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22.03.2013

17:54 Uhr

Bosch

Der schwere Abschied von der Solarsparte

VonDana Heide

Bis zuletzt hatte Bosch an seinem grünen Verlustbringer festgehalten. Nach dem Aus für das Solargeschäft steht Konzernchef Volkmar Denner vor der gleichen Aufgabe, die schon Ex-Chef Franz Fehrenbach nicht lösen konnte.

Mitarbeiterin von Bosch Solar: Rund 3000 Mitarbeiter sind von dem Ausstieg des Unternehmens aus dem Geschäft mit der Sonnenenergie betroffen. dpa

Mitarbeiterin von Bosch Solar: Rund 3000 Mitarbeiter sind von dem Ausstieg des Unternehmens aus dem Geschäft mit der Sonnenenergie betroffen.

Stuttgart/DüsseldorfJetzt ist es soweit: Bosch steigt aus dem Solargeschäft aus. Die Sparte ist seit Jahren defizitär, eigentlich sollte eine Entscheidung über das weitere Bestehen bereits im vergangenen Jahr gefällt werden. Erst Ende Dezember hatte Bosch-Chef Volkmar Denner im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ noch vage Hoffnungen geschürt. „Wir sind nicht börsennotiert und können daher einen Bosch-Weg suchen“, sagte er. Bosch werde nicht den plötzlichen Ausstieg suchen wie Konkurrent Siemens. Allerdings stellte Denner auch damals bereits klar, dass es eine dauerhafte Quersubventionierung des Solargeschäfts nicht geben werde.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Die Solartochter ist zwar nur ein kleiner Teil der riesigen Bosch-Welt in ganz Deutschland, wo der Konzern rund 119.000 Menschen beschäftigt, weltweit zählt der Bosch-Konzern mehr als 300.000 Arbeitnehmer. Allerdings war die Solarsparte ein Vorzeigeprojekt des Traditionsunternehmens, in das vor allem der langjährige Vorstandschef Franz Fehrenbach Milliarden steckte und an dem er bis zu seinem Ausscheiden als Vorstandschef im vergangenen Sommer festhielt. Entsprechend fiel auch seine Reaktion auf den Untergang der Sparte aus: „Das ist vielleicht die schmerzhafteste Erfahrung, die ich in meinem Berufsleben erleben musste“, sagte Fehrenbach, der an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt war.

Mit dem Kauf des Solartechnikspezialisten Ersol im Jahr 2008 hatte der Automobilzulieferer Bosch Neuland betreten und ließ sich damals von den Medien als „ergrünter“ Konzern feiern.

Werk Arnstadt: Bosch-Solar-Mitarbeiter müssen um Jobs bangen

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Für die Mitarbeiter von Bosch Solar ist das Aus ein Schock.

„Der Solarmarkt wird ein Markt für globale Spieler“, hatte Fehrenbach noch im Sommer 2011 gesagt, als Bosch mehr als eine halbe Milliarde Euro in eine neue Solarfabrik in Malaysia investierte.

Doch der Konzern konnte im Preiskampf nicht mithalten. Als der neue Vorstandschef Denner den Staffelstab von Fehrenbach übernahm, musste er sich auch eine Strategie für die schwache Solarsparte überlegen. „Aufgrund der veränderten Marktbedingungen haben wir keine Chance auf eine dauerhafte Verbesserung gesehen“, sagte Denner am Freitag. „Den massiven Preisdruck in einem immer schwieriger werdenden Markt konnten wir nicht auffangen.“ Allein 2012 seien die Preise noch einmal um 40 Prozent gesunken.

Kommentare (15)

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22.03.2013, 16:01 Uhr

Die Stuttgarter Nachrichten berichteten auch von einer Kürzung der Mitarbeiterboni, welche nicht unwesentlich auf die Verluste im Solargeschäft zurück gehen.

http://glitzerwasser.blogspot.de/2013/03/bosch-mitarbeiterboni-wegen-solarsparte.html

Euroaus

22.03.2013, 16:20 Uhr

Ich würde auch gerne aus dem Solargeschäft aussteigen.
Die lassen mich aber nicht, ich muß die verdammte EEG-Zulage zahlen, ob ich will oder nicht!

Boscholar

22.03.2013, 17:06 Uhr

Wenn die bei Bosch eh schon alles abgeschrieben haben, ist das dann natürlich uninteressant, weil man nix mehr gegen Einkünfte gegen rechnen kann. Andererseits - wenn ich abgeschriebene Maschinen hätte, würde ich im Leben nicht aussteigen, sondern das Aussitzen. BLEIBT also unter dem Strich nur, dass das BOSCH Management nie eine Ahnung hatte, was es im Bereich Solar überhaupt wollte - Strategie war es keine, nur ein Metoo, um ja auch mitzuverdienen! Lächerlich.



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