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21.06.2012

08:03 Uhr

BP-Report

Schwellenländer dominieren Energiemarkt

VonSebastian Ertinger

Der Weltenergie-Bericht von BP prophezeit einen steigenden Energieverbrauch. Vor allem in China, Brasilien & Co. steigt der Bedarf. Doch die aufstrebenden Nationen setzen auf klassische Energieträger.

Bohrinsel im Golf von Mexiko: Öl verliert an Bedeutung. dpa

Bohrinsel im Golf von Mexiko: Öl verliert an Bedeutung.

DüsseldorfDramatische Ereignisse haben im vergangenen Jahr die Energiemärkte erschüttert. Der Aufstand der Bevölkerung in Nordafrika gegen Diktaturen führte zum Ausfall ganzer Länder als Öl- und Gaslieferanten. Der Arabische Frühling trieb erstmals den Preis für Erdöl im Jahresdurchschnitt über die Marke von 100 Dollar pro Fass.
Erstmals seit 2005 griffen einige Staaten auf ihre strategischen Ölreserven zurück. Das Erdbeben und die Atom-Katastrophe im japanischen Fukushima führten zu einem Umdenken bei der Energieversorgung und in Deutschland zur Abkehr von der Kernenergie. "Langweilig war das Jahr 2011 also sicher nicht", kommentiert BP-Chefvolkswirt Christof Rühl.

Doch die grundlegenden Trends bleiben unverändert. Dies zeigt der nun in Deutschland veröffentlichte Weltenergie-Bericht des Energiekonzerns BP. Der weltweite Energieverbrauch kletterte 2011 demnach um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit lag der Anstieg im Schnitt der vergangenen Jahre. Ein Großteil des Zuwachses entfiel dabei auf die Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien. Hier kletterte der Verbrauch um 5,3 Prozent. Allein auf China entfielen 71 Prozent des Mehrverbrauchs. Die Industrieländer fuhren dagegen den Energiekonsum um 0,8 Prozent zurück.

Deutschlands Ölreserven

Wie groß sind die deutschen Ölreserven?

Insgesamt 21 Millionen Tonnen. Davon sind zehn Millionen fertige Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl. Der Rest ist Rohöl. Die Menge reicht aus, um Deutschland im Falle eines kompletten Lieferausfalls für mindestens 90 Tage zu versorgen. Zuständig für die Verwaltung ist der Erdölbevorratungsverband. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist dem Wirtschaftsministerium unterstellt.

Wo werden die Reserven gelagert?

Benzin und die anderen fertigen Produkte werden an 160 Standorten gelagert, die über ganz Deutschland verteilt sind. Der Erdölbevorratungsverband hat dazu Tanklager der großen Mineralölkonzerne angemietet. Das Rohöl wird in unterirdischen Hohlräumen gelagert, meist ehemaligen Salzstöcken. 60 Prozent gehören dem Verband, der Rest ist ebenfalls angemietet.

Wer finanziert den Erdölbevorratungsverband?

Die rund 120 Mitglieder. Raffinerien und Ölhändler müssen eine Zwangsabgabe zahlen, mit denen sich der Verband mit seinen 70 Mitarbeitern an den Standorten Hamburg und Bremerhaven finanziert. Das meiste Geld stammt von großen Raffineriebetreibern wie BP, Shell und Esso.

Wie wird das Öl auf den Markt geworfen?

Der Verband bietet das Öl zunächst seinen Mitgliedern an, die ein Vorkaufsrecht genießen. Was von ihnen nicht abgenommen wird, landet auf dem freien Markt. Die jetzt freigegebenen 4,2 Millionen Barrel werden in vier Tranchen angeboten. Der Preis orientiert sich an den jeweiligen Weltmarktpreisen.

Wird der Verkauf zum Verlustgeschäft?

Nein. Der Verband hat seit seiner Gründung 1978 - damals in Reaktion auf die zweite Ölkrise - viele Jahre Gelegenheit gehabt, sich zu günstigen Konditionen am Markt einzudecken. Ende der 90er Jahre war ein Barrel zeitweise für weniger als zehn Dollar zu haben, heute wird dafür das Zehnfache verlangt.

Wie oft wurden die Reserven schon angezapft?

Die Premiere gab es 1990, als nach dem Angriff des Irak auf das erdölreiche Kuwait die Sorge vor Lieferengpässen umging. Es dauerte 15 Jahre, ehe zum zweiten Mal auf die Reserven zurückgegriffen wurde. 2005 sorgte der Hurrikan Katrina im Golf von Mexiko dafür, dass die dortige Ölproduktion zum Erliegen kam. 500.000 Tonnen bot Deutschland damals an, um Engpässen vorzubeugen. Zuletzt wurden Ölreserven 2011 wegen des Libyenkrieges und der ausfallenden Ölproduktion des Landes freigegeben.

Der Weltenergiebericht sagt einen weiter steigenden Energie-Bedarf voraus. Die Analyse mit dem umständlichen Titel „BP Statistical Review of World Energy 2012“ zählt zu den wichtigsten Datenquellen für Wissenschaftler, Unternehmen und politische Entscheidungsträger weltweit.

Kommentare (1)

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vandale

21.06.2012, 08:53 Uhr

Der Journalist glaubt offensichtlich den eigenen Phantasieberichten in denen man aus einem Erdbeben mit Tsunami, 20000 Opfern und einem in diesem Zusammenhang verunglückten Kernkraftwerk bei dem abseits 2er Ertrunkener niemand verunglückte, eine Katastrophe fabriziert hat. Ausserhalb des Deutschsprachigen Raums ist diese Sicht weniger ausgeprägt. Ausserhalb Deutschlands dürften demzufolge die Auswirkungen dieses Schwindels begrenzt bleiben.

Ausserhalb Europas ist die Legende einer CO2 Klimahölle mittlerweile ziemlich entzaubert.

Wie häufig wird die Wasserkraft hier zu den "Erneuerbaren Energien" gezählt, wobei Wasserkraft weder hoffnungslos unrentabel ist, nutzbaren Strom liefert und somit eigentlich nicht zu den "Erneuerbaren Energien" passt.

Wenn man dies berücksichtigt ist die Entwicklung konsequent.

In Nordamerika ist der Gaspreis zusammengebrochen. Kein anderer Energieträger kann konkurrieren. In der Folge gewinnt Erdgas in Nordamerika an Marktanteilen.

In Asien bietet sich die Kohle als preiswertester Energieträger an und hat die höchsten Zuwachsraten aller Energieträger.

Kernkraftwerke werden ergänzend in einigen jungen Industrieländern, China, Indien, Südkorea.. in grösserer Zahl errichtet.

Vandale

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