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27.01.2016

10:00 Uhr

Bosch-Chef Volkmar Denner

Doping-Kontrollen für den Auspuff

VonMartin-W. Buchenau

Bosch steht als Zulieferer im Abgas-Skandal unter Beobachtung. Jetzt platzt Konzernchef Volkmar Denner der Kragen. Er geht selbst in die Offensive und fordert Doping-Kontrollen für Autos.

Der Bosch-Chef geht in die Offensive. AFP

Volkmar Denner

Der Bosch-Chef geht in die Offensive.

Der Industriekonzern Bosch geht in der VW-Abgasaffäre immer stärker in die Offensive. Nach langem Zögern und einem ersten Vorstoß zur Verteidigung der Dieseltechnologie Anfang des Jahres im Handelsblatt legt Bosch-Chef Volkmar Denner jetzt nach: „Wir plädieren zusätzlich für laufende Kontrollen von Serienfahrzeugen durch unabhängige Prüfinstitute“, sagte Denner am Dienstagabend, „so wie bei Doping-Kontrollen im Sport. Es kann jeden jederzeit treffen.“ Nicht nur TÜV und Dekra sollten das übernehmen, sondern auch völlig von der Industrie unabhängige Institute. Denner geht damit über die bisherige Linie der Autoindustrie hinaus.

Bosch sieht sich in Sachen Diesel führend. Mit dem richtig angewandtem Einsatz der Bosch-Technologie könnten alle geforderten Abgaswerte eingehalten werden. „Bezüglich der Partikelwerte sind Dieselfahrzeuge sogar Luftreinigungsmaschinen“, sagte Denner. Aus dem Auspuff kämen weniger Partikel, als mit der Luft eingesaugt würden.

Bosch-Chef Denner zu VW: Denners lange Leitung

Bosch-Chef Denner zu VW

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Spät hat sich Bosch-Chef Denner in der Abgasaffäre positioniert. Dass er sich von VW, einem der größten Auftraggeber, distanziert, ist mutig, kann aber nur der erste Schritt sein. Er muss jetzt ein echter Anführer sein.

Nur mit einem hohen Dieselanteil seien die vorgeschriebenen Emissionswerte der Politik für 2020 und 2025 zu erreichen, da der Anteil der emissionsfreien Elektroautos wegen der teuren Batterien erst langsam steigen werde, bis sie für jedermann erschwinglich seien.

Bosch steht als Zulieferer von Volkswagen unter Verdacht der Beihilfe zur Manipulation von Dieselmotoren in den USA. Der weltgrößte Hersteller von Dieseltechnologie hat Komponenten einschließlich Softwareteilen für VW-Motoren geliefert, mit denen die Abgaswerte manipuliert worden sind. Bosch vertritt die Position, dass die Autohersteller die Verantwortung für die Systemintegration im Auto tragen.

Bosch-Chef Volkmar Denner über...

die Diesel-Technologie

„Der Dieselmotor ist ein sauberes umweltschonendes Antriebskonzept. Er weist circa 20 Prozent niedrigere CO2-Emissionen aus als ein vergleichbarer Benzinmotor und ist daher unbedingt erforderlich, um die strengen europäischen CO2-Grenzwerte mit bezahlbarer Technik zu erreichen.“

Emissionen

„Bezüglich Partikelemissionen sind Dieselfahrzeuge sogar Luftreinigungsmaschinen. Durch den Partikelfilter kommen wesentlich weniger Partikel aus dem Auspuff als vom Motor mit der Luft angesaugt werden.“

Elektromobilität

„Wir glauben an die Elektromobilität und investieren dafür hohe Summen. Bis zum Durchbruch der Elektromobilität, der im Wesentlichen von wesentlich leistungsstärkeren und kostengünstigeren Batterien abhängt, brauchen wir aber leistungsfähige, umweltschonende und bezahlbare Verbrennungsmotoren – und zwar noch mindestens zehn Jahre.“

die Rolle von Bosch im VW-Skandal

„Am Tag nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen VW habe ich eine interne Untersuchung zur Rolle unseres Unternehmens im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen beauftragt. Wir werden die Vorgänge gründlich aufklären.“

die Zusammenarbeit mit US-Behörden

„Bosch kooperiert in vollem Umfang mit den ermittelnden Behörden. Wir haben dabei nicht nur die Anfragen dieser Behörden beantwortet, sondern auch von uns aus Material zur Verfügung gestellt, das unseres Erachtens für die Aufklärung der erhobenen Vorwürfe, aber auch für das technische Verständnis der Zusammenhänge notwendig und sinnvoll ist.“

Transparenz

„Mir ist bewusst, dass die Medien den gleichen hohen Anspruch an Offenheit und Transparenz erheben, wie wir ihn an uns selbst stellen und gegenüber den Ermittlungsbehörden und unseren OEM-Kunden auch erfüllen. In den laufenden Untersuchungsverfahren geht es um die Frage der rechtlichen Verantwortung für die Vorgänge der Vergangenheit.“

In den USA sind Zivilklagen gegen den Zulieferer wegen Beihilfe eingereicht worden. Zudem untersuchen die Behörden die Rolle von Bosch. Auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Beihilfe. Denner sagte, Bosch kooperiere in vollem Umfang mit den ermittelnden Behörden und habe nicht nur deren Anfragen beantwortet, sondern habe darüber hinaus weiteres Material zur Verfügung gestellt, das für die Aufklärung der erhobenen Vorwürfe, aber auch für das technische Verständnis der Zusammenhänge notwendig und sinnvoll sei. Der Konzern führt nach eigenen Angaben vom ersten Tag eine interne Untersuchung durch.

Ergebnisse dieser Untersuchung wollte Denner auch nach fast viereinhalb Monaten noch nicht nennen. Er wolle den Behörden nicht vorgreifen. Rückstellungen für mögliche Regressansprüche hat Bosch laut Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer nicht gebildet. Nur wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit über 50 Prozent liege und der Schaden quantifizierbar sei, sei das notwendig.

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