohen Reichweite kann sie vor allem die arabischen Airlines überzeugen. Doch der neue Riesenflieger könnte zu spät kommen.

Dubais Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum (M.) und Boeing-Chef Jim McNerney (l.): Mit dem Kauf von 150 Exemplare der 777X von Boeing zählen die Scheichs zu den wichtigsten Kunden der Amerikaner. AFP

Dubais Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum (M.) und Boeing-Chef Jim McNerney (l.): Mit dem Kauf von 150 Exemplare der 777X von Boeing zählen die Scheichs zu den wichtigsten Kunden der Amerikaner.

DüsseldorfErfolgreicher hätte die Premiere des neuen Langstreckenfliegers 777X auf der Dubai Air Show für Boeing kaum laufen können. Mit 259 Bestellungen mit einem Gesamtwert von 95 Milliarden Dollar (rund 70,4 Milliarden Euro) ist der neue zweistrahlige Jet der erfolgreichste Produktstart in der kommerziellen Luftfahrt. Ein Erfolg, der kalkuliert ist. Der Ort für den ersten Auftritt des Riesenfliegers wurde bewusst gewählt.

Der zweistrahlige Jet ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklungsarbeit, die sich vor allem an den Vorgaben der arabischen Fluggesellschaften orientierte. Emirates, Etihad und Qatar brauchen dringend große Passagierflieger mit großen Reichweiten, um von ihren Knotenpunkten Dubai und Abu Dhabi die ganze Welt anzusteuern.

Attribute, die die 777X wie kaum ein anderer Flieger erfüllt. So soll die 777X an den Erfolg des Vorgängermodells anknüpfen, das mit rund 100 Stück produzierten Flugzeugen pro Jahr zu den Umsatztreibern des Konzern gehört. Doch bisher sind die größeren Varianten der 777 vor allem im Frachtbereich unterwegs. Die überarbeitete 777X soll das ändern.

Allein die Ausmaße des Riesenfliegers sind beeindruckend: In der Luft spannen sich die Karbonflügel der 777X auf 71,1 Meter, am Boden lassen sie sich auf 64,8 Meter zusammenfalten. Damit ist der Jumbo sogar größer als die Boeing 787 Dreamliner. Dank der einklappbaren Flügelspitzen kann sie aber überall dort geparkt werden, wo auch die Vorgängerversion Platz fand.

Der Verbrauch soll im Vergleich zum Vorgänger um 20 Prozent sinken. So kommt die neue Boeing 777-8X (Listenpreis: 349,8 Millionen Dollar) mit 350 Passagieren auf eine Reichweite von bis zu 17.220 Kilometer – das reicht für einen Direktflug von Düsseldorf nach Sydney. Selbst die größere Variante, der 777-9X (Listenpreis: 377,2 Millionen Dollar) kann 400 Passagiere bis zu 15.185 Kilometer weit fliegen.

Wo die Luftfahrt wachsen soll

Asien

Die Airlines im asiatisch-pazifischen Raum liefern den größten Anteil am Erfolg der Branche, prognostiziert die Iata. Mit einem Gesamtgewinn von 4,2 Milliarden Dollar wurden die Erwartungen erneut erhöht. Asiatische Fluggesellschaften machen rund 40 Prozent des Lufttransport-Geschäfts aus und die Nachfrage soll weiter steigen. Um dem prognostizierten Nachfragezuwachs von 4,9 Prozent gerecht zu werden, soll auch die Kapazität um fünf Prozent steigen.

Nordamerika

Die nordamerikanischen Airlines sollen nach Iata-Prognose 2013 einen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar erwirtschaften. 2012 hatten sie noch einen Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar ausgewiesen. Durch ein enges Kapazitätsmanagement und trotz der hohen Treibstoffpreise soll die Nachfrage um 1,3 Prozent steigen. Auch die Kapazität soll um 1,1 Prozent zulegen.

Europa

Die europäischen Fluggesellschaften sollen 2013 einen gemeinsamen Gewinn von 800 Millionen Dollar ausweisen. Damit können die Europäer zwar wieder in die Gewinnzone zurückkehre, mit einer Rentabilität von 0,4 Prozent schneiden die Airlines aber weiterhin im globalen Vergleich schlecht ab. Zudem bedroht die Eurokrise die Bilanz. Der europäische Heimatmarkt wird sich darum auch 2013 schwach entwickeln, prognostiziert die Iata. Dafür dürften die Langstreckenflüge in die Wachstumsmärkte die Bilanzen aufpolieren. Insgesamt soll die Nachfrage um 2,6 Prozent wachsen, die Kapazität um 2,5 Prozent.

Mittlerer Osten

Die arabischen Airlines sind schon seit Jahren auf Wachstumskurs und dürften an Bedeutung zunehmen. Die Fluggesellschaften erwarten für 2013 einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro, nach 900 Millionen im Jahr 2012. Als Umschlagplatz für Langstreckenflüge gewinnen Dubai und Abu Dhabi an Relevanz. Die Nachfrage soll um 13,7 Prozent zulegen, das Angebot um 12,8 Prozent. Die Profitmarge ist mit 3,4 Prozent weltweit am dritthöchsten.

Lateinamerika

Die lateinamerikanischen Airlines dürften im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn von 600 Millionen Dollar ausweisen. Damit fällt die Prognose um 100 Millionen Dollar schlechter aus als noch im Dezember. Damit fallen die Gewinne aber immer noch doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Trotz der hohen Volatilität der Heimatmärkte geht die Iata von einem Nachfragewachstum von 8,1 Prozent aus, obwohl die Kapazität nur um 6,7 Prozent steigen dürfte.

Afrika

Auch die afrikanischen Airlines dürften nach einem Verlust von 100 Millionen Dollar im Jahr 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Für 2013 erwartet die Iata einen Gesamtgewinn von 100 Millionen Dollar. Die Nachfrage soll um 6,5 Prozent steigen, die Kapazität um 6,4 Prozent.

Mit Etihad (25 bestellte Flugzeuge), Qatar (50 bestellte Flugzeuge) und Emirates (150 bestellte Flugzeuge) kommen die größten Kunden aus Fernost. Selbst bei der Entwicklung der Triebwerke sollen die Araber darum ein Wörtchen mitgeredet haben, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf interne Quellen. Zwar verbrauchen die GE9X-Triebwerke der Luftfahrtsparte von General Electric rund zehn Prozent weniger als beim Vorgängermodell. Doch sie sollen auf Wunsch von Emirates auf mehr Leistung getrimmt worden sein – zulasten eines höheren Gewichts.

Für die Araber ist die Leistung der Triebwerke von entscheidender Bedeutung. Die hohen Temperaturen in den Wüstenstaaten sorgen für eine geringere Luftdichte, weshalb Flugzeuge mehr Power, mehr Flügelspannweite oder längere Landebahnen brauchen, um abzuheben. Die 777X erfüllt damit alle Voraussetzungen, ein Verkaufserfolg zu werden.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

18.11.2013, 12:13 Uhr

Sehr geehrter Herr Bay, sehr geehrtes Handelsblatt,
bei 1147 Auslieferungen, hiervon 127 Frachter, kann man eigentlich nicht davon sprechen, dass der überwiegende Anteil der bisherigen 777 aus Frachtern bestünde.
Dass die Maschine zu spät kommen könnte, stimmt auch nur bei einem direkten Vergleich mit dem A350, der aber nicht passt, da die geplante 777X in der Grössenordnung der 747 angesiedelt sind und eben auch diese ersetzen werden.
Ihr Artikel erweckt im Ganzen den Eindruck für Unkundige, dass Boeing mit seiner Entwicklung spät -"zu spät"- dran wäre, das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall.

FreundHein

18.11.2013, 12:54 Uhr

Schon einfache Grundlagen der Allgemeinbildung fehlen dem Schreiberling, wie soll da irgendeine Tatsachenbehauptung in dem Artikel mehr als ein Glückstreffer sein?
Beleg?
Für diesen Stargeographen liegt die arabische Halbinsel in Fernost.
Früher sagte man zu solchen Leuten, sie müssten den ganzen Tag mit einem Ölkännchen rumrennen, wenn Dummheit quietschen würde.
Der Generation DOOF ist die Metapher zu hoch.

A B S T O ß E N D !

Account gelöscht!

18.11.2013, 13:02 Uhr

Und Ihnen fehlen offensichtlich die Formen des zivilisierten Umgangs. Finden Sie einen Fehler, freuen wir uns über jede Korrektur. Aber bitte in einem angemessenen Umgangston.

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