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19.02.2013

12:09 Uhr

Boomende Exporte

Handel mit Afrika wächst

21 Prozent aller deutschen Firmen machen Geschäfte in Afrika. Das ergab eine Umfrage der DIHK. Der Nachholbedarf ist aber immer noch groß. Mangelnde Rechtssicherheit und schlechte Infrastruktur bremsen die Beziehungen.

Container auf dem Terminal Altenwerder. Afrika ist bei deutschen Unternehmen so beliebt wie nie. dpa

Container auf dem Terminal Altenwerder. Afrika ist bei deutschen Unternehmen so beliebt wie nie.

BerlinAfrika steht bei deutschen Unternehmen so hoch im Kurs wie noch nie. 21 Prozent der Firmen machen bereits Geschäfte mit dem schwarzen Kontinent, wie eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter Exporteuren ergab, die Reuters am Dienstag exklusiv vorlag. „Innerhalb von fünf Jahren ist das eine Verdoppelung“, sagte Heiko Schwiderowski, der beim DIHK das Referat Afrika und Entwicklungspolitik leitet.

Die Kammer erwartet deshalb einen anhaltend boomenden Handel. „In den nächsten Jahren dürften unsere Exporte nach Afrika um jährlich zehn bis 15 Prozent wachsen“, prognostizierte Schwiderowski. Zum Vergleich: Die gesamten Ausfuhren dürften 2013 lediglich um etwa vier Prozent zulegen.

So groß ist Chinas Hunger nach Rohstoffen

Steinkohle

China ist der mit Abstand größte Verbraucher von Steinkohle. Das Land hat einen Weltmarktanteil von 51,4 Prozent an dem Energieträger. Die USA und Indien rangieren mit Abstand dahinter.

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA)

Stahl

Das Reicht der Mitte ist der größte Importeur von Stahl. Die Hälfte des Weltmarkts entfällt auf China.

Blei

Auch bei Blei zählt China zu den größten Verbrauchern. 45,6 Prozent des Marktes beansprucht China für sich.

Zink

42,5 Prozent des Zinkmarkts vereinnahmt China für sich – weit mehr als die USA und Korea.

Zinn

Beim Zinn kommt das Reich der Mitte auf einen Marktanteil von 41,0 Prozent. Damit liegt China deutlich vor Japan und den USA.

Aluminium

Beim Aluminium entfallen 39,8 Prozent des weltweiten Verbrauchs auf China.

Nickel

China zieht 39,3 Prozent des Nickelmarktes auf sich und lässt Japan und die USA weit hinter sich.

Kupfer

Bei Kupfer kommt der Verbrauch Chinas auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Die USA landen mit deutlichem Abstand auf Rang 2. kurz vor Deutschland.

Erdöl

Lediglich den Rang als Spitzen-Erdölverbraucher überlässt China den USA, die einen Marktanteil von 10,7 Prozent einnehmen.

Riesiger Nachholbedarf

Der Nachholbedarf ist allerdings auch sehr groß: Deutsche Exporteure lieferten im vergangenen Jahr Waren im Wert von fast 1,1 Billionen Euro ins Ausland. Davon landeten aber nur rund 21 Milliarden Euro oder zwei Prozent in Afrika. Und davon wiederum gingen allein 40 Prozent nach Südafrika, traditionell wichtigster deutscher Handelspartner auf dem Kontinent. Mangelnde Demokratie und Rechtssicherheit gepaart mit Korruption und schlechter Infrastruktur stehen besseren Handelsbeziehungen häufig im Weg.

Der DIHK sieht in vielen Ländern aber mittlerweile gute Geschäftschancen, beispielsweise in Ghana und Tansania. „Beide Staaten profitieren von ihrem Rohstoffreichtum, der von Öl bis Kupfer reicht“, erklärte Schwiderowski. „Im Kommen sind auch Kenia, Nigeria und Angola.“ Der Internationale Währungsfonds sagt beispielsweise Angola, das Diamanten ebenso fördert wie Öl und Gold, ein jährliches Wirtschaftswachstum von mehr als sieben Prozent voraus. Für Nigeria erwartet der IWF in den kommenden Jahren ein Plus von über sechs Prozent.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

In Chinas Windschatten

Die deutschen Firmen profitieren über sogenannte Dreieckskooperationen von Chinas Rohstoffhunger, der zunehmend durch Lieferungen aus Afrika gestillt wird. „Für Öl, Gas, Kupfer, Erze und andere Rohstoffe baut China Straßen, Eisenbahnlinien und Häfen und modernisiert die Energieversorgung seiner afrikanischen Partner“, sagte Schwiderowski. Da chinesische Unternehmen jedoch selten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards einhalten würden, vertrauten die Länder bei Bauplanung und -aufsicht häufig deutschem Ingenieurs-Knowhow. „Gegenwärtig existieren allein in Angola rund ein Dutzend dieser Projekte mit deutscher Beteiligung“, so der DIHK-Experte.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.02.2013, 13:02 Uhr

Und dort liegt die Zukunft, nicht in China! Um den afrikanischen Markt konkurrieren wir mit China.

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