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01.09.2015

11:13 Uhr

Börsenkandidat Covestro

Bunte Truppe auf dem Weg in den Dax

VonBert Fröndhoff, Robert Landgraf

Mit einer großen Party feiert Covestro die Loslösung von Bayer. Die bisherige Kunststoffsparte kommt bald an die Börse – es wird der größte deutsche IPO seit der Jahrtausendwende. Welche Chancen hat das neue Unternehmen?

„Wir sind neugierig, mutig und bunt.“ dpa

Covestro startet

„Wir sind neugierig, mutig und bunt.“

DüsseldorfWer verbirgt sich hinter dem Namen Covestro? Ein texanischer Finanzinvestor, so beantworten die einen diese Frage. Ein neuartiger Immobilienkonzern, meinen die anderen. Beides falsch. Tatsächlich handelt es sich um das viertgrößte Chemieunternehmen Europas, eine neue Firma aus Leverkusen, die schon bald in den deutschen Leitindex Dax aufgenommen werden könnte.

Der heutige 1. September ist der Gründungstag von Covestro. So heißt die bisherige Kunststoffsparte der Bayer AG von nun an. Der Konzern entlässt Bayer Material Science in die rechtliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Das muss natürlich gefeiert werden: 6000 Mitarbeiter aus den deutschen Standorten sind auf das Bayer-Gelände in Leverkusen eingeladen, um der Geburt beizuwohnen.

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Marijn Dekkers startet den Endspurt als Bayer-Chef: Trotz der aktuellen Turbulenzen soll die Kunststofftochter Covestro bis Oktober an die Börse gebracht werden. Es ist der Beginn für einen tiefgreifenden Konzernumbau.

Auf der Kaiser-Wilhelm-Allee, schräg gegenüber des Bayer-Kasinos, steht die recht schmucklos wirkende Firmenzentrale von Covestro. Dort werden am Dienstag voller Stolz Produkte gezeigt, für die das Unternehmen die Technik zuliefert. Etwa Teile des Solarfliegers Solar Impulse 2, der die Welt ausschließlich mit Sonnenenergie umrunden will. Covestro ist Partner des Projekts: Die Kunststoffe aus Leverkusen sollen dem Flugzeug die nötige Leichtigkeit verschaffen.

Covestro-Chef Patrick Tomas wird den Zusammenhalt der neuen Truppe beschwören und die Zukunft des Kunststoffherstellers in rosigen Farben beschreiben. So, wie er das in den nächsten Wochen vielerorts tun muss, denn Covestro soll bald an die Börse. Noch im Oktober könnte die Aktie erstmals notiert sein, so wünscht es sich der Bayer-Konzern. „Wir sind neugierig, mutig und bunt“, sagt Thomas.

Eine Bewertung von zehn Milliarden Euro wird angepeilt, rund drei Milliarden Euro sollen in der ersten Tranche platziert werden. Es wird der größte Börsengang in Deutschland seit der Jahrtausendwende. Damals, im November 2000, wagte die Deutsche Post den Weg auf das Parkett. Emissionsvolumen: 5,84 Milliarden Euro.

Vita Patrick Thomas

Der Manager

Der gelernte Ingenieur steht seit 2007 an der Spitze von Bayer Material Science (BMS). Seine Karriere begann er Ende der 70er-Jahre beim britischen Konzern ICI. Später war er in verschiedenen Führungspositionen beim US-Chemiehersteller Huntsman und für kurze Zeit als Unternehmensberater tätig, bevor er 2006 zu Bayer wechselte. Patrick Thomas wurde 1957 in Portsmouth (England) geboren.

Das Unternehmen

Unter dem Namen Covestro will Bayer seinen Teilkonzern Bayer Material Science zum 1. September ausgliedern und anschließend als eigenständiges Unternehmen an die Börse bringen. Mit knapp zwölf Milliarden Euro Umsatz ist Covestro führender Hersteller von Polycarbonat und Polyurethanen.

Die Produkte

Aus dem transparenten und sehr harten Kunststoff Polycarbonat werden unter anderem Computergehäuse, Brillengläser, CDs und zahlreiche Automobilkomponenten hergestellt. Polyurethane werden aus den Ausgangsmaterialien TDI, MDI und Polyolen hergestellt. Sie werden und unter anderem zur Herstellung von Schaum- und Dämmstoffen, elastischen Fasern sowie Schuhsohlen genutzt und dienen als wichtige Inhaltsstoffe von Lacken und Klebstoffen.

Anleger werden sich den Namen Covestro also merken müssen. Die Geburtsumstände sind gut. Bayer hat schon einmal eine neue Firma auf die Welt gebracht. Das war im Jahr 2005, als die Leverkusener ihre Chemiegeschäfte bündelten und in der Lanxess AG ausgliederten. Es war damals ein bunt zusammengestelltes Portfolio, das Management musste sich die Klammer erst selbst noch suchen. Beteiligte erzählen heute noch von Grabenkämpfen zwischen Führungskräften, die zusammenrücken sollten, aber nicht wirklich wollten.

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