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28.01.2008

10:36 Uhr

Braukonzerne

Europas Biermarkt wird aufgeteilt

VonDirk Heilmann

Die Brauriesen Carlsberg und Heineken rücken der Spitze des Weltmarktes ein Stück näher. Nach einem mehr als dreimonatigen zähen Kampf haben sie den Vorstand des britischen Marktführers Scottish & Newcastle (S&N) auf ihre Seite gebracht. Analysten lobten die S&N-Führung für ihr taktisches Geschick - doch noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern.

Rückt der Weltspitze ein Stück näher: der Brauriese Carlsberg. Foto: Archiv

Rückt der Weltspitze ein Stück näher: der Brauriese Carlsberg. Foto: Archiv

LONDON. Nun wollen sie das Unternehmen für 7,8 Mrd. Pfund (10,5 Mrd. Euro) in bar kaufen und zerlegen. Carlsberg muss zur Finanzierung in turbulenten Börsenzeiten eine umfangreiche Aktienemission auflegen. Außerdem hält S&N die Tür für einen Gegenbieter offen.

Analysten lobten am Freitag die Führung von S&N für ihr taktisches Geschick. Obwohl der erste Vorstoß der Angreifer Carlsberg aus Dänemark und Heineken aus den Niederlanden mitten in einen Führungswechsel fiel, leisteten der gerade ernannte Vorstandschef John Dunsmore und Chairman Sir Brian Stewart, beraten von der Deutschen Bank, hartnäckigen Widerstand. Sie lehnten ein erstes Angebot von 720 Pence je S&N-Aktie Mitte Oktober ebenso ab wie weitere Offerten von je 750 und 780 Pence.

Im Gegenzug verklagten sie die Dänen, mit denen sie gemeinsam den russischen Braukonzern BBH betreiben, wegen eines angeblichen Bruchs des Joint-Venture-Vertrages. Mit dem möglichen Verlust ihrer wachstumsstärksten Sparte konfrontiert, schulterten die Dänen die Erhöhung auf 800 Pence allein.

Damit hatte S&N das erklärte Ziel erreicht. Der Preis entspricht einer Prämie von 26 Prozent auf den Aktienkurs vor der ersten Offerte und dem 14,3-fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Jahr 2006. "Sie haben sehr gute Arbeit für die Aktionäre geleistet", sagt Analyst Chris Gower von MF Global.

Das ändert allerdings nichts daran, dass der Kampf mit der Zerschlagung des letzten großen britischen Braukonzerns endet. Carlsberg trägt 54 Prozent des Kaufpreises und erhält dafür neben der vollen Kontrolle über den russischen Marktführer BBH das S&N-Geschäft in Frankreich, Griechenland, China und Vietnam. Heineken übernimmt den Rest des S&N-Konzerns einschließlich der Pensionsverpflichtungen. Das macht die Niederländer zum Marktführer in Großbritannien und zur Nummer zwei in Irland, Portugal und Belgien. Außerdem verschafft es ihnen eine gute Ausgangsposition in Indien.

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