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03.02.2015

09:21 Uhr

BP-Zahlen

Zu viel Öl

VonDana Heide

Der Preiskampf auf dem Ölmarkt setzt den Energiekonzernen zu. Shell enttäuscht die Erwartungen, Exxon und nun auch BP melden Gewinneinbußen. Etappensieg für die OPEC: Die ersten Schieferöl-Projekte werden abgesagt.

Das Angebot bestimmt den Preis: Weil zu viel Öl auf dem Markt ist, sinken seit Monaten die Preise. dpa

Das Angebot bestimmt den Preis: Weil zu viel Öl auf dem Markt ist, sinken seit Monaten die Preise.

Düsseldorf Es ist ein Machtkampf, der Wirkung zeigt. Seitdem die USA die Welt mit Öl aus unkonventionellen Quellen schwemmen, fällt der Ölpreis immer tiefer. Zuletzt auf knapp 55 Dollar – im Sommer kostete ein Barrel Brent noch mehr als 110 Dollar. Und die OPEC denkt nicht daran, ihre Fördermengen zurückzufahren, um den wieder in profitablere Höhen zu lenken.

Nun bekommen die Ölkonzerne die Quittung. Vergangene Woche lagen die Zahlen von Royal Dutch Shell unter den Erwartungen, Conoco-Philipps gab gar Verluste bekannte, gestern meldete mit Exxon das größte börsennotierte Ölunternehmen einen Gewinneinbruch um 21 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Dollar. Heute nun enttäuschten auch die Zahlen des Konkurrenten BP. Im abgelaufenen vierten Quartal hat der Ölkonzern nur noch 2,2 Milliarden Dollar verdient im Vergleich zu 2,8 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Der Gewinn im gesamten Geschäftsjahr fiel von 13,4 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 12,1 Milliarden Euro im Jahr 2014.
„Wie sind in eine heraufordernde Phase von niedrigen Ölpreisen eingetreten“, sagte Konzernchef Bob Dudley. „Wir müssen uns darauf konzentrieren, BP neu zu aufzustellen und gleichzeitig sichere Bereiche aufrecht zu erhalten.“
Bereits Ende Januar hatte sich Dudley gegenüber dem Nachrichtensender BBC pessimistisch über die Ölpreisentwicklung geäußert. „Wir müssen damit planen, dass der Preis unten ist, wir wissen zwar nicht genau, auf welchem Level, aber sicherlich für ein Jahr, ich denke, es ist wahrscheinlich, dass wir zwei oder drei Jahre so planen müssen.“
Nicht nur BP stellt sich auf eine längere Durststrecke ein.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Dass die goldenen Zeiten erstmal vorbei zu sein scheinen, zeigen auch die zahlreichen Entlassungen und Investitionskürzungen. So will der US-Ölkonzern Chevron 13 Prozent weniger investieren, der französische Konkurrent Total gibt sogar 30 Prozent weniger aus. Auch den Belegschaften geht es an den Kragen. Mitte Januar kündigte BP an, mehr als 400 Stellen in der Förderung von Öl in der Nordsee zu streichen. Auch BP will in diesem Jahr weniger Geld in die Exploration von Ölfeldern stecken. Statt der angepeilten 24 bis 26 Milliarden Dollar sollten 2015 rund 20 Milliarden Dollar (17,6 Milliarden Euro) investiert werden, teilte das Unternehmen mit.
Die OPEC-Staaten leiden unter dem niedrigen Ölpreis. Trotzdem haben sie mit ihrer Strategie, die US-Frackingindustrie am langen Arm verhungern zu lassen, offenbar Erfolg. Hintergrund: Bei einem niedrigen Ölpreis lohnt sich die teure Fördermethode nicht mehr. Nach jüngsten Zahlen des Öldienstleisters Baker Hughes sind die Ölbohrungen in den vergangenen acht Wochen auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gesunken. Im Vergleich zu den Förderprojekten auf dem Höhepunkt des US-Ölbooms im Oktober 2014 sei das ein Minus von 24 Prozent.
Vor allem betroffen: Bohrungen zur Gewinnung von Schieferöl. Sie seien die zehnte Woche in Folge zurückgegangen um 61 auf 1168 Bohrungen. Auch große Unternehmen wie Total und BP sagen inzwischen Schieferöl-Projekte ab, erste Frackingfirmen haben bereits pleite gemacht. Ein Etappensieg für die OPEC.

Niedriger Ölpreis

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Kommentare (5)

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Herr Daniel Huber

03.02.2015, 09:13 Uhr

Zuviel Öl bedeutet im Umkehrschluss auch zu wenig weltweite Nachfrage!
Also doch nichts mit einer weltweiten Konjunkturerholung, trotz 1,4 Billionen EZB (T)Euro-Flutung?
Erhoffte Wachstumsraten sind endgültig und auf lange Sicht vorbei.
Genauso wie wir in der Eurozone dauerhaft mit einer Weichwährung und Null-Zins-Politik leben müssen.
Was passiert eigentlich, wenn „Industrie 4.0“ Realität wird?
Fallen dann nicht immens viele weitere Arbeitsplätze, welche von Menschen besetzt wurden, der Digitalisierung und „intelligenten“ Robotern zum Opfer?

Herr Ciller Gurcae

03.02.2015, 10:16 Uhr

War ja klar, daß Siemens kurz zuvor noch 6 (sechs) Milliarden für den Ölfeldausrüster Dresser Rand austeilt, Das Geld ist also auch weg, oder ein anderer hat es. Ist die Verblödung nun oben angekommen?

Herr Thomas Ungläubig

03.02.2015, 10:28 Uhr

»Zwei Dinge in dieser Welt scheinen mir grenzenlos, das Universum und die menschliche Dummheit, wobei ich mir bei Letzterem nicht sicher bin.«

Albert Einstein

Da träumen sie von riesigen Wirtschaftszonen und sind unfähig für Frieden durch Handel, statt dessen nutzen sie wertvolle Ressourcen um sich gegenseitig tot zu schiessen. Aber das liegt wohl in der Natur des Menschen – siehe oben.

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