Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2015

10:22 Uhr

Boeing 787

Dreamliner warten auf Abholung

Zwei nagelneue Boeing-Dreamliner warten in Seattle auf Abholung. Doch die Finanzierung ist geplatzt, weil die Exportbank der USA handlungsunfähig ist. Das könnte noch zum Problem für viele große US-Konzerne werden.

Die Probleme bei der US-Exportbank verhindern derzeit die Auslieferung von Maschinen des Flugzeugbauers. AFP

Boeing-Dreamliner in Seattle (Archiv)

Die Probleme bei der US-Exportbank verhindern derzeit die Auslieferung von Maschinen des Flugzeugbauers.

SeattleZwei fabrikneue Exemplare des Langstreckenfliegers Boeing 787 Dreamliner sind derzeit vor einem Fabrikgebäude von Boeing in Seattle geparkt. Eigentlich sollten sie längst an den Kunden Kenya Airways ausgeliefert sein. Doch die Finanzierung ist bis auf weiteres geplatzt. Die Exportbank der USA ist nach Informationen von Bloomberg News derzeit nicht in der Lage, die Finanzierungslücke zu schließen.

Boeing, der Flugzeugfinanzier Aviation Finance und die African Export-Import Bank arbeiten laut zwei mit den Vorgängen befassten Personen weiter an einer Finanzierung für die in Turbulenzen geratene kenianische Fluggesellschaft. Laut Listenpreisen sind die beiden Flugzeuge etwa 450 Millionen Dollar wert, rund 400 Millionen Euro. In der Branche werden aber üblicherweise größere Rabatte eingeräumt.

Dennis Muilenberg: Das ist der neue Chef bei Boeing

Dennis Muilenberg

Premium Das ist der neue Chef bei Boeing

Zehn Jahre lang bestimmte James McNerney das Geschehen bei Boeing. Nun steht wieder ein Ingenieur an der Spitze des Unternehmens: Dennis Muilenburg. Nicht alle sind mit dieser Entscheidung glücklich.

Es handelt sich um die ersten beiden Boeing-Maschinen, deren Finanzierung nicht gewährleistet ist, weil die auf die Exportfinanzierung spezialisierte Bank handlungsunfähig ist. Traditionell dient sie ihre Hilfe solchen Kunden an, die auf dem freien Kreditmarkt schwer Kredite erhalten würden. Die Exportkreditgarantien werden nicht mehr vergeben, seitdem im Juni die Charta für die Bank auslief und nicht erneuert wurde. Kongressabgeordnete hatten ihr Geschäftsmodell als „Vetternwirtschaft“ kritisiert. Nun hat mit Boeing ein bedeutender Exporteur das Problem.

„Boeing fehlt damit im Umgang mit Kunden mit einem höheren Kreditrisiko definitiv ein Pfeil im Köcher“, stellt Luftfahrtanalyst George Ferguson von Bloomberg Intelligence fest. Konkurrent Airbus erhalte einen Wettbewerbsvorteil, denn ihm stünden vergleichbare Möglichkeiten zur Finanzierung von Exporten unverändert zur Verfügung.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Weder Kenya Airways noch Boeing wollten sich auf Nachfrage näher zum Stand der Verhandlungen äußern. Boeing-Sprecher Doug Alder signalisierte eine „enge Zusammenarbeit“ mit dem Kunden. Der Vorstandsvorsitzende Mbuvi Ngunze von Kenya Airways kündigte eine Erklärung an, sobald die Konditionen geklärt seien.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×