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09.08.2012

15:14 Uhr

Branchenkreise

Fresenius nimmt zweiten Anlauf zur Rhön-Klinikum-Übernahme

Der Gesundheitskonzern will offenbar ein zweites Angebot zur Übernahme von Rhön-Klinikum vorlegen. Insider berichten, dass die Konzerne erneut verhandeln. Der Rhön-Aktienkurs schnellt hoch. Aber noch sind Fragen offen.

Nervenschlacht um Rhön-Klinikum

Video: Nervenschlacht um Rhön-Klinikum

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FrankfurtFresenius -Chef Ulf Schneider bastelt Branchen- und Finanzkreisen zufolge an einem zweiten Anlauf zur Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum. Schneider und Rhön-Klinikum-Gründer Eugen Münch würden intensiv an einem zweitem Deal arbeiten, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine neue Offerte des Gesundheitskonzerns für die fränkische Klinikkette werde immer wahrscheinlicher. Die Rhön-Aktie schoss daraufhin in der Spitze fast zehn Prozent nach oben und war damit mit Abstand größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

Alle Beteiligten betonen allerdings, dass vor einem zweiten Angebot noch einige offene Fragen geklärt werden müssen. Die größte sei, ob der Fresenius-Aufsichtsrat grünes Licht für einen zweiten Anlauf gebe, betonten drei Insider. Auch der Rhön-Vorstand und die Finanzaufsicht BaFin müssen zustimmen, wenn der Dax-Konzern aus Bad Homburg innerhalb eines Jahres erneut für die fränkische Firma bieten will. Eine Entscheidung in den nächsten Tagen ist deshalb nicht zu erwarten.

Der erste Versuch, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu schlucken, war Ende Juni gescheitert, weil Fresenius nicht wie angestrebt gut 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen vorgesehen ist.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Bei einem zweiten Übernahmeversuch werde sich Fresenius vermutlich zunächst mit einer Mehrheit mit 50 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben geben, sagte drei mit dem Prozess vertraute Personen. Damit könnte der Konzern Rhön nicht integrieren, hätte jedoch bei Abstimmungen über die Dividende oder die Besetzung des Aufsichtsrats eine Mehrheit. "Mittelfristig wird Fresenius aber sicher versuchen, über die 90-Prozent-Schwelle zu kommen", sagte eine mit den Diskussionen vertraute Person.

Sollte Fresenius nach der Übernahme zunächst keine volle Kontrolle über Rhön haben, wäre die Finanzierung schwieriger als bei einer Vollintegration, wie sie der Konzern beim ersten Übernahmeanlauf angestrebt hatte. "Fresenius würde das aber hinkriegen", sagte ein beteiligter Banker.

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