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29.03.2012

09:21 Uhr

Bohrinsel-Leck

Total drohen bei Explosion Milliardenkosten

VonChristoph Kapalschinski, Michael Maisch

Die Bohrinsel „Elgin“ ist weiterhin explosionsgefährdet. Total drohen Kosten von bis zu zehn Milliarden Dollar, falls es zu einer Explosion kommt. Auch ohne Explosion kommt den Ölkonzern eine Reparatur teuer zu stehen.

Angst vor der Explosion

Video: Angst vor der Explosion

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Düsseldorf/LondonDie leckgeschlagene Förderplattform „Elgin“ in der Nordsee wird für den französischen Ölriesen Total zum milliardenschweren Reputationsproblem. Weiterhin strömt giftiges Gas ungehindert in die Nordsee. Die größte Sorge bereitet Experten derzeit die Explosionsgefahr. Auf der Plattform brennt vier Tage nach der Evakuierung noch immer eine Flamme, mit der überschüssiges Gas abgefackelt wird.

Sollte das aus dem Leck strömende Gas mit der Fackel in Kontakt kommen, käme es zu einer verheerenden Explosion. Das würde nach ersten Schätzungen von Analysten für Total Ausgaben von zehn Milliarden Dollar nach sich ziehen. Bleibt die gefürchtete Explosion aus, die Reparatur zieht sich aber über Monate hin, fielen rund drei Milliarden Dollar an. Sollte es Total gelingen, das Leck schnell in den Griff zu bekommen und die Produktion würde lediglich für zwei Wochen ausfallen, könnte der Ölmulti mit 150 Millionen Dollar davonkommen, so die Analysten am Mittwoch.

David Hainsworth, der Sicherheitschef von Total in Großbritannien, sieht derzeit keine unmittelbare Gefahr einer Explosion, verlässt sich dabei aber offenbar vor allem auf die Wetterlage. Im Moment werde das Gas durch den Wind von der Flamme weggeweht, sagte Hainsworth dem TV-Sender BBC. Total suche nach Möglichkeiten, die Fackel zu löschen.

Gasunfälle in der Nordsee

April 2011

Wegen eines Gaslecks wird eine Bohrplattform des norwegischen Statoil-Konzerns in der Nordsee zeitweise evakuiert. Nur eine Notbesatzung bleibt auf der Visund-Plattform nordwestlich von Bergen zurück. Hubschrauber bringen alle anderen der insgesamt 123Mitarbeiter zu benachbarten Plattformen.

Mai 2008

Auf der norwegischen Nordsee-Bohrinsel Statfjord entdecken Kontrolleure Gas in einem Versorgungsschacht. Fast alle 200 Beschäftigte müssen die Plattform verlassen. Die Bohrinsel liegt in großer Entfernung vom Festland an der Grenze zwischen dem norwegischen und dem britischen Teil der Nordsee.

November 2004

Freiwerdendes Gas auf der norwegischen Bohrinsel Snorre A in der Nordsee löst höchste Explosionsgefahr aus. Experten befürchten, die Plattform könne kentern und sinken. 180 Menschen werden per Hubschrauber und Schiff in Sicherheit gebracht. Mit Bohrschlamm wird das Leck nach 16 Stunden abgedichtet.

Mai 2002

Ein Fischerboot rammt bei dichtem Nebel eine Gasplattform vor der Küste der nordenglischen Hafenstadt Hull und beschädigt eines der Standbeine. 110 Menschen werden in Sicherheit gebracht, es gibt keine Verletzten. Die Plattform ist wegen Reparaturarbeiten stillgelegt, so dass kein Gas entweichen kann.

Trotz der Explosionsgefahr halten Experten eine Umweltkatastrophe wie vor zwei Jahren nach der Havarie einer Förderplattform des britischen Ölriesen BP im Golf von Mexiko aber für unwahrscheinlich. Diese Entwarnung bewahrt Total allerdings nicht vor milliardenschweren Kursverlusten: „Auch wenn sich die materiellen Risiken nicht vergleichen lassen, fürchten die Investoren, dass Total ein ähnlicher Reputationsverlust droht wie BP“, sagte ein Londoner Händler.

Die Aktien von BP notieren auch heute noch knapp 30 Prozent tiefer als vor der Ölpest im Golf von Mexiko, die als eine der größten Umweltkatastrophen überhaupt gilt. In den ersten Wochen nach der Explosion der „Deepwater Horizon“ hatte BP sogar mehr als die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Der Aktienkurs von Total war bereits am ersten Tag nach Bekanntwerden des Unfalls um sechs Prozent eingebrochen. Rund sechs Milliarden Euro lösten sich in Luft auf, am Mittwoch ging es für den weltweit fünftgrößten Ölkonzern weiter abwärts.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.03.2012, 12:53 Uhr

Total braucht sich über die wirtschaftliche Zukunft keine Sorgen machen. Rauscht auch der Börsenwert steil nach unten, einer feindlichen Übernahme oder Zerschlagung stellt sich schützend der französische Staat gegenüber.

"Was gut für Frankreich ist, ist auch gut für Europa."
Na, wer kennt ihn noch, diesen Satz vom Nikolaus ?

SteuerKlasseEins

29.03.2012, 19:15 Uhr

Bei Katastrophen wie dieser oder der im Golf von Mexiko, die nur mit Öl/Erdgas zu tun haben, haben die Umweltverbände, die Grünen und die grüngefärbten Parteien ein sehr kurzes Gedächtnis. Das ist schnell wieder vergessen. Wenn es aber um Atomkraft geht, werden normale Industrieunfälle zu Kultobjekten, die immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden und masslos übertrieben dargestellt werden, um die bestehende Technikfeindlichkeit im Land weiter zu festigen.

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