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10.12.2014

13:54 Uhr

Branchenstudie

Zulieferer sind so rentabel wie noch nie

Der Wettbewerb zwischen den Autozulieferern bleibt hart - doch insgesamt erwirtschaftet die Branche so viel Profit wie noch nie. Gewinnen werden aber am Ende nur wenige, zeigt eine neue Studie.

ZF Friedrichshafen gehört zu den großen Gewinnern des Autojahres 2014. dpa

ZF Friedrichshafen gehört zu den großen Gewinnern des Autojahres 2014.

DüsseldorfDie Zulieferbranche steht vor einem Umbruch. Die Hersteller zieht es in die asiatischen Wachstumsmärkte. Wer nicht mitgeht, verliert möglicherweise wichtige Kunden. Die Qualitätsansprüche steigen durch Baukasten-Systeme, wie Branchenriese Volkswagen sie einsetzt. Und den Margendruck geben die Hersteller weiter an ihre Zulieferer.

Und trotzdem ist die Branche im Jahr 2014 so rentabel wie noch nie, zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und Lazard. Im Schnitt kommen die Unternehmen auf eine Ebit-Marge von 7,5 Prozent und dürften damit das Ergebnis des Vorjahres noch einmal toppen. Dazu tragen vor allem wenige Gewinner bei.

Denn die Branche bleibt gespalten: Besonders gut schneiden Zulieferer von Reifen und Antriebssträngen ab, die im Schnitt ca. 2-3 Prozentpunkte mehr Marge machen als Zulieferer für den Innenraum. Auch die großen Hersteller wie ZF Friedrichshafen und Continental, denen es leichter fällt, die Nähe zu den Herstellern und ihren internationalen Werken zu suchen, verdienen deutlich besser als ihre kleineren Konkurrenten. Denen fehlen oft Finanzpolster und Mitarbeiter, um den Schritt ins Ausland mitzugehen.

Der harte Wettbewerb zwischen den Zulieferern sorgt für eine Verschiebung der Kräfte. Übernahmen von europäischen Automobilzulieferern durch Investoren aus Schwellenländern sind längst keine Seltenheit mehr. Nur mit dem Geld können technologische Investitionen in neue Antriebssysteme, Fahrassistenz und Konnektivität gestemmt werden.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Denn die Perspektive für Zulieferer, deren Produkte leicht zu ersetzen sind, sieht schlecht aus. Zukunft hat nur, wer auch Zukunftstechnologie anbieten kann. „Zulieferer mit innovativen Produkten können Margen realisieren, die im Schnitt zwei Prozentpunkte höher sind als bei prozessorientierten Lieferanten", sagt Roland Berger-Partner Marcus Berret, einer der Autoren der Studie. Viele hochprofitable Firmen konnten in den vergangenen Jahren auch ihre Finanzpolster wieder aufbessern.

Die brauchen sie auch. Denn nach Ansicht der Studienautoren dürfte es schwer werden, das Rekordjahr zu wiederholen. Die Verkäufe auf vielen wichtigen Märkten wie Europa und den USA stagnieren. Einstige Wachstumsmärkte wie Russland, Brasilien und Indien schwächeln. Einzig China kann noch ein ordentliches Wachstum vorweisen.

Das erhöht den Druck auf die Margen der Hersteller. Zuletzt hatte unter anderem Volkswagen ein milliardenschweres Sparprogramm aufgesetzt, das auch die Zulieferer empfindlich treffen wird. „Wir rechnen damit, dass die Zuliefererbranche 2015 und 2016 nicht mehr so stark wachsen wird wie in den vergangenen Jahren“, sagt Berger-Experte Felix Mogge. Mittelfristig ist allerdings nach Ansicht der Studienautoren noch genug Potential im Markt. Bis 2020, so sagen es die Unternehmensberater voraus, soll der Markt für Fahrzeugkomponenten auf rund 800 Milliarden Euro anwachsen - rund 125 Milliarden Euro mehr als heute.

Von

bay

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

10.12.2014, 19:57 Uhr

Zulieferer rentabek? Ja, weil die Mitarbeiter dort nur noch Sklavenlöhne erhalten bzw. nur noch Zeitarbeiter für 1 Euro je Stunde arbeiten!!! Dies auf Befehl unserer Politiker!

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