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01.06.2011

16:14 Uhr

Brennstoffzellenauto

Daimler will Serienproduktion vorziehen

Der Autokonzern zieht die Serienproduktion des Autotyps vor. Außerdem will Daimler in Wasserstoff-Tankstellen investieren. VON CARSTEN HERZ UND MARTIN BUCHENAU

Ein Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb beim Betanken. Quelle: ap

Ein Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb beim Betanken.

Stuttgart

Der Autokonzern Daimler will mit einem eigenen Brennstoffzellenauto schneller in die Serienproduktion gehen als bislang geplant. Dies kündigte Daimler-Chef Zetsche heute auf einer Pressekonferenz an, die er anläßlich der Rückkehr von drei Brennstoffzellenautos von einer Weltumrundung gab. Statt 2015 soll das Brennstoffzellenauto von Daimler schon 2014 in die Großserienproduktion gehen. Der Fahrzeugtyp hierfür soll die B-Klasse werden.

Um die Technologie schneller marktfähig zu machen, will Daimler künftig außerdem noch enger mit seinem Partner Linde zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen die Konzerne in den nächsten drei Jahren 20 Millionen-Euro in den Infrastrukturaufbau investieren. "Gemeinsam mit Linde machen wir jetzt den nächsten Schritt: die Initialzündung in Sachen Infrastruktur", sagte Zetsche heute laut Redemanuskript nach der Rückkehr von drei Brennstoffzellenautos von einer Weltumrundung.

Insgesamt sollen so bundesweit 20 neue Wasserstoff-Tankstellen entstehen, die dem Markt einen wichtigen Impuls geben sollen. Die Zahl der öffentlichen Wasserstoff-Tankstellen würde sich damit verdreifachen. Deutschland könne eine Vorreiterrolle und die Industrieführerschaft auf dem Weg zu einer emissionsfreien Mobilität übernehmen, kündigte Linde-Chef Wolfgang Reitzle an.

Daimler gilt als einer der Pioniere in der Brenstoffzellen-Technologie und hatte am Mittwoch eine im Januar gestartete Flotte von Mercedes-Benz-Fahrzeugen mit Brennstoffzellen-Antrieb nach einer Weltumrundung in Stuttgart wieder in Empfang genommen. Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber hatte dies im Handelsblatt-Interview heute als "technologischen Durchbruch und als Start in ein neues Zeitalter der Mobilität" bezeichnet. Damit sich Brennstoffzellen-Fahrzeuge aber jetzt am Markt durchsetzen können, benötigen die Hersteller eine flächendeckende Wasserstoff-Infrastruktur. Weltweit gibt es bislang nur rund 200 solcher Stationen. Alleine in Deutschland ist nach Einschätzung von Experten ein Netz von etwa 1000 Tankstellen für eine flächendeckende Basisversorgung notwendig, wie der Autobauer weiter erklärte.

30.000 Kilometer in 125 Tagen

Mit der Weltumrundung wollte Daimler für den Aufbau eines globalen Netzes werben. Laut früheren Angaben gibt es in Deutschland insgesamt nur 30 Wasserstoff-Stationen, davon viele, die nicht öffentlich zugänglich sind. Die Fahrt der Fahrzeuge der B-Klasse mit dem umweltfreundlichen Antrieb ging durch 14 Länder - darunter die USA und China. In 125 Tagen wurden 30.000 Kilometer zurückgelegt.

Eine Allianz von Autoherstellern hatte Ende 2009 angekündigt, marktreife Brennstoffzellen-Fahrzeuge bis zum Jahr 2015 zu entwickeln. Parallel dazu soll ein flächendeckendes Wasserstoff-Tankstellennetz zwischen den Alpen und der Nordsee entstehen. Zu der Autobauer-Allianz gehören außer Daimler noch Toyota sowie Ford, General Motors, Honda Motor, Hyundai Motor, Kia Motors, Renault und Nissan Motor. Beim Aufbau des Tankstellen-Netzes arbeiten unter anderem Linde, Daimler, EnBW, OMV und Total zusammen.

Die Brennstoffzelle erzeugt Strom aus Wasserstoff und Sauerstoff, indem sie chemische Energie in elektrische Energie umwandelt. Anlass für die Tour waren die Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag des Autos. Am 29. Januar 1886 hatte Carl Benz sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" beim Patentamt eingereicht. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde des modernen Automobils.

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