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26.01.2007

12:54 Uhr

Börsengang von Siemens VDO

Ein Händchen fürs Timing

VonCarsten Herz

Trotz aller Kritik um die jüngsten Skandale – eins muss man Siemens lassen: Das Geschäft mit der Börse verstehen die Münchener. Sie schaffen es immer wieder, ihre Sparten dann öffentlich anzubieten, wenn sich Firmenteile besonders gut verkaufen lassen. Das spült kräftig Geld in die Siemens-Taschen – nicht immer zum Nutzen der späteren Anleger. Auch ein Investment in den Automobilzulieferer VDO ist nach Expertenmeinung keine risikofreie Anlage.

Der Siemens-Schriftzug vor dem Siemens-Forum in München. Foto: ap Quelle: ap

Der Siemens-Schriftzug vor dem Siemens-Forum in München. Foto: ap

MÜNCHEN. „Es ist sicherlich kein schlechter Zeitpunkt für Siemens, jetzt den Autozulieferer an die Börse zu bringen“, sagt Anlagechef Thomas Körfgen von SEB-Invest vor dem Hintergrund des anhaltenden Booms der Weltwirtschaft. Da jedem Boom ein Abschwung folgt, dürfte das Timing gut sein. So wie schon zwei Mal zuvor.

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Als die Siemens-Tochter Infineon im Jahr 2000 zu 35 Euro je Aktie an der Börse debütierte, nahm die Mutter 5,5 Mrd. Euro ein. Zwar wusste damals niemand, dass genau in diesem Augenblick der Technologieboom seinen Höhepunkt erreicht hatte, doch das Auf und Ab an den Chipmärkten war Experten durchaus bewusst. Als ein Jahr danach eine sinkende Nachfrage auf ein steigendes Angebot an Chips traf, stürzte die Aktie ab. Heute würde Siemens angesichts roter Infineon-Zahlen keine zwei Mrd. Euro an der Börse erlösen.

Auch Epcos, die zweite Tochter, erzielte kurz nach dem Börsengang Rekordgewinne. Auf sich allein gestellt, schmälerte der wirtschaftliche Abschwung die Erträge des Spezialisten für elektronische Bauelemente, wie sie in Autos, Handys und Spielkonsolen verbaut werden. Auch hier stellte sich eine Weile dasselbe Phänomen ein: Viel Angebot stieß im Konjunkturabschwung auf wenig Nachfrage.

In einer ähnlichen Phase des Booms will also Siemens jetzt VDO platzieren. Patrick Juchemich, Autoanalyst bei Sal. Oppenheim, und sein Kollege Frank Biller von der LBBW sehen die Bewertung von VDO bei etwa sieben Mrd. Euro. Da sich die Münchener von mehr als 25 Prozent der Sparte trennen wollen, darf Siemens-Chef Klaus Kleinfeld also auf einen Erlös von mindestens zwei Mrd. Euro aus dem Börsengang hoffen. Wann Siemens die Sparte an die Börse bringen will, ist noch unklar.

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