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26.03.2006

10:41 Uhr

Börsengang

Wacker Chemie steht vor Zeitwende

Als erster großer Konzern in diesem Jahr wagt der Familienkonzern Wacker Chemie den Gang an die Börse und öffnet sich damit für externe Investoren. Ob der Börsengang ein Erfolg wird, hängt vor allem vom Preis der Aktie ab. Die Preisspanne soll nach Unternehmensangaben vom Freitagabend am 30. März veröffentlicht werden.

MÜNCHEN. Nach monatelangen Spekulationen will der Urenkel des Firmengründers, Peter-Alexander Wacker, am Montag die Details für den Börsengang, der für den 10. April vorgesehen ist, bekannt geben. Zwar ist klar, dass die Familie nur eine Minderheit des Konzerns an die Börse bringt. Dennoch dürfte die Emission der rund 52,15 Millionen Stammaktien aber nach Einschätzung von Experten ein Volumen von rund einer Milliarde Euro haben. Damit wird Wacker zu den größten Börsengängen des Jahres 2006 zählen. Das gesamte Unternehmen soll von den Banken mit mehr als 3 Milliarden Euro bewertet werden. “

An das große Interesse an seinem Unternehmen und die Spielregeln der Börsenwelt muss sich Firmenchef Wacker erst noch gewöhnen. Monatelang schwieg das Unternehmen zu den Spekulationen über den geplanten Börsengang. Trotzdem konnte Wacker die Botschaft bis zur Pressekonferenz des Unternehmens Mitte März nicht geheim halten: Sie war in Finanzkreisen längst durchgesickert.

„Die Nachricht, die ich Ihnen heute verkünden wollte, habe ich gestern schon in der Zeitung gelesen“, stellte Wacker zum Beginn der Pressekonferenz nüchtern fest. Dabei ist er es eigentlich gewohnt, dass die Dinge nach seinem Plan laufen. Seine Management-Erfahrung hatte er bei BMW und einer eigenen Unternehmensberatung gesammelt, bevor er 2001 die Leitung des Konzerns übernahm.

Die Entscheidung für den Börsengang machte er sich nicht leicht. Ursprünglich wollte Wacker nur die problematische Halbleitersparte Siltronic an die Börse bringen. Mangels Interesse platzte der Börsengang aber. „Die Preisvorstellungen waren einfach übertrieben“, sagt Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Inzwischen schreibt die Sparte zwar wieder schwarze Zahlen, gilt aber wegen der Volatilität im Chipgeschäft immer noch als größtes Risiko im Wacker-Geschäft. „Siemens hat sein Speicherchipgeschäft nicht umsonst ausgegliedert“, sagte DSW-Sprecher-Kurz.

Als Zocker-Aktie sieht Firmen-Chef Wacker die Anteile aber nicht. „Mit Sicherheit ist Wacker kein Risikopapier“, stellte er klar. Hilfreich für das kapitalintensive Geschäft Siltronic könnte sich eine geplante Allianz mit Samsung in dem Bereich auswirken. Beide Unternehmen prüfen derzeit eine Gemeinschaftsfabrik zur Herstellung von Wafern in Singapur.

Profitieren könnte der Konzern von seinem bekannten Namen und der mehr als 90 Jahre alten Firmengeschichte. Gegründet 1914 von Alexander Wacker, zählt der Konzern mit einem Umsatz von knapp 2,8 Milliarden Euro und rund 14 000 Mitarbeitern heute zu den großen Playern in der Branche. Eines der weltweit führenden Unternehmen ist Wacker im Polysilicium-Geschäft, das zur Herstellung von Solarzellen benötigt wird. An seinem Firmensitz im oberbayerischen Burghausen investiert Wacker rund 200 Millionen Euro in den Ausbau der Polysilicium-Produktion.

Auch im Ausland, wo Wacker schon jetzt rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt, soll das Geschäft weiter ausgebaut werden. Vor allem in China hat Wacker große Pläne. Mit dem Geld aus dem Börsengang will das Unternehmen aber auch ein 44-prozentiges Aktienpaket refinanzieren, dass die Familie von Sanofi-Aventis zurückgekauft hatte. Vollständig zurückziehen wollen sich die Nachfahren des Firmengründers aber auch in Zukunft nicht: Der Name verpflichtet.

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