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14.01.2005

09:12 Uhr

Boeing bekämpft Airbus auch auf politischer Ebene

Subventionsstreit ist längst nicht beigelegt

Der erbitterte Kampf der beiden Flugzeugbauer Boeing und Airbus wird nicht nur im Kampf um die Kunden mit harten Bandagen geführt. Noch ist der Riesenairbus A380 nicht am Himmel, schon ist um die beiden geplanten kleineren Langstreckenjets 7E7 und A350 ein erbitterter Subventionsstreit ausgebrochen.

mwb/ebe MÜNCHEN. Stellvertretend für die beiden Hersteller beharken sich die USA und Europa vor der Welthandelsorganisation WTO und werfen sich gegenseitig unzulässige Subventionen vor. Nur mit Mühe wurde ein gerichtliches Verfahren vor der WTO zu Beginn der Woche auf Eis gelegt und die Gefahr eines verheerenden Handelskrieges gebannt, der auf andere Branchen überzugreifen drohte.

Jetzt haben die Kontrahenten drei Monate Zeit, um eine Lösung zu finden. Das dürfte schwer genug sein, denn die Finanzierungssysteme sind sehr unterschiedlich. Während Airbus für die Entwicklung seiner Flugzeuge von den beteiligten Ländern zinsverbilligte Kredite erhält, arbeiten die Amerikaner indirekt über Forschungsförderung.

In den Verhandlungen steckt jede Menge Sprengkraft. „Ich hoffe, dass unsere Gespräche in den kommenden drei Monaten zu einer Einigung über ein Ende der Subventionen für die Entwicklung und Produktion großer Flugzeuge führen“, hatte EU-Handelskommissar Peter Mandelsson erklärt, nachdem er sich mit dem US-Handelsbeauftragten Robert Zoellick auf die Gespräche verständigt hatte. Zoellick hatte erklärt: „Es gibt noch viel zu tun, um eine endgültige Vereinbarung auszuhandeln.“

Die Verhandlungen über einen Kompromiss dürften jedenfalls kompliziert werden. Dabei belastet auch der jüngste Vorstoß von Airbus-Chef Noël Forgeard: Der Franzose preschte einen Tag nach dem Einlenken der Amerikaner und Europäer vor und beantragte für die Entwicklung des Langstreckenjets A350 von vier Regierungen „Starthilfe“ von insgesamt einer Mrd. Euro.

Für die USA dürfte dies mehr als nur ein Nadelstich sein. Boeing, jahrelang scheinbar unerreichbar in Front, ist im zivilen Flugzeugbau arg ins Hintertreffen geraten. Zudem werden Airbus und der Mutterkonzern EADS bei milliardenschweren Militäraufträgen – etwa für Luftbetankungsflugzeuge, die auf zivilen Modellen basieren – immer mehr zum ernsten Konkurrenten. Für die Amerikaner ist die Starthilfe der Europäer in den vergangenen Jahrzehnten längst übers Ziel hinausgeschossen.

Airbus hat 2004 seine Ergebnisprognose übertroffen. Der Konzern wird vor Steuern und Zinsen 2,3 Mrd. Euro verdienen, statt wie bisher erwartet 2,2 Mrd. Euro. Im laufenden Jahr geht der scheidende EADS-Co-Chef Philippe Camus von einer weiteren Steigerung auf 2,4 Mrd. Euro aus. EADS führte das überraschend hohe Ergebnis 2004 vor allem auf die hohe Auslieferungszahl bei Airbus mit 320 Maschinen zurück. 2005 sollen bis zu 360 Maschinen ausgeliefert werden. Damit würde Airbus seinen Rivalen zum dritten Mal in Folge übertreffen. Zum Konzernumsatz von 32 Mrd. Euro trug die Verteidigungssparte acht Mrd. Euro bei. Bis 2007 soll der Bereich, der die Transportmaschine A400M, den Kampfjet Eurofighter und den Hubschrauber Tiger umfasst, mit rund zehn Mrd. Euro ein Viertel zum Konzernumsatz beitragen, kündigte Camus an.

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