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27.10.2016

15:49 Uhr

Bremsspuren in der Bilanz

DMG Mori verordnet sich Schlankheitskur

VonRegine Palm

Der Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori hat im dritten Quartal trotz hoher Auftragseingänge weniger verdient und kassiert die Gewinnprognose. Grund dafür sind die Kosten für einen Umbau des Konzerns.

Der Werkzeugmaschinenbauer ist derzeit in Europa, Indien und Mexiko erfolgreich. Schwieriger ist das Geschäft in Brasilien und Russland. PR

DMG Mori

Der Werkzeugmaschinenbauer ist derzeit in Europa, Indien und Mexiko erfolgreich. Schwieriger ist das Geschäft in Brasilien und Russland.

DüsseldorfDer Bielefelder Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori – vielen immer noch besser bekannt als Gildemeister – stellt sich neu auf. „Trotz der positiven Geschäftsentwicklung beschleunigen wir die Neuausrichtung“, sagte der Vorstandsvorsitzende, Christian Thönes, dem Handelsblatt. „Wir konzentrieren uns künftig auf unser Kerngeschäft.“ Dazu zähle alles aus dem Bereich klassische Werkzeugmaschinen und Services ebenso wie die Bereiche Technologie und Digitalisierung.

Der Konzernumbau hinterlässt aber bereits Bremsspuren in der Bilanz. „Im dritten Quartal gibt es erste kleine negative Ergebnisbeiträge“, sagte Thönes, „im vierten Quartal werden weitere folgen.“ Für das laufende Jahr hat er daher die Gewinnprognose einkassiert. Vor Steuern soll der Gewinn um mehr als die Hälfte auf rund 95 (Vorjahr: 217) Millionen Euro einbrechen. Allerdings war der Gewinn 2015 durch den Verkauf eines Aktienpakets an den japanischen Partner um rund ein Drittel nach oben geschnellt. Der einstige Kooperationspartner Mori hatte seine Beteiligung weiter aufgestockt und hält inzwischen 75 Prozent an den Bielefeldern. Im Mai hatte der DMG-Vorstand dann einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zugestimmt. Die Muttergesellschaft DMG Mori Company Ltd. mit Sitz in Nagoya hat damit nun bei der DMG Mori AG komplett das Sagen.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Neben dem Gewinnrückgang kündigte Thönes für das gesamte Geschäftsjahr einen leichten Umsatzrückgang auf 2,25 Milliarden Euro an, nach 2,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Im dritten Quartal hatten die Westfalen bereits 1,63 (Vorjahreszeit 1,65) Milliarden Euro erzielt. Gleichzeitig stieg allerdings der Auftragseingang bei DMG Mori im Berichtsquartal um zwölf Prozent auf 601 (538) Millionen Euro und im gesamten bisherigen Jahresverlaufs um ein Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Positiv habe sich das Geschäft unter anderem in Europa, in Indien und Mexiko entwickelt. Schwieriger sei es dagegen in Brasilien und Russland.

DMG Mori schneidet damit besser ab als der Gesamtmarkt. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) und das britische Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics prognostizierten für die Branche zuletzt einen Rückgang des Weltverbrauchs um 1,7 Prozent auf 67,4 Milliarden Euro.

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„Wir treiben den Konzernumbau aus der Position der Stärke heraus voran“, unterstrich denn auch der Vorstandschef Thönes. Da sich der Konzern eben auf sein Kerngeschäft konzentriert, steht unter anderem das defizitäre Batteriegeschäft zum Verkauf, für das es bereits einige Interessenten gebe. Thönes rechnet mit einem Verkauf „innerhalb der nächsten Monate“. Wie die Bielefelder stellen sich auch die Japaner schlanker auf. Sie haben unter anderem Ende August den Verkauf des Maschinenwerks im schweizerischen Le Locle angekündigt.

An der Börse verzeichnete die DMG-Aktie angesichts des laufenden Konzernumbaus in einem insgesamt schwächeren Marktumfeld nur leichte Kursabschläge von knapp 0,5 Prozent. Bisher sind die Aktionäre mit dem Papier gut gefahren: Seit 2009 hat die Aktie ihren Wert mehr als verachtfacht. Der US-Hedgefonds Elliott hatte seine Beteiligung an dem Werkzeugmaschinenbauer im Frühjahr abgestoßen, im September aber wieder aufgestockt und hielt zuletzt gut fünf Prozent der Aktien.

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