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28.03.2014

07:24 Uhr

Brasilien

Siemens will Kartellvorwürfe aufklären

Hat es illegale Preisabsprachen gegeben? Siemens soll in Brasilien an einem Kartell beteiligt gewesen sein. Nun zeigt sich der Konzern hilfsbereit – und will mit der Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung kooperieren.

Licht ins Dunkel: Siemens verpflichtet sich, bei der Aufklärung von Kartellvorwürfen mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren. Reuters

Licht ins Dunkel: Siemens verpflichtet sich, bei der Aufklärung von Kartellvorwürfen mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren.

São PauloSiemens hat der brasilianischen Staatsanwaltschaft volle Zusammenarbeit bei der Aufklärung einer mutmaßlichen Kartellbildung zugesichert. Eine entsprechende Vereinbarung unterschrieb das Unternehmen am Donnerstag mit der zuständigen Ermittlungsbehörde. Der Präsident von Siemens do Brasil, Paulo Stark, bezeichnete dies als einen großen Schritt auf dem Weg, die Verantwortlichkeiten in dem Fall zu klären.

Hintergrund sind Verträge und Ausschreibungen aus den Jahren 1998 bis 2007. Dabei soll es illegale Preisabsprachen bei Kauf, Wartung und Betrieb von Zügen für die U-Bahn der Millionenmetropole São Paulo gegeben haben. Mutmaßlich beteiligt sind ein Dutzend Firmen, darunter auch das Unternehmen Siemens in Brasilien, das den Fall durch Selbstanzeige ins Rollen brachte.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Siemens habe sich durch die Vereinbarung verpflichtet, Dokumente zur Verfügung zu stellen sowie den Zugang zu Zeugen innerhalb und außerhalb Brasiliens zu erleichtern, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft. Für etwaige Zeugen will das Unternehmen gegebenenfalls Anreise- und Unterbringungskosten übernehmen.

Von

dpa

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