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03.11.2014

12:58 Uhr

Branchenverbandschef Wiechers

Russland-Krise schadet deutschem Maschinenbau

Eigentlich strotzt der deutsche Maschinenbau vor Zuversicht. Doch die Sanktionen im EU-Russland-Konflikt um die Ukraine haben die Nachfrage nach deutschen Maschinen und Anlagen in Russland erheblich gedämpft.

Schlüsselindustrie Maschinenbau

Endlich wieder positive Signale

Schlüsselindustrie Maschinenbau: Endlich wieder positive Signale

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FrankfurtWie schwer trifft die Krise den deutschen Maschinenbau?

Schwer. Russland ist unser viertwichtigster Exportmarkt. Unser Geschäft mit Russland hat in den ersten acht Monaten ein Volumen von 4,4 Milliarden Euro. Das ist knapp eine Milliarde weniger als vor einem Jahr. Und wegen der Konjunkturschwäche in Russland und dem schwachen Rubel war die Nachfrage schon 2013 erodiert.

Wird es noch schlimmer kommen?

Der befürchtete 50-prozentige Einbruch ist zwar noch nicht in Sicht. Ein Minus von bis zu 35 Prozent im Gesamtjahr schließen wir aber nicht aus. Denn die Ende Juli verabschiedeten Sanktionen dürften das Minus in den nächsten Monaten noch vergrößern. Aber ich warne davor zu sagen, dass der Russlandhandel komplett zusammenbricht. Anekdotisch gibt es auch Neugeschäft.

Die wichtigsten Fakten zum deutschen Gütesiegel

Ursprung in Großbritannien

Die Bezeichnung „Made in Germany“ - in Deutschland hergestellt - war ursprünglich als Schutzmaßnahme für die britische Wirtschaft gedacht. Nach dem 1887 erlassenen britischen Handelsmarkengesetz mussten alle nach Großbritannien eingeführten Waren als ausländische Erzeugnisse gekennzeichnet sein.

Schutz vor den Deutschen

Das Gesetz zielte hauptsächlich gegen die aufstrebende deutsche Industrie, die britische Industriemarken kopierte. Dem britischen Käufer sollte so vermeintlich „schlechte und billige“ Massenware angezeigt werden, damit er sie schnell von einheimischer Ware unterscheiden konnte.

Symbol der Zuverlässigkeit

Schon bald wurde die Bezeichnung allerdings zu einem Symbol für Zuverlässigkeit und Qualität, gegen das auch das Motto „Buy British“ nicht ankam. Die deutsche Wirtschaft entschloss sich, das Qualitätssiegel „Made in Germany“ auch beim Export in Länder zu nutzen, die eine solche Ursprungsbezeichnung nicht forderten.

Die Zeit der Teilung

Die Teilung Deutschlands führte zu Problemen: Die Bezeichnung „Made in Germany“ wurde auch für DDR-Unternehmen zugelassen. Die West-Firmen wollten keine Verwechslung aufkommen lassen und änderten die Bezeichnung nach einem entsprechenden Urteil des Bundesgerichtshofs von 1974 in „Made in West Germany“. Einige Jahre nach der deutschen Einheit war der West-Hinweis wieder verschwunden.

Intervention aus Brüssel

Die Europäische Kommission stellte im Jahr 2004 nationale Herkunftsbezeichnungen wie „Made in Germany“ infrage. Doch Bundesregierung, Opposition und Wirtschaft sprachen sich einhellig für die Erhaltung des Gütesiegels „Made in Germany“ aus.

Ihre Branche hat über erschwerte Ausfuhren nach Russland wegen verschärfter Genehmigungsverfahren geklagt. Was ist das Problem?

Wir haben das Bestreben, Genehmigungsverfahren schnell abzuwickeln. Aber die Bundesregierung hat mit Schrot geschossen. Die russischen Kunden sind oft Mischkonzerne, die im Zweifelsfall mit einer deutschen Werkzeugmaschine sowohl Konservendosen als auch Patronenhülsen herstellen können. Oder neben zivilen Lastwagen auch grün angestrichene Militärfahrzeuge bauen. Deshalb ist auch bei der Ausfuhrabwicklung nicht-sanktionierter Produkte Sand im Getriebe.

Wie reagieren die russischen Kunden auf verzögerte Lieferungen und die Unsicherheit, ob sie die bestellte Ware überhaupt bekommen?

Sie sagen uns: Warum soll ich mit Euch Geschäfte machen. Die Chinesen fragen nicht.

Seit 14 Jahren ist Ralph Wiechers (55) als VDMA-Chefvolkswirt für die Konjunkturprognosen des deutschen Maschinenbaus verantwortlich. Vor seinem Volkswirtschafts-Studium in Karlsruhe und Mainz (1980 - 1986) hat der Ökonom in einem mittelständischen Zulieferunternehmen der Automobil- und Maschinenbauindustrie eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. Nach dem Studium blieb er zunächst am Institut für Finanzwissenschaft der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, bevor er Lehrbeauftragter für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Mainz wurde. Beim VDMA startete Wiechers 1991 als wirtschaftspolitischer Referent.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Frau Lilly Marlen

03.11.2014, 13:45 Uhr

>> Russland-Krise schadet deutschem Maschinenbau >>

Und wenn die Russen ERNST machen, schaden sie durch Gegensanktionen auch

der Automobilwirtschaft weltweit durch Exporteinschränkungen des Palladiums, das man für die Katalisatoren braucht,

der weltweiten Flugzeugindustrie durch Exportbeschränkungen des Titans, das man für der Flugzeugrumpf benötigt,

der Weltweiten Elektroindustrie durch Exporteinschränkungen der Seltenen Erden, die man für Elektrogeräte braucht,

etc. !

Sich mit Russen zu verschätzen, heißt dämlich zu sein und seinem Volk einen Bärendienst erweisen !

Tussi aus der Uckermark macht so was möglich !



Herr Pom Muc

03.11.2014, 13:54 Uhr

@ Lilly Marlen

Außen-/Wirtschafts-/Arbeitsministerium sind von der SPD besetzt. Also nicht alles bei der Kanzlerin abladen.

Viel interessanter ist aber das Handelsblatt-Neusprech.

Da macht man aus einer korrupten und insolventen Ukraine die seit 10 Jahren eine Teilung diskutiert und EU-Sanktionen die "Russland-Krise".

Putin ist im Neusprech schuld dass sich die 80% Russen auf der Krim von einer Pleite-Ukraine lossagen. Eine Entscheidung die man den Schotten zubilligte obwohl diese wesentlich länger zum britischen Empire gehörten als die 60 Jahre in den die Krim ukrainisch war.

Frau Lilly Marlen

03.11.2014, 13:56 Uhr

@ Herr Pom Muc

>> Außen-/Wirtschafts-/Arbeitsministerium sind von der SPD besetzt. Also nicht alles bei der Kanzlerin abladen. >>

Die detaillierte Differenzierung ist unwesentlich !

Merkel trägt die Gesamtverantwortung...auch für die Sozen-Minister !

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