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16.04.2012

14:08 Uhr

Branchendaten

Biotechbranche bekommt weniger Risikokapital

Die stark von externen Geldgebern abhängige Biotechbranche hat in Deutschland wegen schwacher Kapitalmärkte weniger Risikokapital eingesammelt. Worauf die Branche jetzt bei der Finanzierung setzt.

Ampullen mit einem Impfstoff. dapd

Ampullen mit einem Impfstoff.

Frankfurt Im vergangenen Jahr gewannen Biotechfirmen mit Sitz in Deutschland aus Finanzierungsrunden lediglich 130 Millionen Euro, wie aus den jüngsten Branchendaten der Unternehmensberatung Ernst & Young hervorgeht. Das ist ein Einbruch um 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sogar im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 hatten Biotechunternehmen mit 153 Millionen Euro mehr Kapital erhalten. Der Finanzierungseinbruch im vergangenen Jahr betrifft sowohl börsennotierte Firmen als auch Unternehmen im Familienbesitz.

Die am Montag in Frankfurt vorgestellten Branchendaten aus Deutschland stehen im starken Kontrast zur boomenden Biotechbranche in den USA, die mit Konzernen wie Amgen und Biogen Idec nach wie vor die Top Unternehmen des Industriezweigs stellt. Dort stieg 2011 der Kapitalfluss auf 29,8 Milliarden Euro von 21,5 Milliarden ein Jahr zuvor. Ernst & Young zufolge sind die Finanzierungsbedingungen in den USA unter anderem durch erfolgreiche Kapitalerhöhungen und allgemein mehr Fremdkapitalzugang deutlich besser. In Deutschland ist das Kapitalmarktinteresse an der Branche nach wie vor gering. So war 2011 bereits das fünfte Jahr in Folge ohne einen einzigen Biotech-Börsengang in Deutschland.

Angesichts der schwachen Risikofinanzierung spielen alternative Finanzierungswege für die Branche der Studie zufolge inzwischen eine immer größere Rolle. „Das klassische Venture-Capital-Modell in Deutschland ist gescheitert“, zog Studien-Autor Siegfried Bialojan Bilanz. Private Geldgeber wie etwa die Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngmann oder Privatanleger-Fonds würden als Geldquellen für die Unternehnen zunehmend wichtiger. „Ihre Bedeutung für die Branche steigt“, sagte Bialojan. Auf lange Sicht sieht die Unternehmensberatung wegen des Einbruchs der Eigenkapitalfinanzierung allerdings die Gefahr, dass sich die Branche in Deutschland zunehmend von der teuren Medikamentenentwicklung verabschiedet. Hier winken den Biotechfirmen auf lange Sicht immer noch die größten Gewinne.

Insgesamt sieht Ernst & Young den Industriezweig in Deutschland aber in guter Verfassung. So stieg 2011 der Branchenumsatz um zehn Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Die Verluste der Unternehmen verringerten sich um fünf Prozent auf 437 Millionen Euro. Dabei blieb die Zahl der Unternehmen mit 397 (2010: 403) annähernd stabil. Die Insolvenzen gingen leicht auf 13 (2010: 14) zurück. Deutlich schwächer war im vergangenen Jahr der Übernahmehunger unter den Unternehmen. Lediglich vier Zukäufe - nach zehn im Jahr 2010 - wurden in trockene Tücher gebracht. Allein zwei davon stemmte die Hamburger Biotechfirma Evotec. Positiv entwickelten sich die Beschäftigtenzahlen: Die deutschen Biotechfirmen hatten 2011 insgesamt 10.053 Beschäftigte - das ist ein Anstieg um vier Prozent.

Von

rtr

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