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09.09.2016

13:14 Uhr

Bosch-Chef unter Verdacht

Anzeigen gegen Volkmar Denner im Dieselskandal

Wie tief drin steckt der Zulieferer Bosch im VW-Abgasskandal? Neue Vorwürfe gegen Bosch-Chef Volkmar Denner wecken Zweifel an den Beteuerungen des Konzerns. Mehrere Personen haben Strafanzeige gestellt.

Gegen den Bosch-Chef gingen mehrere Anzeigen ein. Doch die Staatsanwaltschaft betont, sie ermittle gegen Unbekannt. dpa

Volkmar Denner

Gegen den Bosch-Chef gingen mehrere Anzeigen ein. Doch die Staatsanwaltschaft betont, sie ermittle gegen Unbekannt.

FrankfurtIm VW-Abgasskandal richten sich Betrugsvorwürfe jetzt auch gegen den Chef des Autozulieferers Bosch persönlich. Gegen Volkmar Denner seien mehrere Strafanzeigen eingegangen, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht von „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“.

Die Strafverfolger hatten schon im Dezember von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Betrug gegen das Unternehmen Bosch eingeleitet, aber nicht gegen konkrete Personen. Daran hat sich trotz der Anzeigen nichts geändert. „Wir ermitteln nach wie vor gegen Unbekannt, es gibt bisher keinen Anfangsverdacht gegen Mitarbeiter von Bosch oder Herrn Denner“, sagte der Sprecher. Die Stichhaltigkeit der Anzeigen werde nun im Rahmen des schon laufenden Verfahrens geprüft.

Bosch und Dieselgate: Wie tief stecken die Stuttgarter im Abgas-Sumpf?

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Der Abgasskandal in den USA betrifft nicht nur VW. Der Zulieferer Bosch lieferte die nötige Software – US-Kläger nehmen daher auch die Stuttgarter Firma ins Visier. Ein Überblick über den Stand der Dinge.

Bosch erklärte, man nehme die Manipulationsvorwürfe sehr ernst und kooperiere vollumfänglich mit den zuständigen Behörden. Es bestehe aber bislang kein Verdacht einer strafbaren Handlung bestimmter Personen, auch nicht von Denner. „In Deutschland kann grundsätzlich jeder gegen jeden eine Strafanzeige erheben. Eine Strafanzeige durch Privatpersonen gegen Privatpersonen lässt keinen Rückschluss auf Fehlverhalten zu". sagte ein Sprecher.

Der weltgrößte Autozulieferer hat einen Teil der Motorsteuerung geliefert, mit denen Volkswagen den Stickoxid-Ausstoß von Dieselmotoren manipulierte. Unklar ist, wie tief Bosch in die Entwicklung der illegalen Abschalteinrichtung involviert war.

Nach Bekanntwerden des Skandals hatte der Stiftungskonzern erklärt, die Komponenten der Abgasnachbehandlung geliefert zu haben, für deren Integration aber VW verantwortlich sei. Diese Aussage wird schon länger nicht mehr wiederholt. Mittlerweile äußert sich Bosch angesichts laufender Ermittlungen und Sammelklagen nicht mehr zur Sache.

Bosch im Überblick

Großkonzern aus Stuttgart

Der schwäbische Technologiekonzern Bosch ist mit weltweit 390.000 Mitarbeitern eines der größten deutschen Unternehmen. 134.000 davon arbeiten in Deutschland.

Milliardenumsatz

Der Gesamtumsatz lag 2016 bei rund 73 Milliarden Euro, etwa 44 Milliarden Euro entfallen auf den Automobilbereich. Gemessen am Umsatz ist Bosch derzeit der größte Zulieferer weltweit, gefolgt von Continental.

Dieselskandal belastet

Trotz eines Umsatzzuwachses um 5,5 Prozent auf rund 73 Milliarden Euro sank 2016 das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um etwa 6,5 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Unbereinigt brach das Ebit um 28 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro ein. Denn neben Abschreibungen auf übernommene Firmen schlugen Rechtskosten im Zusammenhang mit dem Dieselskandal von Volkswagen in den USA und das noch laufende EU-Kartellverfahren zu Buche.

Abseits der Börse

An der Börse ist Bosch nicht, vielmehr basiert das Firmenkonstrukt auf einem Stiftungsmodell. Die Robert-Bosch-Stiftung hält gut 90 Prozent der Anteile an der Konzernmutter Robert Bosch GmbH. Die GmbH wiederum hat Hunderte Tochterfirmen, darunter auch den Hausgerätehersteller BSH.

Heimatverbunden

Konzernchef ist Volkmar Denner, Sitz des Unternehmens ist Gerlingen bei Stuttgart. In Stuttgart selbst sind zahlreiche Bosch-Standorte und auch das alte Wohnhaus von Firmengründer Robert Bosch. Das Haus dient heute als Sitz der Bosch-Stiftung, der Konzern nutzt es für repräsentative Zwecke.

Bosch geriet zuletzt wegen Details aus VW-Dokumenten, die Klägeranwälte in den USA bekannt machten, stärker ins Zwielicht. Daraus ging den Angaben zufolge zum Beispiel hervor, dass Mitarbeiter von Bosch schon 2008 von einem „Defeat Device“ in VW-Dieselmotoren wussten.

Von

rtr

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