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13.04.2016

15:36 Uhr

Boni bei Volkswagen

Eine verpasste Chance für VW

VonLukas Bay

Der Vorstand von Volkswagen verzichtet auf einen Teil seiner Bonuszahlungen. Damit beendet Deutschlands größter Autokonzern eine lästige Debatte. Doch VW lässt auch eine große Chance verstreichen. Ein Kommentar.

Die VW-Vorstände wollen auf etwa 30 Prozent ihrer Bonuszahlungen verzichten. Das ist kaum mehr als eine nette Geste. AFP; Files; Francois Guillot

Fauler Kompromiss

Die VW-Vorstände wollen auf etwa 30 Prozent ihrer Bonuszahlungen verzichten. Das ist kaum mehr als eine nette Geste.

DüsseldorfDer Niedergang von Imperien ist ein beliebter Stoff für Historiker. In ihren Abhandlungen ist oft von wirtschaftlichen Krisen die Rede, von verlorenen Schlachten und größenwahnsinnigen Führern. Meist ist der Niedergang aber ein schleichender Prozess, vorangetrieben durch übersättigte Gesellschaften, deren Zusammenhalt schrumpft.

In Wolfsburg sollte man sich die Analysen der Historiker zu Herzen nehmen. So sehr die externen Folgen des Dieselskandals den deutschen Autoriesen auch erschüttern mögen – ohne den Zusammenhalt zwischen Belegschaft und Management steht man in Wolfsburg vor existenziellen Problemen.

Lukas Bay ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Frank Beer für Handelsblatt

Der Autor

Lukas Bay ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Und um den Zusammenhalt ist es in Wolfsburg derzeit nicht gut bestellt. Das Machtvakuum, das der einstige Firmenpatriarch Ferdinand Piëch und der abgetretene Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn hinterlassen haben, ist groß. Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Markenchef Herbert Diess streiten ungewohnt öffentlich um den neuen Kurs. Im Zwölf-Marken-Reich tobt ein Machtkampf. Die gelebte Transparenz, die der neue Konzernchef Matthias Müller bei seinem Amtsantritt einforderte, offenbart bisher vor allem internen Zwist.

In den vergangenen Tagen diskutierte der Konzern über die üppigen Bonuszahlungen seiner Führungsriege. Eine Debatte zur Unzeit: Täglich trudeln neue Milliardenklagen gegen den Konzern ein. Den Rückruf des Passats musste man erneut verschieben, weil eine technische Lösung fehlt. Und bisher ist es noch nicht gelungen, sich im Dieselstreit mit den US-Behörden zu einigen. Zudem stehen wichtige Termine an: Der Bericht der Anwaltskanzlei Jones Day soll bald vorgelegt werden, bis zur Hauptversammlung bleibt nur wenig Zeit. Eine ausufernde Debatte über Managergehälter kann sich VW derzeit nicht leisten.

Reicht der Boni-Verzicht bei Volkswagen?

Entsprechend schnell fand sich ein Kompromiss: Man wolle die Fälle individuell prüfen und auf bis zu 30 Prozent der Bonuszahlungen verzichten, heißt es aus Konzernkreisen. Auch Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der sich zehn Millionen Euro für den Wechsel in das Aufsehergremium auszahlen ließ, wird nachträglich zur Kasse gebeten. Er soll "nur" noch sieben Millionen Euro ausgezahlt bekommen.

Dieser Kompromiss ist vor allem der Beweis, dass die aktuelle Gefühlslage der Belegschaft noch nicht in der Vorstandsetage angekommen ist. Denn der Dieselskandal und seine finanziellen Folgen werden unter den Arbeitern mit großer Sorge beäugt. Die Angst, dass nötige Sparprogramme auch den eigenen Arbeitsplatz gefährden, ist greifbar. In den kommenden Wochen stehen harte Verhandlungen an. Ein Komplettverzicht der Vorstände auf Bonuszahlungen wäre im Vorfeld ein starkes Signal gewesen: VW ist uns wichtiger als der eigene Geldbeutel, wir alle müssen den Gürtel enger schnallen. Öffentlich wäre dieser Verzicht besser aufgenommen worden als jede millionenschwere Imagekampagne. Diese Chance hat man nun ungenutzt verstreichen lassen.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

13.04.2016, 15:45 Uhr

Kann ich nicht nachvollziehen. Leistung muss sich wieder lohnen. Aber für eine warme Mahlzeitz am Tag wird es ja immerhin noch reichen.

Zum Glück, muss ich mir als hochqualifizierter Investmentbanker und Leistungsträger in Deutschland aber über die finanzielle Situation eines DAX30-Vorstandes keine Sorgen machen.

Frau Ursula Neumann

13.04.2016, 15:48 Uhr

Der kleine Leiharbeiter verliert seinen Job, die Mitarbeiter bekommen eine "Anerkennung", und die Großkopferten stopfen sich nach wie vor die Taschen voll.
Gemeinhin geht man doch davon aus, dass es ein Festgehalt gibt, und "erfolgsabhängige" Bonuszahlungen. Hmm, die Bonuszahlungen bei VW sind demnach wohl ein zweites Festgehalt. Sehr interessant.
Und von wegen, die jetzige Führungsriege hat ja nichts mit dem Skandal zu tun - da ist die zweite Reihe nachgerückt - die das ganze womöglich ursächlich zu verantworten hat. Also nicht den Eindruck erwecken, da sitzen jetzt die Lämmchen.
Der Kontroll-Freak Winterkorn - will nichts gewusst haben? Da lachen nicht nur die Hühner.
Das sich die Belegschaft mehr Sorgen um VW macht als die Führungsriege - dass sagt doch schon alles.

Account gelöscht!

13.04.2016, 16:22 Uhr

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