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20.01.2005

08:55 Uhr

Branche erwartet Umsatzzuwachs – Preisdruck durch Discounter in Deutschland

Ernährungsindustrie setzt auch 2005 auf den Export

Trotz schwächelnder Inlandskonjunktur startet die deutsche Ernährungsindustrie mit Optimismus in das Jahr 2005. „Ein Wachstum des Umsatzes von zwei Prozent sollte in diesem Jahr möglich sein“, sagte Peter Traumann, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), gestern bei der Eröffnungspressekonferenz der 70. Internationalen Grünen Woche in Berlin.

ire BERLIN. Damit wollen die Unternehmen der Ernährungsbranche das gute Ergebnis des vergangenen Jahres noch toppen. Der Gesamtumsatz der Branche stieg nach BVE-Schätzungen im Jahr 2004 um 1,8 Prozent auf 130,2 Mrd. Euro. Auch nach Abzug der Preissteigerungen bleibt noch ein reales Umsatzplus von 0,7 Prozent.

Erheblichen Anteil an den Zuwächsen hatten die Exporte, die um fast sieben Prozent auf 28,2 Mrd. Euro zunahmen. Damit liegt die Exportquote in der Ernährungsindustrie jetzt bei 21,6 Prozent. „Angesichts des intensiven Preiswettbewerbs im Inland kann ich jedem Unternehmen nur raten, einen Exportanteil von 50 Prozent anzustreben“, sagte Traumann.

Denn der hohe Marktanteil der Discounter habe dafür gesorgt, dass der Umsatz im Inland nominal nur um ein Prozent steigen konnte. Traumann rechnet damit, dass die Discounter ihren Marktanteil von 40 Prozent bei Lebensmitteln und Getränken dauerhaft halten werden. Die Anpassung der sozialen Sicherungssysteme und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit zwängen viele Menschen dazu, die preiswertesten Produkte zu kaufen.

Andererseits gebe es aber auch Anzeichen dafür, dass „Qualität, Service und Markenversprechen bei Kaufentscheidungen wieder mehr Beachtung finden“, sagte Traumann. Die Industrie suche deshalb die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Handel, um die Preisabwärtsspirale zu stoppen und der Geizwelle ein Ende zu setzen.

„Der hohe Qualitätsstandard und die Sicherheit von Lebensmitteln sind langfristig gefährdet, wenn das Preisdumping im Lebensmitteleinzelhandel nicht endlich beendet wird“, ist auch Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), überzeugt. Die Verbraucher seien letztlich die Verlierer, wenn sie nicht erkennen würden, dass Lebensmittel ihren Wert und ihren Preis hätten und deshalb „als Schleuderware ungeeignet“ seien, betonte Möllenberg.

Im Ausland genießen deutsche Premiumprodukte hingegen hohes Ansehen, wie Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes gestern in Berlin sagte. So haben auch die deutschen Landwirte im vergangenen Jahr mit einem Plus von fünf Prozent bei den Exporten ein Rekordergebnis erzielt. Als weltweit viertgrößter Exporteur von Agrargütern lieferten deutsche Bauern landwirtschaftliche Produkte im Wert von 34,1 Mrd. Euro ins Ausland.

Hoffnungsvoll stimmten die Erwartung an den Handel mit den neuen EU-Nachbarländern und den Beitrittsländern der nächsten Erweiterungsrunde, sagte Sonnleitner. Besondere Erwartungen haben die deutschen Landwirte auch an Russland, Rumänien, Ukraine und die Türkei. Neue Märkte für deutsche Molkereiprodukte öffneten sich auch in China.

Sowohl Landwirte als auch die Ernährungsindustrie brandmarkten das dirigistische Verhalten der Bundesregierung. Aus der deutschen Gentechnik-Gesetzgebung würden sich negative Langzeitfolgen für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland ergeben, kritisierte Sonnleitner die Politik der Regierungskoalition. Darüber hinaus sei ein zusätzliches Verbot der Verwendung gentechnisch veränderter Futtermittel, wie von Greenpeace gefordert, unrealistisch, betonte BVE-Vorsitzender Traumann. Produkte, die in Deutschland mit Gentechnik in Berührung kommen würden, seien legal hergestellt und nach den Erkenntnissen der Wissenschaft „völlig sicher“, sagte Traumann.

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