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03.01.2007

10:21 Uhr

Brief an die Mitarbeiter

Kleinfeld schwört Siemens auf saubere Geschäfte ein

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat ein schweres Jahr hinter sich. Die Schmiergeldaffäre hat sein Image schwer beschädigt. Nun sucht Kleinfeld zum Jahreswechsel die Offensive im eigenen Haus. In einem Brief an die Mitarbeiter fordert er die weltweit 475 000 Siemens-Beschäftigten zur Mithilfe im Schmiergeldskandal auf.

Fordert von seinen Mitarbeitern Zivilcourage: Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Foto: dpa dpa

Fordert von seinen Mitarbeitern Zivilcourage: Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Foto: dpa

fas MÜNCHEN. „Niemand darf Verhaltensweisen tolerieren, die nicht unseren Verhaltensregeln, den Business Conduct Guidelines, entsprechen“, schreibt Kleinfeld an die weltweit 475 000 Siemens-Beschäftigten. Bei Zweifeln, ob ein Verhalten regelwidrig sei, habe jeder Mitarbeiter das Recht und die Verantwortung, sich mit den unabhängigen Ombudsmännern in Verbindung zu setzen, die Siemens nach dem jüngst publik gewordenen Schmiergeldskandal berufen hat. „Wir wollen in Zukunft vorbildlich sein in Transparenz und Verhalten und damit weltweit Standards setzen“, schreibt Kleinfeld.

Der Siemens-Chef reagiert damit auf den laufenden Schmiergeldskandal. In den vergangenen Wochen hatte der Konzern Zahlungen von 200 Mill. Euro identifiziert, die illegal aus dem Unternehmen herausgeflossen sind, insgesamt 420 Mill. Euro stuft Siemens als zweifelhafte Zahlungen ein. Ermittler in Österreich, Italien, Griechenland und Deutschland vermuten ein System von schwarzen Kassen, mit deren Hilfe Siemens Schmiergelder an Entscheidungsträger gezahlt haben soll, die dafür den Münchenern Aufträge zuschanzten. Ein halbes Dutzend Konzernmanager musste vor Weihnachten in Untersuchungshaft, darunter auch das ehemalige Vorstandsmitglied Thomas Ganswindt. Alle Beschuldigten sind wieder auf freiem Fuß. Kleinfeld wird von der Staatsanwaltschaft nicht als Beschuldigter geführt.

Die Siemens-Spitze um Kleinfeld und seinen Vorgänger und jetzigen Aufsichtratschef Heinrich von Pierer hat eine schnelle Aufarbeitung des Skandals angekündigt und kurz vor Weihnachten den Antikorruptionsexperten Michael Hershman engagiert. Der Amerikaner will in den kommenden Monaten das gesamte Ausmaß der Affäre aufdecken.

Doch auch ohne die Korruptionsaffäre musste Kleinfeld in den vergangenen Wochen viel Kritik einstecken. Neben der beabsichtigten Erhöhung der Vorstandsgehälter um dreißig Prozent beschädigte vor allem die Pleite der ehemaligen Siemens-Mobilfunktochter BenQ Mobile das Image des Unternehmens.

„Viele von Ihnen haben in ihren Geschäftseinheiten exzellente Ergebnisse erreicht, und gleichzeitig mussten wir schwere Schläge gegen unseren hart erarbeiteten guten Ruf einstecken“, schreibt Kleinfeld, der vor allem seine Kritiker innerhalb des Konzerns zu beruhigen versucht. Erst vor wenigen Tagen hatte der Verein der Siemens-Belegschaftsaktionäre angekündigt, auf der Hauptversammlung Ende Januar Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Die Belegschaftsaktionäre haben eine Generalabrechnung mit dem Management auf dem Aktionärstreffen angekündigt.

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