Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2013

12:59 Uhr

Branchenverband VCI

Chemieindustrie erwartet zaghaften Aufwind

Zuletzt machten Chemiekonzerne wie BASF, Evonik oder Lanxess mit Stellenabbau auf sich aufmerksam. In das kommende Jahr blickt die Branche mit vorsichtiger Zuversicht. Der Umsatz soll sich den 200 Milliarden Euro nähern.

Raffinerie in Leuna: Die Chemiebranche erwartet Anziehen der Produktion um zwei Prozent im Jahr 2014. dpa

Raffinerie in Leuna: Die Chemiebranche erwartet Anziehen der Produktion um zwei Prozent im Jahr 2014.

FrankfurtDie Chemiekonjunktur gewinnt nur allmählich an Fahrt. Nach mageren Zuwächsen bei Umsatz und Produktion 2013 blickt die Chemiebranche mit vorsichtigem Optimismus auf das nächste Jahr. Mit großen Sprüngen rechnet Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach Autoindustrie und Maschinenbau aber nicht. „Im kommenden Jahr wird es für die deutsche Chemie aufwärts gehen, aber nur langsam“, sagte der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Karl-Ludwig Kley, am Donnerstag in Frankfurt. Dabei setzen die mehr als 1600 Chemieunternehmen unter anderem auf eine zunehmende Nachfrage im Inland und auf ein sich aufhellendes Europageschäft. „Die Mehrheit der Unternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit einer Belebung des Chemiegeschäftes“, sagte Kley.

Der Industriezweig mit Größen wie BASF, Bayer, Merck und Evonik erwartet für 2014 einen Anstieg der Chemieproduktion von zwei Prozent. Ihren Umsatz werde die Chemiebranche voraussichtlich um 1,5 Prozent auf 191 Milliarden Euro erhöhen. Verbandspräsident Kley, der Chef des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck, geht davon aus, dass die Unternehmen im Schnitt ihre Chemikalienpreise um 0,5 Prozent senken.

„Die Weltwirtschaft hat nach meinem Ermessen die Talsohle durchschritten“, sagte Kley. Er rechne neben einem anziehenden Inlandsgeschäft damit, dass der Export eine Stütze der Branche bleibt. „An unseren Exportüberschüssen wird sich wohl so schnell nichts ändern. Und das ist eine gute Nachricht.“ In den Schuldenländern Europas würden die Reformen greifen. Aus den USA kämen Impulse durch einen Investitionsboom, der durch das günstige Schiefergas getrieben sei. In Asien und Südamerika sei das Wachstum aber etwas geringer als in den vergangenen Jahren.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Die Nachrichten aus den Unternehmen waren zuletzt eher gedämpft. So stemmt sich der Chemiekonzern Lanxess mit dem Abbau von weltweit 1000 Stellen gegen fallende Preise und die Autokrise in vielen Ländern Europas. Auch der Essener Evonik-Konzern und die Bayer-Kunststoffsparte MaterialScience legten neue Sparprogramme auf. Der Chemie-Branchenprimus BASF hatte zudem vor anhaltenden Belastungen durch einen starken Euro gewarnt.

Im ablaufenden Jahr legte die weltweite Nachfrage nach Chemieprodukten nur leicht zu. „2013 war kein einfaches Jahr für die deutsche Chemie“, sagte Kley. Die Chemieproduktion erhöhte sich nach ersten Schätzungen lediglich um 1,5 Prozent, der Branchenumsatz legte sogar nur um 0,5 Prozent auf 187,7 Milliarden Euro zu. „Die Preise gaben nach“, sagte Kley. Sie sanken um ein Prozent. Chemiefirmen mussten wegen des scharfen Wettbewerbs gesunkene Rohstoffpreise an ihre Kunden weiterreichen. Rohbenzin, der wichtigste Rohstoff für die Branche, war um rund zehn Prozent billiger als im Jahr davor.

Das Auslandsgeschäft stagnierte. „Die Schwellenländer insgesamt waren leider keine so starke Stütze der Weltkonjunktur wie wir gehofft hatten“, sagte Kley. Dennoch blieben die Anlagen der Unternehmen 2013 im Schnitt zu 84 Prozent ausgelastet. Das sei ein ordentlicher Wert, sagte der VCI-Chef. Auch die Beschäftigung in der Branche wuchs. Die Unternehmen bauten die Zahl ihrer Mitarbeiter um 0,5 Prozent auf 436.500 aus. Ihre Investitionen stockten die Firmen nach zwei Jahren wieder auf. Insgesamt investierte die Branche 6,4 Milliarden Euro - zwei Prozent mehr als 2012.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×