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03.06.2012

09:57 Uhr

Brasilien

Mit deutscher Hilfe zur „Green Economy“

VonFrank Specht

Bei der Fußball-WM 2014 will sich Brasilien auch als Vorreiter bei Erneuerbaren Energien präsentieren. Deutschen Firmen winken lukrative Aufträge – doch der Weg zur „Green Economy“ ist kein Selbstläufer.

Pituacu-Stadion: Das Solarstadion in Salvador da Bahia aus der Vogelperspektive.

Pituacu-Stadion: Das Solarstadion in Salvador da Bahia aus der Vogelperspektive.

Salvador da BahiaEs ist ein Fußball-Wettstreit der anderen Art. Seit April kann sich der brasilianische Erstligaklub EC Bahia aus der Küstenstadt Salvador rühmen, im ersten Solarstadion Lateinamerikas zu spielen – dem  ­ Pituaçu Solar. Beim Konkurrenzklub EC Vitória reicht es dagegen nur zu einer Biogasanlage, die auch mit Abfällen betrieben wird. „Wir bekommen unseren Strom von der Sonne“, triumphieren die Bahia-Fans, „ihr bezieht euren aus dem Müll.“

Der Wettstreit ist ein winziger Schritt auf Brasiliens Weg zur „Green Economy“. Vom 20. bis 22. Juni richtet das Land die Konferenz Rio+20 aus. 20 Jahre nach dem „Erdgipfel“ in der brasilianischen Metropole sucht die Weltgemeinschaft dort eine Antwort auf die Frage, wie sich Umweltschutz mit sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung vereinbaren lässt. Und als Gastgeber will sich Brasilien auch als Vorreiter bei der nachhaltigen Energieversorgung präsentieren.

Heute erzeugt die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt rund 85 Prozent des Stroms in großen Wasserkraftwerken. Doch der weitere Ausbau stößt an Grenzen, wenn nicht umstrittene neue Staudämme im ökologisch sensiblen Amazonasgebiet errichtet werden sollen. Und der Bedarf steigt rasant, obwohl der Stromverbrauch pro Einwohner nur ein Viertel des europäischen Wertes erreicht.  Auf dem Weg vom Schwellen- zum Industrieland muss Brasilien seine Stromerzeugungskapazität binnen zwölf Jahren verdoppeln, beschreibt André Pepitone da Nóbrega, Direktor der mächtigen nationalen Regulierungsbehörde ANEEL, die Herausforderung: „Wir müssen also in zwölf Jahren das wiederholen, was wir in den zurückliegenden 500 Jahren geschafft haben.“

EM-Gastgeber & Bilanzen

1960

Gastgeber war Frankreich. Vier Teams spielten in nur vier Partien die Endrunde aus, die damals ab dem Halbfinale im K.O.-Modus gespielt wurden. Die Runden davor waren Hin- und Rückspiel wie heutzutage in der Qualifikation. Es fielen 17 Tore, was einem Schnitt von 4,25 pro Spiel entspricht. Gesehen wurden die Partien von insgesamt 78.958 Zuschauern (19.740 pro Spiel).

1964

Gastgeberland war Spanien, wieder trafen vier Teams in insgesamt vier Spielen bei der Endrunde aufeinander. Es fielen 13 Tore (3,25 im Schnitt). Der Zuschauerzuspruch lag bei insgesamt 156.253 (39.063 Im Durchschnitt).

1968

Bei der Europameisterschaft 1968 in Italien waren erneut vier Mannschaften in der Endrunde, diesmal wurden allerdings fünf Spiele benötigt: Das Finale musste wiederholt werden, nachdem die Verlängerung keine Entscheidung gebracht hatte. Elfmeterschießen gab es damals noch nicht. Es fielen nur sieben Treffer, was einem Schnitt von 1,40 entspricht. 192.119 Zuschauer fanden sich insgesamt ein (38.424 pro Partie).

1972

In Belgien trafen wiederum vier Teams in vier Spielen aufeinander. Zehn Tore wurden erzielt (2,50 im Durchschnitt). Der Zuschauerzuspruch blieb mit insgesamt 106.510 (26.628 im Schnitt) deutlich hinter denen der vorigen Turniere zurück.

1976

In Jugoslawien trafen letztmalig nur vier Mannschaften in vier Spielen aufeinander (Halbfinale, Finale, Spiel um Platz drei). Es fielen 19 Tore, was einem Schnitt von 4,75 pro Partie entspricht - bis heute Rekordwert. Mit 106.087 Zuschauern insgesamt (durchschnittlich 26.522) wurde die Bilanz des vorigen Turniers noch einmal unterboten.

1980

Erstmals nahmen 1980 in Italien acht Mannschaften an der Endrunde teil. Die Gruppensieger zogen direkt ins Finale, die Zweitplatzierten spielten Rang drei aus - so kam das Turnier auf 14 Partien. 27 Tore wurden geschossen, 193 im Schnitt. Der Zuschauerzuspruch sank im Schnitt auf 25.047, insgesamt guckten 350.655 Menschen in den Stadien zu.

1984

Das Turnier fand in Frankreich statt. Acht Mannschaften trugen 15 Spiele aus, die Gruppenersten und -zweiten kamen ins Halbfinale, die Sieger trugen wiederum das Finale aus. 41 Tore fielen, 2,73 pro Spiel. Zuschauermenge und -durchschnitt stiegen auf 599.655 bzw. 39.977.

1988

1988 war Deutschland Gastgeber. Wieder waren es acht Teilnehmer und 15 Spiele. 34 Tore wurden gemacht (2,27 im Durchschnitt). Die Gesamtzuschauerzahl stieg auf 935.681, der Schnitt von 62.379 Besuchern pro Spiel ist bis heute eine unerreichte Bestmarke.

Und dabei setzt die Regierung – anders als noch vor wenigen Jahren – nicht mehr vorrangig auf klimaschädliche Kohlekraftwerke oder Atommeiler, sondern auf Öko-Energien. Bei der Windkraft hat das Land nach großen Startschwierigkeiten ­– die seit Mitte der 1990er-Jahre diskutierte gesetzliche Grundlage wurde erst 2004 verabschiedet – inzwischen Fortschritte erzielt. Heute deckt der in einigen Regionen kräftig blasende Wind 1,5 Prozent des nationalen Stromverbrauchs, Windkraftanlagen mit 1600 Megawatt Leistung sind bereits installiert, weitere 6000 Megawatt sind im Bau.

Allein das Windkraftpotenzial des Bundesstaates Ceará an der Küste im Nordosten würde ausreichen, um ganz Brasilien mit Strom zu versorgen. Deutsche Windkraftfirmen wie Enercon, die in Brasilien unter dem Namen Wobben Windpower firmiert, oder Fuhrländer sind deshalb bereits in Südamerikas größtem Staat aktiv. Einem beschleunigten Ausbau der Technologie steht momentan vor allem der Mangel an qualifiziertem Personal im Weg.

Kommentare (1)

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Felix

03.06.2012, 14:15 Uhr

Sehr schön, hier sieht man das die in Deutschland gewonnene Expertise helfen kann andere Länder bei einer nachhaltigen Energieversorgung zu unterstützen und dabei auch Geld verdient werden kann. Es wäre schon eine große Leistung den Prozentsatz der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion auf einem Niveau um die 90% zu halten, auch hier können wir in Zukunft das Wissen, welches wir durch intelligente Speicher- und Transportmöglichkeiten im Zuge der Energiewende erreichen exportieren und so die volkswirtschaftlichen Kosten für die Energiewende geringer halten.

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