Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2016

13:07 Uhr

Brain AG geht an die Börse

Eisbrecher für die Biotech-Branche

VonMaike Telgheder

Der Enzym-Pionier Brain AG will am 9. Februar als erstes Unternehmen in diesem Jahr an die Börse gehen. Erstmals seit einem Jahrzehnt wagt sich Biotechfirma wieder aufs Frankfurter Parkett.

Händler sitzen in Frankfurt am Main (Hessen) im Handelssaal der Börse: Die Biotechfirma Brain AG will bei ihrem geplanten Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse bis zu 48,3 Millionen Euro einsammeln. dpa

Börse in Frankfurt

Händler sitzen in Frankfurt am Main (Hessen) im Handelssaal der Börse: Die Biotechfirma Brain AG will bei ihrem geplanten Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse bis zu 48,3 Millionen Euro einsammeln.

FrankfurtEs ist eine kleine Firma aus Zwingenberg an der hessischen Bergstraße, die den Eisbrecher spielt und in diesem Jahr als erstes Unternehmen den Gang an die Frankfurter Börse wagt. Das Biotechunternehmen Brain AG will bei seinem IPO bis zu 48,3 Millionen Euro einsammeln.

Das Volumen ist klein, aber der Börsengang hat eine hohe Bedeutung. Nicht nur wegen des schwachen Börsenumfelds, sondern speziell für die Biotechbranche: Denn zum ersten Mal seit fast einem Jahrzehnt wagt sich wieder ein Unternahmen der Biotechnologie auf das Frankfurter Parkett. Zuletzt hatte das die Münchner Firma Wilex im November 2006 getan. Viele enttäuschende Nachrichten aus der zuvor hochgejubelten Branche hatten in den darauffolgenden Jahren das Vertrauen der Anleger in die Branche erschüttert.

Bei Brain ist das nun anders. Zum einen ist die Firma nicht in der hochrisikoreichen Medikamentenentwicklung tätig. Das 1993 gegründete Unternehmen ist in der industriellen Biotechnologie aktiv – das heißt, es macht Enzyme, Mikroorganismen und andere Wirkstoffe für industrielle Anwendungen in der Chemie-, Kosmetik-, Nahrungsmittel- und Medizinindustrie nutzbar. Beispielsweise Enzyme, die Waschmittel auch bei niedrigen Temperaturen wirksam machen. Oder Mikroorganismen für die Lebensmittelproduktion oder Abfallbeseitigung.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Mit vielen namhaften Unternehmen hat Brain Kooperationsprojekte abgeschlossen: Die Palette reicht von BASF über Henkel bis zu Symrise. So generiert das Unternehmen im Gegensatz zu vielen medizinischen Biotechfirmen Umsätze und hat gerade in den vergangenen drei Geschäftsjahren eine beachtliche Wachstumstory hingelegt: Von 10 auf knapp 26 Millionen Euro konnte der Umsatz mehr als verdoppelt werden.

Operativ macht das Unternehmen allerdings noch 4,6 Millionen Euro Verlust – unter anderem wegen hoher Forschungsaufwendungen, die mehr als 40 Prozent des Umsatzes ausmachen. Bis zum Geschäftsjahr 2017/18 will Brain-CEO Jürgen Eck früheren Aussagen zufolge beim Ebit die Gewinnschwelle erreichen – getrieben durch die Vermarktung neuer Produkte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×