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14.11.2015

10:57 Uhr

Bosch-Experte

„Industrie 4.0 braucht internationale Standards“

Bisher war die Rede von einem Wettrennen zwischen den USA und Europa, wenn es um Standards für die zunehmende Digitalisierung der Industrie ging. Inzwischen zeigen sich Annäherungstendenzen, meint ein Experte.

Ein Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH überprüft im Bosch Werk in Immenstadt (Bayern) mit einem Tablet die Position von Werkzeugen mit Hilfe RFID Funk. dpa

Bosch Industrie 4.0

Ein Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH überprüft im Bosch Werk in Immenstadt (Bayern) mit einem Tablet die Position von Werkzeugen mit Hilfe RFID Funk.

Stuttgart/GerlingenBeim Thema gemeinsame Standards in der mehr und mehr vernetzten Industrie setzt sich der Technikkonzern Bosch für international übergreifende Lösungen ein. „Die Frage, ob Standards in den USA oder Europa gesetzt werden, ist für uns nicht entscheidend. Das ist eher eine politisch getriebene Diskussion“, sagte der Bosch-Ingenieur Stefan Aßmann, der bei dem Konzern den Innovationscluster vernetzte Industrien leitet, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen internationale Standards, weil auch unser Geschäft und unsere Kunden global aufgestellt sind.“

„Industrie 4.0“ ist ein zentrales Thema beim Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung (18./19.11.). Der Begriff bezeichnet die zunehmende Digitalisierung der Produktion. Darunter versteht man Kommunikation zwischen Maschinen, aber auch den Einsatz von Robotern und Bauteilen, die Informationen zu ihrer Verarbeitung auf Chips bei sich tragen.

Die intelligente Fabrik

Forschung in der Smart Factory

Langfristig dürfte die Vision der smarten Technik weit über den Einsatz einzelner Komponenten wie Datenbrillen hinaus gehen. So forschen Dominic Gorecky und seine Kollegen am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in einem Smart Factory-Laboratorium an neuen Technologien und ihrem Einfluss auf die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Produktionssteuerung per Chip

Produktionsmodule verschiedener Firmen lassen sich wie Legobausteine zu einem beliebigen Produktionsprozess kombinieren: Ein Modul fräst etwa eine individuelle Gravur in eine Platte, das nächste Modul setzt ein spezielles Gehäuse auf, ein anderes führt eine Qualitätskontrolle durch. Jedes Produkt kommuniziert mittels RFID-Kennzeichnung mit den Modulen, welcher Prozessschritt ausgeführt werden soll - die zentrale Steuerung wird damit aufgehoben. Um die Flexibilität von Industrie 4.0-Anlagen voll auszuschöpfen, agiert der Menschen als Manager des Gesamtsystems und trifft im Problemfall relevante Entscheidungen.

Noch lange kein Alltag

Bis zur Realisierung von Industrie 4.0 im Arbeitsalltag mit smarten Produktionsanlagen und mehr Freiräumen für Mitarbeiter dauert es laut Experten noch mindestens zehn Jahre. Eines der Hauptprobleme liegt laut Dominic Gorecky darin, dass sich die verschiedenen Maschinen- und Komponentenhersteller bisher nur schwer auf gemeinsame, offene Schnittstellen einigen können. Diese sind aber nötig, um eine umfassende Vernetzung möglich zu machen

Die Entwicklung macht den verstärkten Einsatz von Software nötig. Aber auch die Kommunikation zwischen den Maschinen spielt eine Rolle. „Es geht zum Beispiel darum, dass sich Maschinen und Zuführungsroboter unterhalten können“, erklärte Aßmann. Die Bedeutung von Standards nehme aber zu, weil es jetzt um ganze Wertschöpfungsketten geht. „Durch Industrie 4.0 werden die Interaktionspotenziale größer.“

In Deutschland arbeiten die Plattform Industrie 4.0, aber auch das Deutsche Institut für Normung (DIN) an gemeinsamen Grundlagen für die vernetzte Industrie. In den USA haben sich Firmen zum Industrial Internet Consortium (IIC) zusammengeschlossen, wo mit Hilfe von Anwendungsbeispielen Standards gesetzt werden sollen. IIC-Vertreter wie der US-Konzern Cisco hatten sich im Frühjahr für eine engere Kooperation mit der deutschen Plattform ausgesprochen.

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Deutsche Unternehmen erhöhen ihre Zukunftsausgaben dynamisch, allen voran die Autokonzerne. Doch ausgerechnet bei den digitalen Schlüsseltechnologien herrscht Zögern und Zaudern. Der Standort leidet zunehmend.

Bosch arbeitet bereits auf beiden Seiten mit. „Wir sehen uns als Vermittler zwischen den Aktivitäten in Europa, USA und Asien und sind deshalb auch in den jeweiligen Gremien beziehungsweise Plattformen vertreten“, sagte Aßmann. „Beides ist gut, wenn es sich letztlich durchsetzt: De-Facto-Standards und technische Spezifikationen, wie sie im Rahmen der Plattform Industrie 4.0 diskutiert werden.“

Im Rahmen des IIC arbeitet Bosch zusammen mit Cisco an einem Projekt, bei dem es darum geht, die Position von Akkuschraubern in einer Werkshalle zu bestimmen. Auf diese Weise soll automatisch das richtige Drehmoment für die jeweilige Aufgabe eingestellt werden. Der Vorteil: Sicherheitsrelevante Schrauben würden dann immer mit der genau vorgeschriebenen Kraft angezogen.

Ganz uneigennützig, räumte Aßmann ein, mache Bosch das nicht: „Es ist attraktiv, wenn ein De-Facto-Standard als Industriestandard übernommen wird. Die betreffenden Unternehmen sind dann in einer soliden Position, weil ihre Produkte schon den Standards entsprechen.“

Von

dpa

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