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04.12.2015

10:14 Uhr

Bosch und Dieselgate

Der VW-Zulieferer droht, das Vertrauen zu verspielen

VonMartin-W. Buchenau

Nach VW wird jetzt auch Bosch in den USA wegen des Abgasskandals verklagt. Der Technologiekonzern hält sich bisher öffentlich zurück. Das ist gefährlich: Auch Käufer von Hausgeräten könnten sich abwenden. Ein Kommentar.

Dem Autozulieferer drohen in den USA Strafzahlungen im Rahmen des Abgasskandals. dpa

Bosch

Dem Autozulieferer drohen in den USA Strafzahlungen im Rahmen des Abgasskandals.

Bosch steckt als Lieferant der Steuerungssoftware im Abgasskandal in einem Dilemma. Lieber Geld verlieren als Vertrauen ist einer der Grundsätze die vom Firmengründer Robert Bosch überliefert sind. Doch dieses Mantra könnte beim Dieselgate durchbrochen werden. Am Ende könnte der Konzern sogar beides verlieren: Geld und Vertrauen.

Dieses Risiko sehen die Schwaben derzeit noch nicht klar genug. Es ehrt den Zulieferer zweifellos, dass er den arg gebeutelten Kunden Volkswagen nicht noch zusätzlich belastet. Seit Wochen belässt es Bosch bei dem mageren Erklärungssatz, dass grundsätzlich der Fahrzeughersteller für das System die Verantwortung trägt. Das Signal ist klar und geht nicht nur an VW, sondern auch an alle anderen Kunden: In Krisensituationen stellen wir unsere Geschäftspartner nicht voll an den Pranger.

Martin-Werner Buchenau ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Andreas Labes

Der Autor

Martin-Werner Buchenau ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Das soll das Vertrauen zu den Autoherstellern erhalten. Es wäre ein Leichtes gewesen, noch einmal klar herauszustellen, dass man VW vor der missbräuchlichen Verwendung der Software gewarnt hätte. So hätte Bosch aus der Schusslinie kommen können.

Aber was ist mit dem Vertrauen der Endkunden? Die Risiken sind groß. Die nur in Medienberichten zu lesende Warnung von Bosch an Volkswagen macht die Schwaben zum Mitwisser: Das ist in den USA ein Grund, angeklagt zu werden – wie jetzt geschehen.

Bei unsicherer Gefechtslage fällt Bosch in fast vergessene alte Muster zurück und verschließt sich. Weit und breit gibt es keinen Mut, das Thema offensiver anzugehen. Und das, obwohl die Solidarität mit dem Kunden spätestens vor den US-Gerichten ein Ende finden wird. Dann, wenn alles ohnehin auf den Tisch muss. Aber Bosch will lieber die Form gegenüber der Autoindustrie wahren, und wird erst auf Druck der Richter reden. Das sieht gegenüber VW besser aus.

Auch wenn der Konzern in der technischen Frage relativ entspannt ist, gibt es gleichwohl Befürchtungen, dass Bosch im US-Rechtssystem zur Kasse gebeten wird. Obwohl eigentlich der Hersteller eines Brotmessers nach deutschem Rechtsverständnis nicht Schuld sein kann, wenn jemand mit dem Messer einen anderen Menschen verletzt. Aber in den USA kann man nie sicher sein, ob auch der Messerhersteller vom Opfer belangt wird. Frei nach dem Motto: Die Messer waren schärfer als zum Brotschneiden nötig, erleichterten die Tat und vergrößerten die Folgen.

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Neben Volkswagen gerät nun auch Bosch ins Visier der US-Anwälte. Mit schweren Vorwürfen und aggressivem Tonfall werden die Prozesse vorbereitet. Dabei könnten weitere Firmen in die Affäre hineingezogen werden.

Auch bei Bosch sind die Geschäftsmodelle von US-Kanzleien beim Thema Schadenersatz wohl bekannt. Und ob die Loyalität zur Autoindustrie dann immer noch so viel wert ist wie jetzt, wird sich zeigen. Jedenfalls hält Bosch sein Pulver bis dahin trocken. Besonders sicher ist die Strategie aber nicht. Schon jetzt ist das Image des Vorzeigekonzerns in den USA angekratzt.

Das ist gefährlich, denn neben Autoteilen verkauft Bosch auch Elektrowerkzeuge, Hausgeräte und -technik sowie Industrietechnik. Diverse Qualitätsprobleme gab es bereits bei Werkzeugen und Waschmaschinen. Auch um die Qualität von Bremsteilen gibt es eine gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Kunden und mit dem britischen Staubsaugerhersteller Dyson streiten sich die Schwaben über die Einhaltung von Verbrauchswerten bei Staubsaugern. Das alles könnte sich zu einem ungewohnt unguten Bild über Bosch zusammenbrauen.

Sollten die US-Gerichte mit ihrer etwas anderen Rechtsauffassung zu dem Ergebnis kommen, dass Bosch doch Mittäter ist, hätte der Konzern sein mit Abstand kostbarstes Gut verspielt: Vertrauen.

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